US-Präsident kehrt ins Privatleben zurück: Bush tauscht wieder Washington mit Texas

Zukunftspläne zielen auf Verbesserung seines Rufs Er war so unpopulär wie kaum einer seiner Vorgänger

US-Präsident kehrt ins Privatleben zurück: Bush tauscht wieder Washington mit Texas © Bild: APA/EPA/Amstrong

Ein größerer Bruch in der Lebensführung ist kaum vorstellbar. Acht Jahre lang wurde jeder öffentliche Schritt von US-Präsident George W. Bush verfolgt, jedes Wort wurde registriert. Am 20. Jänner 2009, dem letzten Tag seiner Amtszeit, beginnt für Bush ein neues Leben. Mit seiner Frau Laura wird er zum letzten Mal in das Präsidentenflugzeug Air Force One steigen und ins heimatliche Texas fliegen. Bush, der so unpopulär ist wie kaum ein anderer seiner Vorgänger, will sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zu seinen Langzeitprojekten im Ruhestand zählt, den Makel des Scheiterns loszuwerden und seine Politik nachträglich zu rechtfertigen.

In einer Serie von Interviews hat Bush in den vergangenen Wochen über seine Zukunftspläne Auskunft gegeben. Er präsentierte sich als Mann, der mit sich selbst im Reinen ist. "Ich will keine Aufmerksamkeit mehr erregen", sagte er dem TV-Sender ABC. "Ich will eine Weile außerhalb des Scheinwerferlichts leben." Seine Frau Laura pflichtete ihm bei: "Ich freue mich auf ein normaleres Alltagsleben."

Die historischen Vorbilder für den Wechsel in den Ruhestand fallen sehr unterschiedlich aus. Populäre Präsidenten wie Bill Clinton oder Ronald Reagan waren nach dem Ende ihrer Amtszeit Publikumslieblinge und gefragte Gastredner. Gescheiterte Amtsinhaber stürzten nach dem Abschied aus dem Weißen Haus regelrecht in die Isolation, weil sie zunächst vom politischen Establishment geschnitten wurden. Bush weiß, dass er zur letzteren Kategorie zählen dürfte: Seine Zustimmungswerte liegen in Umfragen unter 30 Prozent.

Buch über Wahrheit
Mit einem Buch über seine Regierungszeit will Bush im Ruhestand sein Image aufpolieren. "Ich will, dass die Leute wissen, warum ich manche meiner Entscheidungen getroffen habe", sagte er dem Sender CNN. "Ich will, dass die Leute die Wahrheit wissen."

Hier sieht Bush sein Vermächtnis, welches freilich durch den von Planungspannen und Fehlkalkulationen begleiteten Irak-Krieg schwer belastet wird. Angesichts der Irak-Bürde scheint Bushs Erwartung an das Urteil der Nachwelt sehr optimistisch: "Ich möchte als Präsident in Erinnerung bleiben, der 50 Millionen Menschen befreit hat und Frieden erreicht hat", sagte er kürzlich in einem Gespräch. Dass der Irak-Krieg nicht nach seinen Vorstellungen verlief, gibt Bush zu. Schuldzuweisungen an sich selbst vermeidet er aber. "Was ich an meiner Präsidentschaft am meisten bedaure, ist das Versagen der Geheimdienste im Irak", sagte er in dem ABC-Interview.

Keine Spur von Reue
Die beißende Kritik an seiner Amtsführung, die inzwischen auch in seiner eigenen Partei erhoben wird, ficht Bush offenbar nicht an. Keine Spur von Reue oder Zweifeln ist in seinen Abschiedsinterviews zu erkennen. Er sehe sich als einer, "der seine Seele nicht dem politischen Prozess zuliebe verkauft hat", sagte der Präsident in dem Historiker-Interview. "Ich kam mit festen Wertvorstellungen nach Washington, und ich verlasse Washington mit denselben Wertvorstellungen."
(apa/red)