Katholische Kirche von

Missbrauch: 600 Anzeigen
an Vatikan gegangen

Zahlen von 2013 veröffentlicht - Vatikan wegen Missbrauchs-Skandalen unter Druck

Papst Franziskus bei einer Messe im Vatikan. © Bild: REUTERS/Max Rossi

Im Vatikan sind im Jahr 2013 insgesamt 600 Anzeigen wegen mutmaßlichem sexuellen Missbrauch von Priestern eingegangen. Diese Zahl nannte der vatikanische Innenminister, Erzbischof Angelo Becciu, laut Kathpress in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Samstag).

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Es handle sich zum größten Teil um Fälle, die schon Jahrzehnte zurücklägen, erklärte Becciu. Zur Zahl der verurteilten Priester machte er keine Angaben. Der Erzbischof bekräftigte zugleich, dass der Vatikan im Kampf gegen sexuellen Missbrauch einer "Null-Toleranz"-Strategie folge.

In den Jahren 2011 und 2012 wurden laut Statistik insgesamt 384 römisch-katholische Priester wegen sexuellen Missbrauchs von der vatikanischen Glaubenskongregation laisiert. Sie dürfen nicht mehr als Priester wirken. Dies ist die schwerste Strafe, die das Kirchenrecht abgesehen von einer Exkommunikation kennt.

Vatikan unter Druck

Unterdessen laufen die Ermittlungen des Vatikans gegen den polnischen Erzbischof Jozef Wesolowski wegen mutmaßlichen Kindermissbrauchs auf Hochtouren. Gesucht werden jetzt Komplizen, die dem 65-jährigen Polen Kinder vermittelt und sich mit ihm an sexuellen Misshandlungen beteiligt haben könnten.

Aus den Dokumenten der Vatikan-Ermittler geht klar hervor, dass der Nuntius mit anderen Personen Minderjährige sexuell missbraucht habe, berichtete die Tageszeitung "Corriere della Sera" am Freitag. Nicht ausgeschlossen wird, dass Wesolowski einem internationalen Pädophilenring angehörte. Überprüft wird die Email-Korrespondenz des Geistlichen.

Kinderpornografische Bilder entdeckt

In Wesolowskis Computer wurden 100.000 Dateien mit kinderpornografischem Material entdeckt, 45.000 weitere Bilder waren gelöscht worden, berichtete das Blatt. In den Fotos sind Minderjährige im Alter zwischen 13 und 17 Jahren zu sehen. Aus den Ermittlungen geht hervor, dass der Geistliche besonders geschickt mit Computertechnologie umgehen konnte. Er hatte in einem Computer im Vatikan-Besitz ein wahres Archiv kinderpornografischer Fotos angesammelt, berichtete "Corriere della Sera".

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