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Wer folgt auf Obama? Was man über
die US-Vorwahlen wissen sollte

Ab Montag werden die Kandidaten für das Weiße Haus ermittelt

Am Montag tritt das Rennen um die Nachfolge Barack Obamas in die heiße Phase ein. Anders als in Europa bestimmen in den USA die Parteimitglieder von Demokraten und Republikanern nämlich direkt die Spitzenkandidaten für die Präsidentschaftswahl am 8. November – und zwar Bundesstaat für Bundesstaat. Den Auftakt zu diesem Reigen bildet traditionell der kleine Farmerstaat Iowa im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Anlässlich dieser ersten Vorwahl beantworten wir die wichtigsten Fragen zum komplizierten Verfahren, an dessen Ende die beiden Kandidaten für das mächtigste Amt der Welt stehen.

Warum überhaupt Vorwahlen?

Die Vorwahlen wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts mit dem Ziel eingeführt, dem Volk statt dem jeweiligen Parteiapparat die Entscheidung über einen Kandidaten zu ermöglichen. An ihnen können sich sowohl Amtsinhaber als auch von örtlichen Parteigremien nominierte Bewerber mit erwiesener Unterstützung innerhalb ihres Wahlkreises beteiligen.

Wie laufen die Vorwahlen ab?

Der Ablauf der Vorwahlen ist in den einzelnen Staaten unterschiedlich, wobei es zwei grundlegende Systeme gibt: die Vorwahlen (primaries ) und die Wahlversammlungen (caucuses ). Prinzipiell werden nicht die Präsidentschaftskandidaten selbst bestimmt, sondern Delegierte für den jeweiligen Nominierungsparteitag. Diese Delegierten sind dann allerdings in der Regel auf einen bestimmten Kandidaten festgelegt. Da in den USA fast ausschließlich nach dem reinen Mehrheitsprinzip gewählt wird, erhält der Sieger in einem Staat alle Delegiertenstimmen des Staates für den Parteitag.

In den meisten Staaten erfolgt die Auslese in Form der primary, wo tatsächlich in Wahllokalen Stimmen abgegeben werden. Die meisten Staaten haben eine geschlossene Vorwahl (closed primary ), bei der nur eingeschriebene Parteimitglieder mitbestimmen dürfen. Dem gegenüber steht die offene Vorwahl (open primary ): Hier dürfen sich alle Bürger an den Wahlen beteiligen. Die Folge ist, dass bisweilen auch viele Mitglieder der anderen Partei aktiv werden, um das Ergebnis beim politischen Gegner zu beeinflussen.

In den "Caucus"-Staaten dagegen wählt eine reine Parteiversammlung den Wahlkonvents-Delegierten, wobei Beitritte sogar noch zu Beginn der Versammlungen möglich sind. Diese können überall stattfinden, oftmals sind es Schulen, Kirchen oder Bibliotheken. Eine Besonderheit eines caucus ist, dass vor der eigentlichen Abstimmung über die Kandidaten und deren Programme diskutiert wird. Die Wahl selber kann dann auf unterschiedlichste Weise ablaufen – von klassischen Urnen bis hin zur Versammlung in unterschiedlichen Ecken des Raumes und Zählen der Köpfe.

Haben alle Bundesstaaten gleich viele Stimmen?

Nein. Der Stimmenanteil der einzelnen Staaten auf dem Nominierungsparteitag hängt vor allem von ihrer Bevölkerungsstärke und ihrem Wähleranteil bei den letzten drei Präsidentenwahlen ab. Nicht alle Delegierten werden aber auch durch die Vorwahlen bestimmt, es gibt in beiden Parteien zahlreiche "Superdelegierte " wie Kongress-Mitglieder, Gouverneure sowie Vertreter des Parteiapparats. Sie sind nicht an Entscheidungen in ihren Staaten gebunden und könnten daher ein nach den primaries klar erscheinendes Ergebnis noch verändern - zumindest theoretisch. Bei den Demokraten machen die Superdelegierten immerhin ein Sechstel aus, bei den Republikanern sind es hingegen nur 5,6 Prozent.

Wie wichtig ist Iowa?

Paradoxerweise wichtiger, als es eigentlich sollte. Der Staat stellt aufgrund seiner für US-Verhältnisse mageren 3,1 Millionen Einwohner nur wenige Delegierte für die Nominierungsparteitage (52 von 4.700 bei den Demokraten, 30 von knapp 2.500 bei den Republikanern), die ganz überwiegend weiße Wählerschaft spiegelt nicht die Vielfalt des Landes wider und auch die starke Prägung der Wirtschaft durch den Agrarsektor ist nicht repräsentativ. Dennoch verbringen die Präsidentschaftsbewerber wegen der medialen Aufmerksamkeit für die erste Vorwahl viel Zeit in dem dünnbesiedelten Staat im Herzen Amerikas. Die Zeitung "Des Moines Register" zählte seit Beginn des Wahlkampfes mindestens 1.200 Auftritte von demokratischen und republikanischen Präsidentschaftsanwärtern - zehn Mal so viele wie im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien.

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Die Vorreiterrolle geht auf den Wahlkampf 1972 zurück, als die Demokraten ihren Nominierungsparteitag auf den Juli vorverlegten. Daraufhin organisierte die Partei in Iowa ihre Vorwahlen im Jänner. Die Republikaner zogen vier Jahre später nach. Später schrieb das Parlament von Iowa gesetzlich fest, dass in dem Staat die erste Vorwahl für Präsidentschaftskandidaten stattfinden soll.

Wer tritt für die Demokraten an?

  • Hillary Clinton
    Bild 1 von 3 © Bild: APA/AFP/JIM WATSON

    Hillary Clinton

    Sie ist die Favoritin. Die frühere First Lady und spätere Senatorin für den Staat New York hatte sich vor acht Jahren bereits um die Nominierung bemüht, unterlag damals aber Barack Obama. Die 68-Jährige hat finanzkräftige Unterstützer und eine mächtige Wahlkampfmaschine - allerdings kratzt die Affäre um ihre private E-Mail-Nutzung als Außenministerin an ihrer Glaubwürdigkeit.

  • Bernie Sanders
    Bild 2 von 3 © Bild: APA/AFP/JIM WATSON

    Bernie Sanders

    Er setzt Clinton von links unter Druck und könnte in den ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire Überraschungserfolge einfahren. Der 74-jährige Senator und selbsterklärte "demokratische Sozialist" aus Vermont prangert seit Jahrzehnten die ungleiche Verteilung des Reichtums in den USA an.

Wer geht bei den Republikanern ins Rennen?

  • Donald Trump
    Bild 1 von 10 © Bild: AFP PHOTO/MANDEL NGAN

    Donald Trump

    Er hat sich mit populistischen Tönen an der Spitze der Umfragen festgesetzt. Der Immobilienmilliardär macht Stimmung gegen illegale Einwanderer und fordert ein Einreiseverbot für Muslime. In seinem Feldzug gegen die politische Elite verspricht der 69-Jährige, "Amerika wieder großartig" zu machen.

  • Ted Cruz
    Bild 2 von 10 © Bild: APA/AFP/TIMOTHY A. CLARY

    Ted Cruz

    Auch er spielt die Anti-Establishment-Karte und liefert sich mit Trump ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Iowa. Der Senator aus Texas wurde mit seinem Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform zum Liebling der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Zuletzt sah sich der 45-jährige Sohn einer US-Bürgerin und eines Kubaners mit der Frage konfrontiert, ob er wegen seines Geburtsortes in Kanada überhaupt Präsident werden dürfe.

Wer sind die Favoriten?

Bei den Demokraten belegt ganz klar Hillary Clinton die Favoritenrolle, in landesweiten Umfragen lässt sie Bernie Sanders im Rennen um die Kandidatur deutlich hinter sich. In Iowa ist jedoch alles andere als klar, dass Clinton gewinnt. In zwei der jüngsten Umfragen wurde sie von Sanders überflügelt: Beim Sender CBS und dem Institut YouGov um ein Prozent, beim Sender CNN und den Meinungsforschern von ORC (Opinion Research Corporation) sogar um acht Prozent. Bei anderen Umfragen war Clinton jedoch auch in Iowa meist vor Sanders gelegen.

Sollte sie in Iowa scheitern, wäre das wohl nur eine symbolische Niederlage - aber eine negative Erinnerung an 2008. Damals gewann der spätere Präsident Barack Obama, Clinton landete nur auf dem dritten Platz und zog dann ihre Bewerbung zurück.

© APA/Martin Hirsch

Deutlich spannender verläuft das Rennen bei den Republikanern. Seit Monaten liegt der Immobilienmagnat Donald Trump an der Spitze der Umfragen und bringt das Establishment der Partei mit populistischen Äußerungen gegen illegale Einwanderer, Muslime und Freihandel zur Verzweiflung. Doch an der Basis kommen Trumps Tiraden gut an, kein noch so umstrittener oder beleidigender Kommentar scheint ihm politisch schaden zu können. Die Parteioberen suchten Medienberichten zufolge bei Geheimtreffen bereits nach Wegen, wie sie Trump verhindern können.

Jedoch ist ohnehin unklar, ob Trump den Volkszorn auch tatsächlich in Wählerstimmen ummünzen kann. In Iowa liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Senator Ted Cruz , der sich ebenfalls als Anti-Washington-Kandidat profiliert. Der ursprüngliche Wunschkandidat vieler etablierter Republikaner, Jeb Bush , ist in Umfragen hingegen abgeschlagen.

Wann stehen die Präsidentschaftskandidaten fest?

Die offizielle Nominierung erfolgt bei den pompösen Parteitagen im Sommer. Die Demokraten küren ihren Kandidaten in der letzten Juli-Woche in Philadelphia, die Republikaner versammeln sich eine Woche vorher in Cleveland.

Praktisch stehen die Sieger jedoch meistens schon vorher fest, seriöse Prognosen können spätestens nach dem sogenannten „Super Tuesday“ am 1. März abgegeben werden, an dem in 14 Staaten gleichzeitig abgestimmt wird.

Termine der US-Vorwahlen
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