US-Vorwahlen in Puerto Rico: Könnten demokratischen Kandidaten entscheiden

Anfang Juni Demokraten-Vorwahl auf Karibikinsel Heute Abstimmung der Republikaner in San Juan

US-Vorwahlen in Puerto Rico: Könnten demokratischen Kandidaten entscheiden © Bild: Reuters/Riley

Es geht gegen Ende Februar - und das Rennen um den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten ist weiterhin nicht entschieden. Anders als bei den Republikanern, wo John McCain praktisch als Kandidat für die Hauptwahl im November feststeht, kämpfen sowohl Hillary Clinton als auch Barack Obama weiter um eine Nominierung auf dem Parteitag der Demokraten im August.

Entscheidet Clinton am 4. März die nächste Runde entgegen dem Trend doch noch für sich, fährt dabei aber keinen Erdrutschsieg ein, könnte es zu einem nie dagewesenen Kuriosum kommen: dass Puerto Rico entscheidet. Dabei ist die Karibikinsel kein US-Staat - und nimmt auch an den eigentlichen Präsidentenwahlen nicht teil.

Puerto Rico in Richtung US-Staat
Die Vorwahlen gelten als einziger Berührungspunkt der US-Parteien mit der puertoricanischen Bevölkerung. Auf der kleinsten Insel der Großen Antillen haben sich eigenständige Parteien herausgebildet. Heute halten die Republikaner ihre Parteiabstimmung in San Juan ab, bei der sie 20 von insgesamt 23 Delegiertenstimmen vergeben. Selbst wenn Mike Huckabee alle diese Stimmen bekäme, würde das an dem gewaltigen Vorsprung McCains nichts mehr ändern. Außerdem tendieren die puertoricanischen Republikaner - stark dominiert vom puertoricanischen Partido Nuevo Progresista - dazu, den jeweiligen Spitzenreiter und somit ihr primäres Anliegen zu unterstützen, nämlich dass Puerto Rico US-Staat wird.

Weit spektakulärer aus heutiger Sicht: Die Vorwahl der Demokraten, die am 7. Juni stattfinden sollen. Wenn sich bis dahin nicht ein Favorit klar herauskristallisiert hat und auch die Stimmen der frei entscheidenden "Superdelegierten" noch in der Schwebe sind, könnten die puertoricanischen Vorwahlen tatsächlich den demokratischen Kandidaten festlegen. Zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation - aber möglich ist es. Allein das hat in US-Wahlkampf-Foren für hitzige Debatten gesorgt. Die Stimmen reichen von Verwunderung, dass Puerto Rico überhaupt an den Vorwahlen teilnimmt, bis hin zu Prognosen über das Stimmverhalten der puertoricanischen Wählerschaft. Wählen sie Obama, weil er ein Mann ist und Latinos tendenziell dem Machismo huldigen? Oder bevorzugen sie Clinton, Senatorin in New York - wo viele puertoricanische Emigranten leben?

Viele Stimmen für Demokraten auf einen Schlag
Fest steht, dass Puerto Rico mit rund vier Millionen Einwohnern auf einer Fläche so groß wie Kärnten gerade bei den Demokraten eine ansehnliche Zahl an Delegieren vergibt, nämlich 63. Das sind mehr als in New Hampshire und mehr als in Connecticut. Bisher wurden sie in ihrer Gesamtheit einem Kandidaten zugeschlagen - allerdings stand da üblicherweise bereits ein Favorit fest, beispielsweise im Jahr 2004 John Kerry für die Demokraten. Bleibt man dem "Winner-takes-it-all"-Prinzip treu, wäre in dem US-Commonwealth (oder "Estado Libre Asociado", wie Puerto Rico laut Verfassung heißt) auf einen Schlag mehr zu holen als überall sonst, Kalifornien miteingeschlossen.

Einem anderen Demokraten, der im Jahr 2000 um den Einzug ins Weiße Haus ritterte, brachte Puerto Rico kein Glück: Al Gore hätte gegen den amtierenden Präsidenten George W. Bush vermutlich noch gewonnen, wären die knapp vier Millionen Einwohner des Eilands damals in der Hauptwahl wahlberechtigt gewesen. Puerto Rico hätte acht Wahlmänner entsandt; und deutlich mehr als die Hälfte der 2,4 Mio. Wähler dürften sich eher den Demokraten zugehörig fühlen. Dass sie letztlich nicht wählten, entschied ein US-Gericht in der Amtszeit Bill Clintons, dessen Vize Gore war. Nur wenige Tage vor der Präsidentenwahl widerrief es ein hart erkämpftes Urteil, wonach die US-Staatsbürgerschaft das "fundamentale Recht zu wählen" mit sich bringt. Da waren die Stimmzettel in San Juan schon gedruckt und im Safe verstaut.

Von den Wahlen ausgeschlossen
Nun argumentierte die höhere Instanz, dass nur Staaten der USA Wahlmänner für die Hauptwahl entsenden dürfe, wenn nicht ein Verfassungszusatz wie im Fall von Washington D.C. dies anders regelt. Das Dilemma der Puertoricaner auf zwei Gerichtsurteile reduziert: Seit 1917 Staatsbürger der USA, ist ihre Heimat ein sogenanntes "unincorporated territory", das aber vielfältig mit Washington verbunden ist. Bürger Puerto Ricos können Verfassungsexperten zufolge sogar US-Präsident werden, ihn wählen dürfen sie aber nicht. Dass die Parteien Puerto Rico überhaupt in die Vorwahlen einbeziehen, erklären Skeptiker damit, dass die durchaus vermögende Elite des Inselstaats sich über die Unterstützung der Parteien Einfluss kauft und die jeweiligen Empfänger über die Spenden nicht unglücklich sind. Die Bürger Puerto Ricos unterliegen amerikanischen Höchstgerichten und dem Kurs der jeweiligen US-Administration. Im US-Kongress aber haben sie nur einen Vertreter, der wiederum nicht stimmberechtigt ist.

Sollte Puerto Rico tatsächlich den Trumpf in der Hand halten und bis zum 7. Juni nicht entschieden sein, wer gegen den republikanischen Kandidaten in den Kampf um Bushs Nachfolge zieht, dürften sich sowohl Clinton als auch Obama um diese 63 Stimmen gewaltig ins Zeug legen. An der puertoricanischen Staatsbürgerschaft zweiter Klasse ändert das allein noch nichts. Aber es könnte Puerto Rico in Washington und der Welt zurück auf die politische Landkarte holen. (apa/red)