USA von

Skandal um Chris Christie

Beliebter Gouverneur New Jerseys soll sich an Bürgermeister gerächt haben

Chris Christie © Bild: Getty/Betancur

Der republikanische Gouverneur des US-Staats New Jersey, Chris Christie, ist in den Fokus eines politischen Skandals geraten: Mitarbeiter sollen laut Medienberichten vom Mittwoch im September mehrere Spuren der vielbefahrenen George-Washington-Brücke zwischen New York und der Stadt Fort Lee gesperrt haben, um sich an deren Bürgermeister zu rächen.

Tagelang haben Sperrungen rund um eine der meistbefahrenen Brücken der Welt den Verkehr nach New York blockiert. Nun legen Korrespondenzen nahe, dass enge Mitarbeiter des Gouverneurs von New Jersey die Staus beabsichtigten - als Rache für mangelnde politische Unterstützung.

"Zeit für ein paar Verkehrsprobleme"

Eine enge Beraterin von Gouverneur Chris Christie wandte sich demzufolge vor dessen Wiederwahl Anfang November an den für die George-Washington-Brücke zuständigen Leiter der Verkehrsbehörde: Es sei "Zeit für ein paar Verkehrsprobleme in Fort Lee", schrieb Bridget Anne Kelly. Die Email wurde am Mittwochabend mehreren US-Medien, darunter der "New York Times", zugänglich.

Christie wurde im November mit der Unterstützung mehrerer demokratischer Bürgermeister wiedergewählt. Einer, der sich in den Monaten vor der Wahl nicht für ihn einsetzte, war der demokratische Stadtchef von Fort Lee, Mark Sokolich. Anfang September wurden in seiner Stadt, die nur durch den Hudson River von Manhattan getrennt ist, plötzlich für mehrere Tage zwei von drei Zugangsstraßen zur George-Washington-Brücke in Richtung New York gesperrt. Die Folge waren massive Verkehrsprobleme in Fort Lee.

Stau als Politikum

Der vier Tage andauernde Stau auf der Hauptverkehrsader in die Acht-Millionen-Metropole wurde schnell zum Politikum: Notarztwagen blieben im Verkehr stecken, auch Schulbusse kamen nicht durch. Christie und die Verkehrsbehörde Port Authority begründeten die Sperrungen damals mit der Durchführung einer Verkehrsstudie. Dazu, dass zahlreiche Schüler von Fort Lee nicht in die Schulen kamen, soll Christies Beraterin Kelly laut der "New York Times" in einer späteren Email geschrieben haben, dies seien "die Kinder von Buono-Wählern". Barbara Buono war Christies demokratische Gegenkandidatin bei der Gouverneurswahl.

Nach Bekanntwerden des Schriftverkehrs dementierte der Gouverneur, von den Vorgängen gewusst zu haben. In einer Erklärung machte er sein Büro für den Vorgang verantwortlich. "Was ich heute erstmals erfahren habe, ist nicht annehmbar. Ich bin empört und zutiefst getroffen von der Nachricht, dass eine Mitarbeiterin mich hinters Licht geführt hat. Ich war über ihr völlig unakzeptables und eigenwilliges Handeln nicht informiert", hieß es in der offiziellen Verlautbarung.

Leiter zurückgetreten

Der zuständige Leiter der Verkehrsbehörde war nach ersten Vorwürfen wegen der Sperrung von seinem Posten zurückgetreten. Er soll sich laut "Washington Post" am Donnerstag vor einer Ermittlungskommission zu den Vorgängen äußern.

Dem Republikaner Christie dürfte der "Racheakt" seiner Mitarbeiter im Wahlkampf 2013 nachhaltig schaden, mutmaßten US-Medien. Es sei schwer vorstellbar, was Christies Anhänger Schlimmeres hätten tun können um dessen präsidiale Hoffnungen zu beschädigen, kommentierte unter anderem die Tageszeitung "USA Today" online (Mittwoch). Christie galt bisher als einer der aussichtsreichsten konservativen Kandidaten für die US-Präsidentenwahl 2016.

Kommentare