US-Wahl 2012 von

So gewann Obama

Präsident liegt bei 303 Wählerstimmen - Nur Florida steht noch aus

  • Die Familie Obama nach gewonnener Wahl
    Bild 1 von 15 © Bild: Getty Images/AFP/Jewel Samad

    Barack Obama feiert seinen Wahlsieg

    Barack Obama mit Ehefrau Michelle und den Töchtern Malia und Sasha

  • Barack Obama mit seiner Familie
    Bild 2 von 15 © Bild: Reuters/Jeff Haynes

    Barack Obama feiert seinen Wahlsieg

    Der wiedergewählte US-Präsident mit seiner Familie

Präsident Obama konnte sich letztlich, zumindest bei den Wahlmännern klar durchsetzen. Der wiedergewählte Präsident wird die Zahl von 365 Wahlmännerstimmen aus dem Jahr seiner ersten Wahl 2008 allerdings nicht mehr erreichen können. Das hatte aber auch niemand erwartet. Obama lag am Mittwochmorgen bei 303 Wählerstimmen, wie die US-Fernsehsender berichteten. Es fehlte nur noch der Staat Florida mit 29 Stimmen, wo weiter ausgezählt wurde. Dort hat Obama derzeit einen knappen Vorsprung auf seinen Konkurrenten Mitt Romney. Am Ende könnte er somit doch weit besser abschneiden als von vielen Beobachtern erwartet.

Damit könnte Obama auf maximal 332 Wahlmännerstimmen kommen. Für den Sieg waren 270 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen nötig. Obama hatte im Vergleich zu 2008 die Staaten Indiana und North Carolina an seinen republikanischen Kontrahenten Mitt Romney abgegeben. Angesichts der Umfragen vor der Wahl fiel sein Sieg aber sehr deutlich aus.

Florida – Auszählung unterbrochen

Wegen des sich abzeichnenden äußerst knappen Ergebnisses hat der US-Staat Florida die Auszählung der Stimmen zur amerikanischen Präsidentschaftswahl zunächst gestoppt. Nach Auszählung von 98 Prozent der Stimmen erreichte Präsident Barack Obama in dem südöstlichen Staat nach offiziellen Angaben aus der Nacht zu Mittwoch 49,85 Prozent, auf seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney entfielen demnach 49,29 Prozent. Auf die Wiederwahl Obamas hat das Ergebnis keinen Einfluss mehr.

Florida ist der letzte US-Staat, aus dem das Ergebnis nun noch aussteht. Im Wahlmännergremium, das Obama nach der Wahl noch zum Staatschef küren muss, hat Florida 29 Stimmen zu vergeben. Da Obama im Rest der USA allerdings bereits 303 der 538 Wahlmänner auf sich vereinen konnte, ist ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen. Romney kommt bisher auf 206 Wahlmännerstimmen. Für den Gesamtsieg genügen 270 der Stimmen.

Sieg in den Städten

Obama konnte bei seiner Wiederwahl zwar die urbanen Wählergruppen ansprechen, war außerhalb der Städte aber ohne Chance. Nach einer Untersuchung des Senders CNN votierten in ländlichen Gebieten nur 39 Prozent für Obama, aber 59 Prozent für seinen Herausforderer Mitt Romney. In den Vorstädten war das Verhältnis deutlich ausgeglichener, aber mit 48 zu 50 immer noch zu Ungunsten Obamas.

Die Weißen haben 72 Prozent der Wähler ausgemacht - und sie haben zu 59 Prozent für Romney gestimmt, für Obama nur 39 Prozent - fünf Punkte weniger als vor vier Jahren. Interessanterweise hat Obama zwar bei den Frauen gewonnen, betrachtet man jedoch die weißen Frauen separat, ergibt sich ein Verhältnis von 42 zu 56 gegen Obama. Bei den Latinos - Männer wie Frauen - stimmten hingegen 71 Prozent für Obama, nur 27 Prozent für den Herausforderer.

Bundesweit liegt Obama aktuell mit 49,9 Prozent der Stimmen vor Romney mit 48,6 Prozent. Hier fehlen aber noch viele Stimmen und das Ergebnis dürfte sich noch verändern.

Frauen entschieden sich für Obama

Barack Obama verdankt seine Wiederwahl in großen Teilen den amerikanischen Wählerinnen. Nach einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Wahltag entschieden sich 55 Prozent der Wählerinnen für den Amtsinhaber, für seinen Herausforderer Mitt Romney entschieden sich dagegen nur 43 Prozent. Damit konnte Obama im Vergleich zur Präsidentenwahl 2008 seinen Vorsprung fast halten. Damals lag er bei den Stimmen der Frauen 13 Prozentpunkte vor seinem damaligen Kontrahenten John McCain, jetzt liegt er 12 Punkte vor Romney.

Ein Schlüssel für den Erfolg bei den Wählerinnen waren Obamas Vorstellungen in der Sozial- und Gesellschaftspolitik. Die restriktiven Pläne Romneys etwa zur Abtreibung oder zur Homo-Ehe schreckten viele Frauen ab, wie die Umfrage ergab. Offenbar hat es sich auch gelohnt, dass Obama gleiche Bezahlung am Arbeitsplatz und die Gesundheitsversorgung zu Schwerpunkten seines Wahlkampfes gemacht hatte.

Wenig Veränderung im Kongress

Wenig geändert hat sich insgesamt im US-Kongress. Die Demokraten behalten ihre Mehrheit im Senat und die Republikaner im Repräsentantenhaus. Allerdings verdeckt dieses Ergebnis zum Teil drastische Verschiebungen.


Die Republikaner sind selbst schuld, den Senat nicht gewonnen zu haben. Bis wenige Monate vor der Wahl war ein Sieg bei dieser Wahl sehr wahrscheinlich. Dann begannen nacheinander zwei republikanische Bewerber verstörende Kommentare über Vergewaltigungen und die göttliche Fügung, abzugeben. Danach verloren die Republikaner an Rückhalt. Hochrechnungen zufolge dürfte die Sitzverteilung nach der Wahl vom Dienstag ähnlich ausfallen wie bisher.

Auch im Repräsentantenhaus dürfte sich nicht viel ändern. Derzeit gibt es 240 Republikaner und 190 Demokraten in der Kammer. Der republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, kündigte bei einer Wahlparty an, seine Partei werde auch künftig erbitterten Widerstand gegen Vorstöße der Demokraten für Steuererhöhungen für Wohlhabende leistete. Das Wahlergebnis wird die Legislative für mindestens zwei weitere Jahre spalten, da die Demokraten Hochrechnungen zufolge die Mehrheit im Senat behalten. Dort erhöht sich das Konfliktpotenzial außerdem, weil sich die Wähler weniger für moderate Kandidaten entschieden - meist gaben sie konservativeren Republikanern und liberaleren Demokraten ihre Stimme.

Mit ihrem Wahlverhalten bestätigten die US-Bürger einen Kongress, dessen Zerstrittenheit maßgeblich dafür verantwortlich gemacht wird, dass die Zustimmung zu dem Parlament auf Tiefstände abstürzte. Positiv daran sei jedoch, dass die Wähler Obama und Boehner nun wieder an den Verhandlungstisch zurückschickten, um eine Einigung über die Haushaltssanierung zu finden, sagte der Experte David Kendall.

Republikaner gewannen Gouverneursposten

Bei den Wahlen in den USA am Dienstag haben die Republikaner im östlichen Küstenstaat North Carolina den Gouverneursposten gewonnen. Der Republikaner Pat McCrory löste die Demokratin Beverly Perdue ab, die nicht erneut zur Wahl angetreten war. Zum ersten Mal seit über 20 Jahren leitet damit ein Republikaner in North Carolina die Staatsgeschicke.

In den Staaten Washington und Montana, wo bisher ebenfalls Demokraten die Gouverneure stellten, war der Wahlausgang laut US-Sender CNN in der Nacht auf Mittwoch zunächst noch ungewiss. In Utah, Indiana und North Dakota behielten die Republikaner ihre Gouverneursposten. In Vermont, Missouri, Delaware, New Hampshire und West Virginia blieben die Demokraten an der Macht.

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