Val d'Isere von

Gigantenduell im Riesenslalom

Ted Ligety zertrümmert die Konkurrenz, aber Marcel Hirscher lauert als erster Verfolger

Marcel Hirscher und Ted Ligety in Beaver Creek 2011 © Bild: GEPA pictures/Oberländer

Er hat saisonübergreifend drei der letzten vier Weltcup-Riesentorläufe gewonnen, ist Titelverteidiger in der Disziplinwertung und regierender Weltmeister. Ted Ligety dominierte die beiden Rennen in dieser Saison in Sölden und Beaver Creek nach Belieben und ist auch heute auf der wegen der gefallenen Schneemassen verkürzten Strecke in Val d'Isere der große Favorit. Erster Herausforderer ist der Salzburger Marcel Hirscher, der zuletzt in den USA am engsten an den US-Amerikaner rangekommen ist.

Das bedeutete jedoch immer noch einen Rückstand von 1,76 Sekunden, in Sölden waren es für den drittplatzierten Hirscher sogar 3,12 gewesen. Dazwischen hatte sich beim Gletscher-Auftaktrennen 2012/2013 als Zweiter der Südtiroler Manfred Mölgg (+2,75) geschoben. Hirscher stand in den letzten sieben Riesentorläufen non stopp auf dem Podest - 1, 1, 2, 3, 1, 3, 2 bedeutet eine Vorzeige-Bilanz. Und auf den Hängen in Val d'Isere und Alta Badia (16. Dezember) lässt das Gelände auch eine andere Kurssetzung zu als etwa zuletzt auf der Raubvogelpiste.

"Hier auf europäischem Schnee fängt die Saison noch einmal neu an", sagte deshalb Hirscher, der in den vier technischen Rennen vor der Weihnachtspause - Slalom und Riesentorlauf in Val d'Isere, Riesentorlauf in Alta Badia und Slalom in Madonna di Campiglio - noch ordentlich punkten möchte. Wie auch Ligety, dessen Saisonziel ganz klar die große Kristallkugel ist "Mein Hauptziel ist es, den Gesamtweltcup zu gewinnen. Und um das zu erreichen, muss ich auch im Slalom zu den Besten gehören", meinte der 28-Jährige in Val d'Isere.

Ligety träumt vom Gesamtweltcup
Vorrangig gilt für Ligety natürlich, die Performance im Riesentorlauf, die als Basis für die Verwirklichung des großen Traumes dient, auf höchstem Niveau zu halten. "Es folgen harte Rennen. Ich denke, der Gesamtweltcup ist möglich, aber wenn Aksel Svindal weiter so gut fährt, dann wird es schwierig, ihn zu schlagen. Aber ich habe heuer eine bessere Chance, als ich in den vergangenen Jahren hatte", meinte Ligety, der auf seiner Rechnung freilich auf Hirscher nicht vergessen sollte.

In Val d'Isere fühlen sich Hirscher und Ligety wohl. Bei den Weltmeisterschaften vor knapp vier Jahren auf der "Face de Bellevarde" in Val d'Isere siegte der Schweizer Carlo Janka vor dem Tiroler Benjamin Raich, Ligety und Hirscher, der damit nur knapp eine Medaille verpasste. Die noch darauffolgenden Weltcups gewannen Hirscher (Dezember 2009) und Ligety (Dezember 2010).

ÖSV-Team für Weltcup-Riesentorlauf am Sonntag in Val d'Isere (9.30/12.30 Uhr): Hannes Reichelt, Marcel Hirscher, Benjamin Raich, Romed Baumann, Christoph Nösig, Philipp Schörghofer, Marcel Mathis, Stephan Görgl.

Schwierige Bedingungen
Dank großer Bemühungen haben die Organisatoren eine gute Slalompiste zusammengebracht, für den Riesentorlauf ist die Herausforderung aber noch einmal eine größere. "Die Piste ist sehr weich. Ich habe viele gute Ideen, aber die Zuständigen sind die Experten und die müssen sich was einfallen lassen und das tun sie auch", sagte der Slalomdritte Marcel Hirscher.

Val d'Isere kennt scheinbar nur zwei Extreme, entweder werden aus Schneemangel Rennen abgesagt, oder Neuschnee macht die Durchführung zur besonderen Challenge. "Das ist hier speziell. Es schneit fast jedes Mal. Aber dann helfen alle zusammen", sagte Hirscher, der zum Slalom meinte: "Es war sicherlich ein Notprogramm und sicherlich heftig vom Licht her. Aber ich möchte der Crew ein großes Lob aussprechen, denn bei eineinhalb Meter Neuschnee denkst du normalerweise nicht an ein Skirennen."

Verlegung der Rennen
Das Rennen war auf den Nachmittag verlegt worden, weshalb das Flutlicht zum Einsatz kam. "Schladming ist es von der Sicht her nicht", meinte Hirscher, der sich bei sternenklarer Nacht wünschen würde, dass die Piste für den Riesentorlauf mit Wasser verhärtet wird. Zwar soll es um Mitternacht aufklaren, doch wird sich die Balkenpräparierung schon allein zeitlich nicht ausgehen: "Wir verfahren gleich wie im Slalom. Die Maschinen sind auf der Piste und bringen den frischen Schnee raus", sagte FIS-Renndirektor Günter Hujara in der abendlichen Mannschaftsführersitzung.

Nicht optimal werden wegen der frühen Startzeit die Lichtverhältnisse sein, ergänzte er. Zwar soll es ein sonniger Tag werden, die Sonne fällt aber erst um 10.15 Uhr in den Hang ein. Das Flutlicht wird zusätzlich aufgedreht. Ursprünglich war für Sonntag ja der Slalom geplant gewesen, doch wegen der Wettervorhersagen wurden die Rennen getauscht. Noch einmal wies Hujara drauf hin, dass sich die Kurssetzer an das Abkommen, im Riesentorlauf die Torabstände bei 25, 26 Metern auszulegen, halten sollen, und nur in Ausnahmefällen auf 30 m zu erweitern.

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