Fakten von

Bedächtiger Professor
wird Österreichs Nummer 1

Anti-Hofer-Stimmung spült Alexander Van der Bellen in die Hofburg

Fakten - Bedächtiger Professor
wird Österreichs Nummer 1 © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Ein blaues Wunder hatte man erwartet, ein grünes ist es geworden. Alexander Van der Bellen wird mit 72 Lenzen als erster Grüner österreichisches Staatsoberhaupt. Seinen hauchdünnen Sieg hat der Sohn russisch-estnischer Einwanderer wohl gleichermaßen seiner ausgleichenden Persönlichkeit wie der Furcht vor einem freiheitlichen Bundespräsidenten zu verdanken.

THEMEN:

Van der Bellen ist ein politischer Spätzünder. Als Professor für Volkswirtschaftslehre lernte ihn das Grüne Urgestein Peter Pilz kennen und lockte das frühere SPÖ-Mitglied in seine Partei. Als Kandidat für den Rechnungshof-Präsidenten noch gescheitert, zog er wenig später 1994 als Abgeordneter in den Nationalrat ein.

Es dauerte nicht lange, bis der fachkundige Professor mit guter Rhetorik, stets verstehen mit einem Schuss Humor, zum Star der Grünen aufstieg und das, obwohl seine Positionen der Basis bis heute viel zu wirtschaftsliberal sind. Das hinderte die Partei freilich nicht, ihn 1997 zum Bundessprecher und 1999 zum Klubobmann zu machen.

Politik der Grünen geprägt

Über ein Jahrzehnt prägte Van der Bellen die Politik der Grünen. Wahlerfolge folgten, manche größer, manche kleiner. Eine Niederlage gab es für Van der Bellen nur am Verhandlungstisch, als sich der von ihm durchaus geschätzte Wendekanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) für eine Neuauflage von Schwarz-Blau entschied, statt die Grünen in die Regierung zu holen.

Danach wirkte Van der Bellen deutlich weniger motiviert. Als die Wahl 2008 nicht so gut lief wie erhofft, übergab er die Staffel an seine langjährige Kronprinzessin Eva Glawischnig. Er selbst blieb zunächst im Nationalrat, wurde von den Wienern mit Vorzugsstimmen in den Landtag gewählt und holte sich eine Image-Delle, als er das direkt vergebene Mandat erst nach über einem Jahr Schreckstarre annahm. Keinen allzu schlanken Fuß machte zudem, dass er sich dann auch noch den "Weißen-Elefanten-Posten" des Wiener Universitätsbeauftragten umschnallen ließ.

Kein großer Wahlkämpfer

Ein großer Wahlkämpfer war Van der Bellen nie. Fast immer lagen die Wahl-Ergebnisse hinter den Prognosen. Das Bad in der Menge ist nicht das seine, oft tut sich der Uni-Professor schwer, mit dem Volk auf Augenhöhe zu kommunizieren, nicht aus Überheblichkeit, sondern weil es ihm nicht liegt. Vielleicht auch, weil er es nie gewohnt war, auch wenn er im heimatlichen Kaunertal bei der breiten Bevölkerung ausnehmend beliebt ist.

In der Präsidentschaftskampagne gab es einen geänderten Van der Bellen zu sehen. Nie zuvor wirkte er so gecoacht, nie so populistisch. Am Deutlichsten wurde dies mit seinem Schwenk in Sachen Freihandelsabkommen TTIP, wo er dem Wahlkampf geschuldet vom sanften Befürworter zum vehementen Gegner wurde. Dass er den Begriff Heimat für die Grünen besetzen wollte, schreckte auch den ein oder anderen Linken der eigenen Partei ab, erwies sich insgesamt aber offenbar als mehrheitsfähig.

Weitgehend als lächerlich empfunden wurden die Versuche, den langjährigen Grünen-Chef als unabhängigen Kandidaten zu positionieren. Auch sein Verständnis für den russischen Einmarsch auf der Krim oder die Überlegung, die FPÖ auch dann nicht mit der Regierungsbildung zu beauftragen, wenn sie über die absolute Mehrheit verfügt, gehörten nicht unbedingt zu den Highlights der Van der Bellen-Kampagne. Für Freunde der Etikette ein No-Go war schließlich sein "Scheibenwischer" im hitzigen ATV-Duell mit Kontrahent Norbert Hofer.

Professoraler Charme

Dass es sich letztlich trotzdem mit dem höchsten Amt im Staat ausgegangen ist, hat wohl viel mit seinem über Jahre aufgebauten Image zu tun, dem er in Grundzügen auch heute treu ist. Van der Bellen strahlt eine gewisse Güte aus, hat professoralen Charme, meidet tendenziell klassischen Polit-Sprech und ist nicht gerade ein Bürgerschreck, vor dem sich konservative Wähler fürchten müssen. Zudem konnte er von der Furcht vor einem freiheitlichen Präsidenten profitieren. So manchem, der mit den Grünen wenig anfangen kann, war deren langjähriger Chef dann doch das kleinere Übel - einfach, weil Van der Bellen vor allem europapolitisch berechenbarer ist, Österreichs Ansehen in der Welt wohl kaum schadet und letztlich auch innenpolitisch keinen größeren Wirbel erwarten lässt.

Anzunehmen ist, dass der neue Präsident das Amt ähnlich wie der alte, Heinz Fischer, anlegen wird, ruhig, bedächtig, ohne sich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Seine zweite Ehefrau, die der zweifache Vater kurz vor der Hofburg-Kampagne geheiratet hat, wird übrigens keine klassische First Lady sein sondern weiter ihrem Job bei den Grünen erledigen. Was Van der Bellen morgen machen wird, wissen wir jedenfalls schon seit dem Abschluss seiner Kampagne, nämlich einen Anruf in der Hofburg mit der Anfrage: "Lieber Heinz, wie machen wir die Amtsübergabe?"

Kommentare


Ob nun Hofer oder van der Bellen, die ungebremste Zuwanderung junger, kräftiger und kampferprobter Migranten aus Afrika und Nahost kann nicht mehr aufgehalten werden und wird auch dieses Jahr für eine spannende Badesaison sorgen, besonders für Frauen. Es bleibt spannend!

Laleidama

das bürgerliche Lager hat es entschieden, zumal lediglich die konservativ - klerikal Orientierten zu Hofer tendierten, die Griss wähler und Neoliberalen haben ihn verhindert und deswegen VdB gewählt, obwohl er nicht ihr Wunschkandidat war. politics as usual.. über die Gründe lässt sich diskutieren....bzw. ist es an der FPÖ gelegen, die anderen Gruppen zu gewinnen

Henry Knuddi

55% hatte hofer bereits - er hätte sicher gewonnen
dann kam der bumsti und machte stimmung gegen italien
südtirol gehört zu österreich
und weg waren 5%
die tiroler sind nicht dumm, aber sie kannten diese gefahr
bumsti kamm dann noch wegen der nicht-asylos plus ausländer und dann waren 1% weg
die paar promile von bumsti konnten 6% nicht aufwerten

Henry Knuddi

richtigstellung:
bundespräsident heisst heinz fischer bis 8.7
ab 8.7 heisst vdb

Annforever melden

Bedächtiger Professor die Nr. 1 von Österreich? Zum Glück nur eine von vielen unsinnigen Schlagzeilen. Ein greiser, selbstgefälliger und eigennütziger Belehrer, welcher sich erst mal ein Raucherkammerl in der Hofburg einrichtet, obwohl sich " sein " Land vergebens um eine bessere Gesundheitspolitik bemüht. Einer der durch und durch grün ist, das im richtigen Moment jedoch verneint. Armes Land!

Henry Knuddi
Henry Knuddi melden

du biste noch grün hinter den ohren - somit grünling
auch kreisky sprach langsam und vorher denkend
du schreibst und denkst halt danach

Oberon
Oberon melden

In meiner Jugendzeit, als mir die Grünen in einer politischen Sendung zum ersten Mal aufgefallen sind, habe ich zuerst geglaubt, das sind Putzmänner, die den Sitzungssaal reinigen. Meine Mutter meinte nur trocken, dass es Politiker sind. Ich konnte es nicht glauben, aber es war so. So was Ungepflegtes, da sind Obdachlose ja noch eleganter. :-) Räudiger, struppiger Bart, Herrgottschlapfen ........

Oberon
Oberon melden

.... und Hawaii-Hemden. Nix mit Hautevolée, die würden sich schön bedanken, mit einem typischen Grünen auf der Straße gesehen zu werden. Das ist ja direkt rufschädigend!

annas
annas melden

hin oder her, er ist der bessere , glaubts mir

Annforever melden

ANNAS@ Der Bessere weil? Für mich eher ein Besserwisser! Unsympathisch schon damals bei den Grünen, unglaubwürdig seit seiner Aussage zur Überparteilichkeit und inkompetent in der so wichtigen Flüchtlingsfrage, denn seiner Meinung nach haben wir ja noch genügend Platz. Besser gleich wegschauen, fällt mir dazu nur noch ein.

Testor melden

Ich bin der Meinung von @annas. Irgend jemand (vielleicht war es Strache) hatte unlängst einen gedanklichen Bezug von Norbert Gerwald Hofer zu Andreas Hofer hergestellt; offensichtlich zwei Heimatverteidiger! Bei Andreas Hofer bestand diese Verteidigung im Partisanenkampf gegen die Franzosen und die Bayern. Bei Norbert Hofer offensichtlich gegen die Migranten.

Testor melden

Bei Hofer hatte ich den Eindruck, dass er einen präsidialen Führerstaat anstrebt, also mehr autoritäres Regieren (wie in Ungarn, Polen oder gar in der Türkei). Das rief mir einen anderen Hofer in Erinnerung: Gauleiter Franz Hofer von Tirol, der Ende 1944 Hitler vorschlug die Alpenfestung auszubauen und zu verteidigen, obwohl für die Nazis schon alles verloren war.

Henry Knuddi
Henry Knuddi melden

die alpenfestung wurde sogar noch gebaut, aber als die amis kammen verschwanden alle in tracht und jubelten

Henry Knuddi
Henry Knuddi melden

@Oberon
stillmässig ist er christian95
möchtergernblockwart

Oberon
Oberon melden

@Henry Knuddi, wow, jetzt haut's mich aber gleich aus den Schuhen. SIE sind nämlich der Erste, der mich durchschaut hat. In der Realität ist das bis jetzt noch niemandem gelungen. ;-)

Seite 1 von 1