Kontrapunkt von

Der Van-der-Bellen-Effekt

Gerfried Sperl © Bild: News

Bis zur Nationalratswahl 1999 dümpelten die Grünen knapp über der Vier-Prozent-Hürde. Ihr (größer wirkender) parlamentarischer Erfolg hing damit zusammen, dass eine über den Straßenprotest effizient gewordene Protestpartei mit der Umweltproblematik punktete. Siehe Zwentendorf, siehe Hainburg. Zwei Jahre davor hatte ein soigniert wirkender Uni-Professor die Partei übernommen. Der Kettenraucher und Café-Ökonom mit Tiroler Hintergrund setzte den Grünen einen (Kultur-)Liberalismus drauf, der besonders in den großen Städten die Gemüter mobilisierte. Sein Auftreten entsprach auch dem Aufstieg des linksliberalen, blassrosa "Standard", der aus den Kitteln der Spitalsärzte lugte, die Kunstvernissagen prägte und vor den Universitäten spontane Debatten provozierte.

In diesem ominösen Jahr 1999, dem 2000 mit dem putschartigen Machtwechsel zu Schwarz-Blau folgte, legten die Grünen 2,6 Prozent auf 7,40 Prozent zu. Das Liberale Forum der Heide Schmidt verlor 1,86 Prozent und fiel auf 3,65 Prozent -unter die Vier-Prozent-Marke. Das war das liberale Aus bis zur schwarz-liberalen Mischung des Matthias Strolz in Form der Neos.

Was war geschehen? Der "Van-der-Bellen-Effekt" veränderte die Landschaft der kleinen Parteien, die Grünen bestanden nun nicht mehr nur aus katholischen (Caritas-)Aktivisten in den Waldlandschaften außerhalb von Wien, Graz und Innsbruck und den Linkssozialisten der Bundeshauptstadt. Dazu kamen Kultur- und Sozialliberale, die Van der Bellen dem Liberalen Forum abspenstig machte. Und die er erneut - machtvoller - aktivierte, als es um die Hofburg ging.

Als der heutige Bundespräsident 2008 an Eva Glawischnig übergab, begannen die Grünen, zu schwächeln. Es fehlte " Saschas" Charisma. Glawischnig glich die Defizite aus, weil sie mit den Länder-Grünen die Landtage eroberte und neue Gesichter in die Landesregierungen einzogen. In den großen Städten wirkte Van der Bellens Image noch einige Jahre als Kitt -bis zum Pyrrhussieg bei der Bundespräsidentenwahl.

2017 merkten grüne Stammwähler erst so richtig, was alles fehlte. Nicht nur Van der Bellen, sondern auch ein bissiges Programm und charismatische Persönlichkeiten. Peter Pilz besorgte, von der Partei geschasst, den Rest. Sie fielen aus dem Nationalrat heraus und werden ihm in der alten Form wohl nie mehr angehören.

Der Nationalrat bleibt ihnen verwehrt, solange es die Neos (mit Matthias Strolz) gibt, solange Pilz die Landschaft unsicher macht und solange bei den Grünen keine völlig neuen charismatischen Figuren auftauchen. Murmeltiere gibt es genug. Das kann mindestens zehn Jahre dauern. Dann aber stellen sich andere als die alten grünen Fragen. Und die sozialen Medien werden zusammen mit den Postings der ehemaligen "Print-Zeitungen" die Meinungsmacht endgültig nach rechts verschoben haben.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir bitte: sperl.gerfried@news.at