Vaclav Havel von

Tschechien verabschiedet sich

Sarg mit den Überresten des Ex-Präsidenten aufgebahrt. Beerdigung am Freitag.

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    Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus legt vor Havels Sarg eine Rose hin.

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    In seiner Rede würdigt Klaus den Verstorbenen als "Symbol des Kampfes für die Freiheit und Demokratie".

Massen von Leuten jeden Alters sind gestern in die ehemalige (entweihte) St. Anna-Kirche in der Prager Altstadt gekommen, um sich von dem am Sonntag verstorbenen ehemaligen tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel zu verabschieden. Der Sarg mit den Überresten des einstigen Dissidenten und Anführers der "Samtenen Revolution" 1989 wurde hier ab Mittag bis 20.00 Uhr aufgebahrt.

Heute wird die ehemalige St. Anna-Kirche, die jetzt "Prazska krizovatka" ("Prager Kreuzung") heißt, von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Am Mittwoch und Donnerstag soll der Sarg Havels in den historischen Vladislavsky-Saal gebracht werden, wo die Staatspräsidenten angelobt werden.

Beisetzung am Freitag
Die Beisetzung wird am kommenden Freitag, den 23. Dezember zu Mittag stattfinden, höchstwahrscheinlich im St. Veitsdom auf der Prager Burg. Darauf hat sich Havels Witwe, Dagmar Havlova, mit dem Staatspräsidenten Vaclav Klaus geeinigt.

Vielleicht auch Obama dabei
Unterdessen mehren sich in Prag Medien-Berichte, wonach Spitzenpolitiker aus aller Welt von Havel Abschied nehmen möchten, darunter Bundespräsident Heinz Fischer. Die Rede ist auch von US-Außenministerin Hillary Clinton, nicht ausgeschlossen wird auch die Teilnahme des US-Präsidenten Barack Obama an dem Begräbnis. Aus Deutschland sollte entweder Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Präsident Christian Wullf kommen, hieß es.

Viele Menschen kamen auch auf die Prager Burg, wo im Rothmayer-Saal um 10.00 Uhr Kondolenzbücher aufgelegt wurden. Als erste kondolierten die tschechischen Spitzenpolitiker - Klaus, Senatschef Milan Stech, die Chefin des Abgeordnetenhauses Miroslava Nemcova sowie der Prager Erzbischof Dominik Duka.

Trauer im Abgeordnetenhaus
Das tschechische Abgeordnetenhaus gedachte bei einer Sondersitzung des Politikers, Dramatikers und Kämpfers gegen den Kommunismus. Nach einer Schweigeminute zitierte die Chefin des Unterhauses, Miroslava Nemcova, aus einigen wichtigen Reden, die Havel im Abgeordnetenhaus gehalten hatte. Schließlich erklang auch Havels Stimme selbst aus den Lautsprechern. "Sehr geehrter Herr Präsident, danke!", sagte Nemcova abschließend.

Trauer auch in Wien
Auch in der tschechischen Botschaft in Wien wurden Kondolenzbücher aufgelegt. Trauernde können sich in der Botschaft in der Penzinger Straße 11 - 13 in Wien-Penzing Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr eintragen.

Für den heutigen Nachmittag wurde eine außerordentliche Sitzung der tschechischen Regierung einberufen. Es wird erwartet, dass das Kabinett offiziell die Staatstrauer ausruft. Dem Vernehmen nach dürfte die Staatstrauer drei Tage dauern - von Mittwoch bis Freitag.

Havel war Sonntag früh in seinem Wochenendhaus im nordböhmischen Hradecek im Schlaf gestorben. Die Gesundheit des 75-Jährigen war seit Jahren angeschlagen, was besonders in den letzten Monaten sichtbar war.

Staatstrauer in der Slowakei
Die Slowakei wird am Freitag Staatstrauer halten, um Vaclav Havel zu ehren, der auch Präsident der Tschechoslowakei war. Am Begräbnis in Prag werden der slowakische Präsident Ivan Gasparovic und Ministerpräsidentin Iveta Radicova teilnehmen, wie heute bekanntgegeben wurde.

Havel war in den Jahren 1990 bis 1992 Präsident der Tschechoslowakei. Als im Herbst 1992 der Vorsitzende der tschechischen Bürgerlichen Demokratischen Partei (ODS), Vaclav Klaus, und Vladimir Meciar, der Chef der Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS), die Entscheidung über die Teilung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten trafen, verzichtete Havel auf sein Präsidentenamt und erleichterte damit die Teilung des Staates. Bis 2003 war der frühere Dissident und Schriftsteller dann Staatsoberhaupt der neu gegründeten Tschechischen Republik. Aus Österreich wird Bundespräsident Heinz Fischer an den Begräbnisfeierlichkeiten im Prager Veitsdom teilnehmen.