US Open von

Nadal gewinnt Finale

Spanier ringt Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic in vier Sätzen nieder

Rafael Nadal gewinnt die US Open 2013 © Bild: APA/EPA/J. Szenes

Der Spanier Rafael Nadal bleibt der überragende Spieler der heurigen Tennis-Saison. Der 27-Jährige gewann das Finale der US Open gegen den unmittelbar vor ihm als Nummer eins gesetzt gewesenen Novak Djokovic 6:2,3:6,6:4,6:1 und rückte dem Serben in der Weltrangliste bis auf 120 Punkte nahe. Es war der schon zehnte Titelgewinn Nadals in diesem Jahr, der Nummer-1-Status zu Jahresende ist ihm kaum mehr zu nehmen.

Denn der 27-Jährige hat in Jahreshälfte zwei und auch im Jänner 2014 mit den Australian Open als Höhepunkt keine Ergebnisse zu verteidigen, sein Punktekonto wächst stetig an. Djokovic aber hat heuer noch 3.010 Punkte vom Vorjahr stehen, vor allem wegen der Titelgewinne 2012 in Peking, Shanghai und beim Londoner World-Tour-Finale. Der 26-Jährige sollte aber zumindest bis 7. Oktober vorne bleiben, falls Nadal außer im Davis Cup nicht vorher wieder spielt.

Nadal feierte heuer bereits 60. Match-Sieg

Diese Arithmetik kann also fast nur zugunsten von Nadal ausgehen. Dem fehlt auch nur noch ein Turniersieg, um an sein Rekordjahr 2005 anzuschließen, als er elf Tour-Titel eingeheimst hatte. Viel wichtiger als diese Zahlen ist dem Iberer aber wohl seine Dominanz auf dem Court - sein zweiter New Yorker Finalerfolg war bei nur drei Niederlagen sein heuer schon 60. Match-Sieg. Lange Zeit lieferte ihm der 2011-Champion Djokovic allerdings einen harten Kampf.

Umso mehr bedeutet dem im Vorjahr wegen einer Knieverletzung nicht angetretenen Nadal dieser Sieg. "Das ist unglaublich emotional. Wie sehr, das weiß wahrscheinlich nur mein Team. Gegen Novak zu spielen, ist immer ein besonderes Gefühl. Niemand außer er bringt mein Spiel auf ein solch hohes Level. Das wichtigste aber ist, gesund zu bleiben." Wie die US-Amerikanerin Serena Williams hat Nadal heuer außer den US auch die French Open gewonnen.

Djokovic legte im 2. Satz Zahn zu

Satz eins verlief recht klar für den nun 60-fachen Turniersieger auf der Tour, doch in Durchgang zwei legte Djokovic einen Zahn zu. Mit atemberaubenden Ballwechseln - Höhepunkt war einer mit 54 Schlägen - rissen die Rivalen die Zuschauer von den Sitzen. Darunter waren Stars wie Leonardo die Caprio, Sir Sean Connery, Alec Baldwin, Jessica Alba, Jessica Biel, Ed Norton, Justin Timberlake, David Beckham, Kevin Spacey, Martha Stewart and Anna Wintour.

Auch die spanische Königin Sofia und Princess Beatrice waren gekommen. Sofia gratulierte Nadal nach der Partie persönlich zum Triumph. Als Djokovic in Sätzen ausglich, hatte die Monarchin auf der Tribüne aber bange Momente zu durchleben gehabt. Dem Weltranglisten-Ersten gelang es gleich dreimal in Folge, Nadals Aufschlag zu durchbrechen, nachdem das in den sechs Runden davor nur der Franzosen Richard Gasquet einmal geschafft hatte.

Schlüsselspiel des Matches

Mit seinem dritten Break - diesmal sogar zu Null - erarbeitete sich Djokovic in Satz drei einen Vorteil, Nadal gelang jedoch das Rebreak zum 3:3. Das Schlüsselspiel des Matches jedoch war jenes bei 4:4, als sich Djokovic als Rückschläger ein 40:0 holte. Doch Nadal wehrte alle drei Breakbälle ab, holte das Game und mit einem postwendenden Break den Satz. Damit war der Widerstand des Mannes aus Belgrad gebrochen. Danach gelang ihm nur noch ein Game-Gewinn.

"In diesem Game im dritten Satz war die Wende", musste Djokovic nach seiner in 201 Minuten eingefahrenen Niederlage eingestehen. "Ich habe in dieser Phase nichts falsch gemacht. Aber er hat keinen Fehler gemacht und daher große Anerkennung an ihn. Im Endeffekt habe ich den Sieg nicht verdient. Ich hatte das Momentum von Mitte des zweiten Satzes bis fast zum Ende des dritten auf meiner Seite, habe aber meine Möglichkeiten nicht genutzt."

Djokovic beging zahlreiche unerzwungene Fehler

Entscheidend war u.a., dass Djokovic im Match-Verlauf 53 unerzwungene Fehler beging, Nadal hingegen nur 27. Im Head-to-Head erhöhte der nun 13-fache Sieger von Grand-Slam-Turnieren auf 22:15, kein anderes Duell in der Open Era fand 37-mal oder öfter statt. Im US-Open-Finale trafen die beiden das dritte Mal aufeinander. Die ersten beiden Finali wurden auch in vier Sätzen entschieden - 2010 zugunsten von Nadal, 2011 gewann Djokovic.

In der ewigen Grand-Slam-Bestenliste ließ Nadal den Australier Roy Emerson nun hinter sich und hat nur noch den Schweizer Roger Federer (17 Titel) und den US-Amerikaner Pete Sampras (14) vor sich. Theoretisch könnte Nadal schon in einem Jahr mit Federer gleichziehen. Dafür müsste er 2014 den echten Grand Slam gewinnen, was der Mallorquiner aber für unmöglich hält. "Bei der Dichte an Topspielern ist das heutzutage nicht machbar", sagte er.

Knie wird Nadals Zukunft entscheiden

Als Federer 2008 bei den US Open seinen 13. Grand-Slam-Titel holte, war er zwei Monate jünger als Nadal aktuell. Seine restlichen vier Majors hatte der Eidgenosse drei Jahre und zehn Monate später im Juli 2012 in der Tasche. Ob es bei Nadal wie zuletzt weitergeht, hängt auch davon ab, ob er künftig von Knieschmerzen verschont bleibt. Wegen dieser hat er vom 28. Juni 2012 bis 6. Februar 2013 kein Match gespielt.

Dann begann aber sein Triumphzug, mit dem er in rund sieben Monaten knapp 10,5 Mio. Dollar einspielte. Das ist mehr als ein Sechstel seines Karriere-Preisgeldes. Nach dem US-Open-Finale allein erhielt der auf Hartplatz heuer in 22 Spielen ungeschlagene Nadal 3,6 Mio. Dollar (2,73 Mio. Euro), wobei darin eine Million für den Gewinn der US-Open-Serie inkludiert ist. Beim Gesamt-Preisgeld liegt nur Federer mit mehr als 77 Mio. Dollar (58,36 Mio. Euro) vor Nadal.

Nadal hat noch große Ziele

"Was ich bis jetzt erreicht habe, ist schon viel mehr, als ich mir je erträumt habe", sagte Nadal. "Ich werde hart weiter arbeiten. Aber 13 Grand Slams ist schon eine beeindruckende Zahl." Für heuer bleiben ihm außer dem Erreichen der Nummer eins und dem Gewinn zumindest eines Dutzends an Titeln noch die Ziele, als erster Spieler in einem Jahr mehr als - die schon geholten - fünf Masters-1000-Turniere und erstmals das World-Tour-Finale zu gewinnen.

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