Vatertag von

Alles Gute, lieber Papa!

Der 2. Sonntag im Juni gebührt den Vätern - dank Helmut Herz

Vatertag - Alles Gute, lieber Papa! © Bild: APA/Techt

Wenn ihm seine zwei Kinder, acht Enkel und vier Urenkeln heute gratulieren, dann weiß Helmut Herz, wem er diese Ehrung zu verdanken hat, nämlich sich selbst. Der heute 85-Jährige ist nämlich der "Vater" des österreichischen Vatertags.

1955 steckte die Textilbranche in der Krise - eine Idee musste her. Und der damalige Gloriette-Werbeleiter wusste auch, welche: Der Vatertag sollte im Jahr darauf die Sommerzeit beleben und den Konsum ankurbeln. Damit die Idee greifen konnte, müsste man das Vorhaben allerdings firmenneutral gestalten und auch andere Firmen dafür begeistern.

"...leb' er hoch der Vatertag"
"Eine gemeinsame Torte wird schöner, größer und es können alle ein Stück davon haben", argumentierte Herz und lief damit bei den anderen Firmen offene Türen ein. Inserate mit dem von ihm getexteten Spruch "Vater sein ist vielfach Plag', drum leb' er hoch der Vatertag" erschienen, Plakate und Aufsteller in den Schaufenstern begannen die Menschen ab Jänner/Februar für die Idee zu begeistern. Ein Zeichen-und Malwettbewerb zum Thema "Bild oder Beruf des Vaters" war ein ungeheurer Erfolg und gewann die Herzen der Kinder.

In der damals überschaubaren Medienlandschaft kannte Herz praktisch alle Journalisten und bat sie um entsprechende Beiträge. Und Hermann Gmeiner, der Gründer der SOS-Kinderdörfer ließ sich ebenfalls vor den Karren spannen.

Auf schlechtes Gewissen der Mütter gesetzt
Auch das Datum, den zweiten Sonntag im Juni, bestimmte der Werbeprofi: "Ich dachte, da hätten die Frauen noch ein schlechtes Gewissen, weil sie etwas zum Muttertag bekommen haben." Zudem hoffte man, die aus Amerika stammende Mode der "Buschhemden", die über der Hose getragen wurden, in der ansonsten "toten" Zeit vermarkten zu können.

Risiko
Skeptiker gab es genug: "Das wird nix", hatte ein Sekretär der Wirtschaftskammer gemeint. "Wenn es wirklich nicht geklappt hätte, wäre mein Job an der Kippe gestanden", erinnerte sich Herz im APA-Gespräch.

Umsätze verdoppelt
Doch der Erfolg gab ihm recht. Als der Funktionär am Montag anrief und erzählte, dass ihn seine Kinder im Bett überrascht und gratuliert hätten, wusste er, dass er gewonnen hatte. Und der saisonale Umsatz von Gloriette hatte sich auch verdoppelt. Auch heute noch freut sich der heimische Handel über einen Umsatz von weit über 100 Millionen Euro, auch wenn der Vater- nicht mit dem Muttertag mithalten kann.

Was war sein schönstes Geschenk? Das gemalte Bild seines damals achtjährigen Sohnes zum allerersten Vatertag - und dieses Kunstwerk befindet sich auch 60 Jahre später noch immer in der Sammlung des 85-Jährigen.