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Melania Trump:
Das Ende der Opferrolle

Die First Lady setzt ungewöhnliche Zeichen gegen ihren Gatten

USA - Melania Trump:
Das Ende der Opferrolle © Bild: SAUL LOEB / AFP

Sie folgt neuerdings Barack Obama auf Twitter, unterstützt öffentlich Kritiker der Waffenlobby und fährt gleiche Wegstrecken im Auto getrennt von ihrem Mann. US-Medien orten bei Melania Trump subtile Zeichen der Befreiung.

Was auffällt, ist die neue Entschlossenheit in ihrem Blick. Vor einem Jahr, als sie mit der Angelobung ihres Ehemanns zum 45. US-Präsidenten der USA zur First Lady inauguriert wurde, zeugte Melania Trumps Mienenspiel noch von stillem Erdulden und unterdrücktem Widerwillen gegen das sich anbahnende präsidiale Debakel. Karikaturisten porträtierten sie als Gefangene eines geltungssüchtigen Gatten -auf einer Zeichnung versandte sie einen Kassiber mit der Botschaft "Hilfe!" Nun aber beginnt sich ein konträres Bild der First Lady durchzusetzen. "Your time is up, Donald", warnte ein Melania-Double Anfang Februar in der Comedy von Late-Night-Star Stephen Colbert. Diabolisch lachend verriet die falsche Melania auch, wie sie sich darauf freue, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wieder für ihren Mann zu stimmen, sofern "terminliche und logistische Probleme" sie nicht daran hindern würden. Damit zitierten die Late-Night- Autoren die Begründung der jüngsten Absage der First Lady, als sie ihren Mann Ende Jänner überraschend nicht zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos begleitete.

In der Wahrnehmung der Öffentlichkeit hat sich Melania Trump damit binnen kürzester Zeit vom Opfer zur Rächerin mit taktischem Geschick gewandelt. Die subtilen, aber in ihrer Dichte überzeugenden Indizien hat sie selbst gestreut.

Tragödien geben Kraft

Den jüngsten Beweis erbrachte sie am Beginn der vergangenen Woche beim Mittagessen mit Gattinnen von US-Gouverneuren, die für Gespräche mit dem Präsidenten im Weißen Haus weilten. In einer Rede bezeichnete Melania Trump den Amoklauf an einer Highschool in Parkland, der 17 Todesopfer forderte, als "sinnlosen Akt" und lobte die Schüler, die nun gegen die mächtige Waffenlobby auftreten und härtere Waffengesetze fordern. "Es ist ermutigend, dass sich Kinder im ganzen Land dafür einsetzen, etwas zu verändern. Sie sind unsere Zukunft und verdienen es, gehört zu werden." Damit positionierte sie sich in einer ihrer seltenen Reden klar gegen die Linie ihres Gatten, der als erste Reaktion auf den Amoklauf öffentlich darüber nachdachte, Lehrer mit Waffen hochzurüsten.

Ein weiterer Satz ihrer Rede bietet Spielraum für Interpretationen: Als First Lady habe die 47-Jährige gelernt, dass sich "nach Tragödien häufig die Stärke und Widerstandskraft zeigen, die ein Mensch besitzt". Wobei jüngste private Entwicklungen im Hause Trump unter dem ehelichen Blickwinkel durchaus in der Nähe der Tragödie anzusiedeln sind.

Wenige Tage, bevor die First Lady den Präsidenten nach Davos hätte begleiten sollen, berichtete das seriöse "Wall Street Journal" über eine mutmaßliche Schweigegeldzahlung Trumps an den Pornostar Stormy Daniels, bürgerlich Stephanie Clifford. Das Geld sollte laut "Wall Street Journal" die Dame am Auspacken über eine Affäre mit Trump hindern. Die Zahlung von 130.000 Dollar, die kurz vor der US-Wahl stattgefunden haben soll, wurde von Trumps Anwalt Michael Cohen kurz danach bestätigt. Grund für die Überweisung nannte er keinen. Und nun wird es kompliziert: Während sowohl der Präsident als auch der Pornostar nach den Medienberichten eine Affäre dementierten, veröffentlichte das Magazin "In Touch" "ein zuvor nicht gedrucktes Interview mit Clifford aus dem Jahr 2011, in dem sie detailreich ihre sexuelle Beziehung zu Trump schildert. Sie soll 2006 stattgefunden haben, als Melania und Donald gerade seit vier Monaten Eltern des Sohnes Barron waren. Kurz nach den Medienberichten über die Affäre sagte die First Lady ihre Reise nach Davos an der Seite ihres Mannes ab, und das am 13. Hochzeitstag. Gegenseitige Gratulationen und Liebesbekundungen via Twitter zum Jubiläum blieben aus.

Sodom und Gomorrha

Stattdessen verdichtete sich die Berichterstattung um Trumps angebliche Affären: Das Magazin "New Yorker" berichtete über eine Affäre des umtriebigen Mannes mit Ex-Playmate Karen McDougal im Jahr 2006. Das Weiße Haus dementierte, das Thema wuchs sich zügig aus: Autor Michael Wolff, der mit seinem Enthüllungsbuch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" einen Bestseller gelandet hatte, schürte in diversen Interviews Gerüchte um eine aktuelle Affäre Trumps mit einer Mitarbeiterin im Weißen Haus. Es fehle ihm lediglich der Beweis, ließ Michael Wolff verlauten.

Während der Autor auf diese Weise offensichtlich sein Buch in den Bestsellerlisten halten will, spekulieren US-Medien nunmehr offen über eine Beziehung Trumps mit seiner erst 29-jährigen Kommunikationsdirektorin Hope Hicks. Die hoffnungsvolle Fachkraft ist die jüngste Inhaberin dieser Position in der Geschichte des Weißen Hauses und soll mit 179.700 Dollar das höchste Jahresgehalt aller präsidialen Mitarbeiter beziehen. Bei der jüngsten Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss über Trumps mutmaßlich illegale Russland-Kontakte im Wahlkampfteam zeigte sie sich loyal zu ihrem Chef und verweigerte etliche Aussagen.

Melania Trump steht nun im Fokus der Aufmerksamkeit, und ihren subtilen Signalen wird seitens der Medien mehr Gewicht als zuvor beigemessen. So wurde mit Interesse das Verhalten der First Lady in den sozialen Medien vermerkt: Sie folgt per Twitter nur fünf Menschen -einer von ihnen ist seit Ende Oktober Barack Obama. Damit erklärt sich die First Lady öffentlich zur Anhängerin jenes Mannes, den ihr Gatte mit rüden Attacken angreift und dessen politische Vermächtnisse - exemplarisch das Gesundheitsprogramm Obamacare - zur Auslöschung bestimmt sind.

Genau dokumentiert wird nun auch, wie es die First Lady konsequent vermeidet, in der Öffentlichkeit die Hand ihres Mannes zu halten. Bei Dutzenden Auftritten, u. a. in Israel, Rom und zuletzt Anfang Februar auf dem Weg zum Helikopter vor dem Weißen Haus, wollte der Präsident zugreifen. Doch Mrs. Trump hat ihre eigene Technik entwickelt: Sie hält stets eine Tasche oder Blumen oder trägt ihren Mantel lose über den Schultern, so dass sie ihre Hände bei Bedarf kommod darunter verstecken kann.

Noch aussagekräftiger schien US-Medien die Tatsache, dass das Paar Ende Jänner dieselbe Wegstrecke zu Trumps blamabler "State of the Union"-Rede in getrennten Fahrzeugen zurücklegte. Frontalspekulanten gehen sogar so weit, den von Melania Trump bei dieser Gelegenheit getragenen Hosenanzug als Statement zu interpretieren: Ein solches Kleidungsstück trugen auch demokratische Politikerinnen bei Trumps Rede vor dem Kongress anno 2017 in Erinnerung an die Suffragetten-Bewegung; auch Hillary Clinton erschien so adjustiert zu Trumps Angelobung.

Die Fragen von Journalisten an Trumps Presseteam zur ehelichen Befindlichkeit häufen sich und werden nicht beantwortet. Doch Melanias Hinweise sprechen laut genug.