Vater zwang eigenen Sohn zum Saufen:
35-jähriger Mann zu Geldstrafe verurteilt

Steirer wollte 11-Jährigen nur "eine Lehre erteilen"

Wegen Quälens und Vernachlässigens Unmündiger stand am Mittwoch ein 35 Jahre alter oststeirischer Elektroinstallateur vor dem Grazer Straflandesgericht. Er soll seinen Sohn gezwungen haben, Wein zu trinken. Der Angeklagte gab an, er hätte dem damals Elfjährigen nur eine Lehre erteilen wollen, da sich dieser wünschte, unbedingt "besoffen" zu sein. Dass die Lehrstunde mit einer Alkohol-Vergiftung endete, war nicht geplant. Das Strafverfahren wurde mit einem Vergleich beendet.

Der Beschuldigte erklärte sich zur Zahlung einer Geldbuße von 800 Euro bereit und entging damit einer Verurteilung. Sobald er den Betrag überweist, wird die Staatsanwaltschaft das Verfahren formell einstellen.

Der inkriminierte Vorfall ereignete sich bereits Anfang Jänner dieses Jahres. Ein Nachbar hatte den strikten Anti-Alkoholikern eine Flasche Weißwein vor deren Haustür gestellt. Der Elfjährige fand die Flasche und wollte unbedingt etwas trinken. Seine Argumentation: Andere Kinder in seiner Hauptschule seien auch schon betrunken gewesen.

Da die Eltern, die noch ein acht- und ein zehnjähriges Kind haben, ihren Angaben zufolge verhindern wollten, dass sich ihr angeblich tobsüchtiger Junior - er leidet an einer komplizierten Schwerhörigkeit, die ihn aggressiv machen soll - mit der Flasche Wein in den Wald absetzt, wählte der Beschuldigte "das kleiner Übel", wie sich Richter Ernst Schaffernak ausdrückte. Er stellte ihm ein Viertel hin.

"Er sollte die Wirkung am eigenen Leib erfahren. Ich dachte, dass er sich übergeben wird. Da hab' ich mich wohl verrechnet", so der 35-jährige gebürtige Rumäne vor Gericht. Der Schüler schüttete "den Wein wie Wasser runter" und verlangte noch mehr, erklärte der Vater.

Die Mutter leerte die Flasche schließlich aus. Plötzlich sei der Elfjährige käseweiß im Gesicht geworden und hätte Schaum vorm Mund gehabt. Er musste mit 1,2 Promille Alkohol im Blut in die Grazer Kinderklinik eingeliefert werden. Danach kam er ins SOS-Kinderdorf nach Stübing. Die Eltern hoffen, dass sie ihren Sohn bald wieder zurück bekommen. Der Elfjährige bekam in der Verhandlung den Rat, sich künftig an die Schulmilch-Aktion zu halten.
(apa)