Van der Bellen, der
gelassene Staatsmann

Aus der letzten Regierungskrise ist in erster Linie ein Star hervorgegangen: Unser Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Als gelassener Staatsmann hat er Österreich sicher durch eine turbulente Zeit geführt und mit der ersten (Interims-)Kanzlerin Brigitte Bierlein auch noch ein gesellschaftspolitisches Zeichen gesetzt.

von Porträt - Van der Bellen, der
gelassene Staatsmann © Bild: APA/Lechner
  • Name: Alexander van der Bellen
  • Geboren am: 18. Jänner 1944
  • Position: Bundespräsident
  • Ausbildung: Volksschule, Gymasium und Universität in Innsbruck
  • Partei: parteilos, davor Grüne, davor SPÖ
  • Familienstand: verheiratet (zum 2. Mal)
  • Kinder: zwei Söhne (aus geschiedener Ehe)

Dabei war Van der Bellen eigentlich ein politischer Spätzünder. Als Professor für Volkswirtschaftslehre lernte ihn das Grüne Urgestein Peter Pilz kennen und lockte das frühere SPÖ-Mitglied in seine Partei. Als Kandidat für den Rechnungshof-Präsidenten noch gescheitert, zog er wenig später 1994 als Abgeordneter in den Nationalrat ein.

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Es dauerte nicht lange, bis der fachkundige Professor mit guter Rhetorik, stets verstehen mit einem Schuss Humor, zum Star der Grünen aufstieg und das, obwohl seine Positionen der Basis bis heute viel zu wirtschaftsliberal sind. Das hinderte die Partei freilich nicht, ihn 1997 zum Bundessprecher und 1999 zum Klubobmann zu machen.

Politik der Grünen geprägt

Über ein Jahrzehnt prägte Van der Bellen die Politik der Grünen. Wahlerfolge folgten, manche größer, manche kleiner. Eine Niederlage gab es für Van der Bellen nur am Verhandlungstisch, als sich der von ihm durchaus geschätzte Wendekanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) für eine Neuauflage von Schwarz-Blau entschied, statt die Grünen in die Regierung zu holen.

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Danach wirkte Van der Bellen deutlich weniger motiviert. Als die Wahl 2008 nicht so gut lief wie erhofft, übergab er die Staffel an seine langjährige Kronprinzessin Eva Glawischnig. Er selbst blieb zunächst im Nationalrat, wurde von den Wienern mit Vorzugsstimmen in den Landtag gewählt und holte sich eine Image-Delle, als er das direkt vergebene Mandat erst nach über einem Jahr Schreckstarre annahm. Keinen allzu schlanken Fuß machte zudem, dass er sich dann auch noch den "Weißen-Elefanten-Posten" des Wiener Universitätsbeauftragten umschnallen ließ.

Vom "Wahlmuffel" zum väterlichen Staatsoberhaupt

Doch der Wähler bescherte Van der Bellen mit über 70 einen zweiten Frühling. Ins vom Frust über Rot-Schwarz entstandene Wähler-Vakuum stieß er mit einer cleveren Präsidentschaftskandidatur, die ganz neue Seiten des Hundefreunds präsentierte. Van der Bellen zeigte sich einerseits als Heimat-Politiker, verblüffte andererseits mit einem wenig staatstragenden Scheibenwischer in einer TV-Konfrontation mit seinem Kontrahenten Norbert Hofer von der FPÖ, den er schließlich im dritten Anlauf einer epischen Wahlschlacht recht knapp bezwingen konnte.

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Sein Amt legte Van der Bellen nicht so unähnlich seinem Vorgänger Heinz Fischer an, vielleicht weniger leutselig, dafür noch entspannter, beispielhaft dafür seine Spaziergänge mit Hund in der Wiener Innenstadt. Zu Wort meldete sich das Europa- und Umweltthemen stark zugewandte Staatsoberhaupt nicht bei jeder Gelegenheit, sondern nur, wenn es ihm wichtig erschien, etwa wenn es ums Rütteln an der Menschenrechtskonvention oder die Art der Umsetzung des "12-Stunden-Tags" ging. Bei der Regierungsbildung war ihm bewusst, dass er Türkis-Blau nicht ohne mittlere Staatskrise verhindern könnte, setzte aber mit der prophylaktischen Ablehnung von Harald Vilimsky und Johann Gudenus sein Zeichen.

Zuletzt war Van der Bellen, der Vater zweier Söhne ist und in zweiter Ehe mit der früheren Grünen-Mitarbeiterin Doris Schmidauer verheiratet ist, nachgesagt worden, trotz fortgeschrittenen Alters eine zweite Hofburg-Kandidatur zu überlegen. Nach seinem Vorgehen in den vergangenen Tagen werden sich das nicht wenige wünschen.