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"Amerika ist sauer"

Langer Konflikt zerrt an Nerven der Nation - Jeder Fünfte sieht USA auf dem falschen Weg

us-schuldenstreit - "Amerika ist sauer" © Bild: Reuters

Amerikas Konjunktur dümpelt blutleer vor sich hin, nach Zahlen vom Freitag legte die Wirtschaft im zweiten Quartal gerade mal schlappe 1,3 Prozent zu. Jeder weiß - hohe Arbeitslosigkeit wird das Land noch auf Jahre begleiten. Und jetzt noch das fruchtlose Hauen und Stechen der Abgeordneten in Washington um Schuldengrenze und Einsparungen, das die USA in die Staatspleite zu treiben droht. Nicht einmal jeder Fünfte glaubt noch, dass das Land auf dem richtigen Weg sei.

Umfragen, die der Nation den derzeit rasenden Puls fühlen, könnten eindeutiger nicht sein: Schluss mit dem Gezerre, fordern die Amerikaner. Und viele fürchten zwei Jahre nach dem Ende der Rezession abermals um ihre finanzielle Zukunft und die des Landes, wenn die Regierung staatliche Pensionen aus Finanznot aussetzen muss. "Die Amerikaner sind sauer", weiß Psychologe James Gottfurcht aus Los Angeles. "Eine Menge felsenfeste, stabilisierende Fundamente sind bedroht", sagte er dem US-Fernsehsender ABC.

"Es geht doch um meine Rente, da habe ich mein Leben lang eingezahlt", meint eine 62-jährige Amerikanerin aus Rockville in Maryland wutentbrannt, die sonst nicht zu Emotionsausbrüchen neigt. Sie ist nicht allein: Zwei Drittel der Amerikaner fürchten finanzielle Einbußen, kommt keine Einigung zustande, fand eine Umfrage des Pew-Instituts heraus. Fast 70 Prozent der Bürger fordern deshalb einen schnellen Kompromiss, im April waren es nur 55 Prozent. Die meisten Hardliner finden sich dabei unter den Wählern der Republikaner, von den 38 Prozent ein Einlenken ablehnen.

"Bizarres Parallel-Universum"
Die Menschen könnten einfach die Streiterei in Washington über die Schuldenobergrenze nicht mehr hören, meint Justin Ruben, Chef der linken Internetbewegung "MoveOn.org". Das Ganze sei ein "bizarres Parallel-Universum", sagte er der "Washington Post".

Außenstehende sehen diesen Eindruck durch Berichte bestätigt, nach denen Rechtsaußen-Republikaner inmitten des Gerangels "den Rat einer spirituellen Autorität" im Gebetsraum des Kongresses suchen, wie das "Wall Street Journal" schreibt. "Am Ende, wenn man göttliche Inspiration sucht, muss man zur göttlichen Quelle gehen", erläuterte der Abgeordnete Tim Scott, während er christlicher Musik lauschte.

"Glauben an Politiker verloren"
"Die Menschen fühlen sich hilflos", meint Psychologe Stephen Josephson von der Cornell University Medical School in New York. "Die meisten Leute haben ihren Glauben an Politiker verloren", sagte er zu ABC. Nach einer Erhebung des Rasmussen-Instituts finden gerade einmal sechs Prozent der Amerikaner, dass das Parlament gute oder exzellente Arbeit macht. Kein Wunder, dass gerade einmal 17 Prozent der Amerikaner finden, ihr Land sei alles in allem auf dem richtigen Wege.

Der Frust der Bürger trifft dabei beide Parteien - und den Präsidenten gleich mit. Fast zwei Drittel der US-Bürger sind nicht damit einverstanden, wie die Republikaner das massive Problem der Arbeitslosigkeit angehen, im Falle des Präsidenten sind es 52 Prozent, wie eine Umfrage der "Washington Post" und des Senders ABC ermittelte. Im Juni lag die Arbeitslosenquote weiter bei über neun Prozent, im ersten Quartal wuchs die größte Volkswirtschaft weit mickriger als zunächst gedacht: Gerade einmal 0,4 Prozent.

Negativen Gedanken keinen Platz lassen
US-Psychologen raten ihren Landleuten derweil, sich nicht zu sehr mit dem Finanzdrama zu beschäftigen. "Wenn man negative Gedanken zu viel Raum lässt, wachsen sie wie eine Pflanze", weiß James Gottfurcht. Man soll kontrollieren, was man kann, fügt Kollege Josephson an - und akzeptieren, dass das Schuldenlimit nicht dazu gehört.

Kommentare

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Die ewig gestrigen Fossilen sind am Ende Billige fossile Energie zum vergeuden!

Dieser Grundsatz der USA, dieser Grundsatz der ewig gestrigen Fossilen ist am Zusammenbruch.

Man hat es die Energieeffizienz versäumt.
Man hat den Umstieg auf ernuerbare Energie nicht nur versäumt sondern aktiv behindert wo es nur geht.

Man hätte 1973 mit den Ölausstieg beginnen müssen. 8 US Präsidenten haben die Verminderung der Importabhängigkeit verwprochen.

http://politik.pege.org/2011-leistungsgesellschaft/usa-oelimporte.htm

Energieimporte + überhöhte Militärausgabe = Budgetdefizit

Ölimporte sind 90% des Außenhandelsdefizit.

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Re: Die ewig gestrigen Fossilen sind am Ende War grade in den USA - melde daher aktuelle Eindrücke:

a. Autos - extrem viele kleine Wagen, sparsame Autos, viel Hybrid überall, nur mehr wenig Trucks im Gegensatz vor 10 Jahren.

b. Überall wird Energie gespart, Sparlampen, Solarpanels wohin man schaut (Kalifornien)

Einzig blöd ist immer noch tw. die übertriebene Klimatisierung, auch in San Francisco liefen überall die Klimaanlagen trotz nur 18 Grad.

Hintergrund ist die Bauweise der Holz / Plastik isolierten Häuser, wenn man die nicht laufend trocknet werden die modrig bis schimmlig im Sommer - daher müssen die Airconditions laufen (ließ ich mir von amerikanischem Baumeister erklären)

Fazit: die ami´s haben es bereits bemerkt und steuern in die richtige Richtung, wenngleich auch noch jahrelang vom Ziel entfernt.

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Warum sind die Ami´s Pleite? Unter Clinton hatte man sogar einen Budgetüberschuss.... also kann es nur die Ära Bush gewesen sein, diese hat überall auf der Welt Immen teure Kriege veranstaltet (Afghanistan, Irak) - wozu?

a. damit der Bush Clan über den Vice zu den Öleinnahmen kommt? Check!

b. damit die amerikanische Rüstungslobby Milliarden an Aufträgen einholen kann? Check!

c. damit die nach Bush unweigerlich kommende demokratische Regierung keine Chance hat? Check!

d. damit man (Tea Party) die Rückkehr zu einer konservativen Diktatur der Republikaner vorbereiten kann? Check!

Daher: es ist eine WIN WIN WIN Situation für die Republikaner, Amerika wird einen massiven Rechtsruck machen und sich dann wieder erfangen.

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Re: Warum sind die Ami´s Pleite? Das wage ich, ehrlich gesagt zu bezweifeln, denn mit dem jetzigen Steuermodell ist der Staat, der durch die große Rezession und durch Bush\'s Kriege und Steuersenkungen, vollkommen ausgeblutet ist, nicht mehr zu finanzieren. Und solange die Republikaner ( frei nach Reagan) daran festhalten, dass "der Staat das Problem und nicht die Lösung ist" und alles daran setzen, diesen Staat wirklich zu einem möglichst großen Problem werden zu lassen, wird sich daran auch nichts ändern. Ich denke nicht, dass sich die USA durch die Taktik der Republiker wieder erfangen werden.Wie soll es ohne Steuererhöhungen gehn? Seit Reagan wurden diese immer nur gesenkt.Nur jetzt ist Schluss mit lustig und wenn wir uns ehrlich sind gibt\'s keine Alternative, nur wollen die Republikaner ihr Klientel nicht verärgern.

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Re: Warum sind die Ami´s Pleite? Klar, die Amerikaner haben den Fehler gemacht, in "fetten" Jahren die Steuern einseitig zu senken und müssen jetzt diese Privilegien (die nicht die breite Masse betreffen) wieder aufheben, und das ist politisch fast undurchführbar mit einer geteilten Mehrheit. Im Endeffekt werden aber (leider) die Republikaner das Rennen machen, Amerika wird wieder sozial "brutaler" werden, dazu passt die Cowboy Regierung eben besser als die intellektuelle demokratische Ostküstendenke.

Schwerer Prozess, wirkt sich aber ungemein auf die WW aus.

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Re: Warum sind die Ami´s Pleite? Was auch immer passiert, zumindest die Hyperinflation scheint unausweichlich, denn bisher gab es noch kein Land auf der Welt, dem nicht ein Hyperinflation blühte, wenn 40% der Steuereinnahmen zur Zinstilgung hergenommen werden mussten.
Und das wird auch dort, zumindest jenen, die lesen und schreiben können, klar sein.

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Und von so einem Land lassen wir europäische Staaten bewerten. Das ist ungefähr so als wenn Hauptschüler Doktorarbeiten prüfen sollen!

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Re: Also: Es ist eben ein weltweite Tatsache: man kann nicht mehr Geld ausgeben als man einnimmt. Dieses Faktum wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

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