US-Prozess gegen Moussaoui: Bilder und Zeugen bringen 11. September 2001 zurück

Giuliani sagte aus, Attas Stimme auf Tonband Angeklagter kann zum Tode verurteilt werden

Im Prozess gegen den Terrorverdächtigen Zacarias Moussaoui in den USA haben neue schockierende Bilder und erschütternde Zeugenaussagen den Schrecken des 11. September zurückgebracht. Der frühere Bürgermeister von New York, Rudolph Guiliani, sagte aus, er habe gesehen, wie Menschen sich nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 aus Verzweiflung in die Tiefe gestürzt hätten.

Die Anklage ließ ein Video zeigen, auf dem zu sehen war, wie Menschen am Fuß der Zwillingstürme aufschlugen. Auf einem Tonband war der Attentäter Mohammed Atta zu hören, der sich an die Passagiere der von ihm entführten Maschine wandte.

Giuliani sagte, als er noch vor dem Einschlag des zweiten gekaperten Flugzeuges zu den Zwillingstürmen gekommen sei, habe er ungefähr auf Höhe des hundertsten Stockwerks "den Umriss eines Mannes" gesehen. "Mir wurde klar, dass ich gerade zuschaue, wie ein Mann sich ins Leere stürzt." Er habe mehrere Menschen springen sehen und wisse nicht mehr, wie viele es waren, sagte Guiliani. Unter ihnen seien zwei Menschen gewesen, die sich an der Hand gehalten hätten. An diese Bilder denke er seit den Terroranschlägen "jeden Tag".

Auf dem Video, das von einem benachbarten Hotel aus gedreht wurde, wird die Plane eines Zelts am Fuß des World Trade Centers mehrmals von menschlichen Körpern durchschlagen. Die Opfer hätten die Plane angepeilt, als sie sprangen, sagte Tami Rosbrook, die das Video damals zusammen mit ihrem Ehemann drehte. Aber das Tuch habe sie nicht gehalten. Anschließend hält die Kamera auf den Vorplatz des World Trade Centers. Dieser ist übersät mit roten Flecken, dort, wo die Körper der springenden Menschen aufgeschlagen waren.

Die Geschworenen hörten außerdem ein Tonband mit der Stimme von Mohammed Atta, der eines der beiden Flugzeuge in das World Trade Center steuerte. "Wir haben mehrere Flugzeuge", schallte die Stimme mit Akzent durch den Gerichtssaal. "Bleibt ruhig und euch wird nichts geschehen. Wir kehren zum Flughafen zurück." Später sagten fünf Angehörige von Opfern aus. Ein Feuerwehrmann erzählte vom Tod seines Freundes, ein Polizist von dem seiner Kollegin und Ehefrau. Eine Zeuge musste den Selbstmord seiner Schwester erleben, die nicht über den Verlust ihres Ehemanns am 11. September hinweggekommen war.

Zum Ende des ersten Verfahrensabschnitts hatten die Geschworenen am Montag entschieden, dass der Angeklagte zum Tode verurteilt werden kann, weil er die Attentäter des 11. September im Vorfeld der Anschläge gedeckt haben soll. Nach der zweiten Prozessphase, in der auch zahlreiche Angehörige von Opfern des 11. September angehört werden sollen, verhängt die Jury das Strafmaß.

Moussaouis in Frankreich lebende Mutter, Aisha el Wafi, sagte AFP am Telefon, ihr Sohn werde für Dinge zum Tode verurteilt werden, die er nicht getan habe. "Er wird sterben, weil er ein Araber ist." Moussaoui habe "genug von dem Zirkus", er habe "seit vier Jahren" kein Tageslicht gesehen. Am Telefon habe er ihr gesagt: "Ich weiß, dass sie meinen Kopf wollen, also gebe ich ihn ihnen." Sie würde ihren Sohn gerne sehen und mit ihm reden, "wie eine Mutter mit ihrem Sohn", sei aber auf das Schlimmste gefasst.

Das Verfahren gegen Moussaoui ist der einzige US-Prozess zum 11. September 2001. Weil der Angeklagte widersprüchliche Aussagen gemacht hat, ist ungeklärt, ob er selbst ursprünglich für diese Anschläge eingeplant war oder nicht. Der in Marokko geborene Franzose war einen Monat vor den Anschlägen festgenommen worden, weil er an einer Pilotenschule in den USA als verdächtig aufgefallen war.
(apa)