US-Notenbank senkt Leitzinsen erneut: Will
US-Wirtschaft damit unter die Arme greifen

Leitzinssatz diesmal von 3 auf 2,75 Prozent gesenkt Erst im Jänner wurde Leitzins um 1,25% reduziert

US-Notenbank senkt Leitzinsen erneut: Will
US-Wirtschaft damit unter die Arme greifen © Bild: Reuters/Yeung

Die US-Notenbank hat auf die anhaltende Konjunktur- und Finanzkrise in den USA erneut mit einer kräftigen Zinssenkung reagiert. Der Leitzins wurde um 0,75 Punkte auf 2,25 Prozent zurückgenommen. Seit dem Ausbruch der Hypothekenkrise hat die Notenbank den Leitzins damit insgesamt um drei Punkte reduziert. Ein großes Aufatmen gab es an den US-Börsen: Die Leitzinssenkung und die beruhigenden Ergebnisse führender Investmentbanken beflügelten die Märkte, die am Vortag durch die Verschärfung der Finanzmarktkrise deutlich belastet waren. Zu einem regelrechten Kursfeuerwerk kam es vor allem für viele Finanztitel und Technologie-Aktien, die zu Wochenbeginn zum Teil erhebliche Verluste erlitten.

Der Dow-Jones-Index kletterte um 3,51 Prozent auf 12 392,66 Punkte. Der S&P-500-Index gewann 4,24 Prozent auf 1330,74 Punkte. Der NASDAQ-Index sprang um um 4,19 Prozent auf 2268,26 Punkte.

Die Entscheidung solle die Risiken für die Konjunktur verringern, begründeten die US-Währungshüter ihre deutliche Zinssenkung. Denn die anhaltenden Probleme auf dem Kreditmarkt und die Immobilienkrise würden voraussichtlich noch "über die nächsten Quartale" die US-Konjunktur belasten. In der Finanzbranche werden nun auch Rufe nach Hilfe aus der Politik laut. "Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte", sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Er forderte ein gemeinsames Vorgehen der Notenbanken, Regierungen und Anleger.

Finanzmärkte unter Stress
"Die Finanzmärkte stehen weiterhin unter beträchtlichem Stress", stellte die US-Notenbank fest. Erst zum Wochenbeginn hatte sie in einer beispiellosen Aktion durch Garantien den völligen Absturz einer der größten US-Investmentbanken der USA, Bear Stearns, verhindert, die nun vom Konkurrenten J.P. Morgan übernommen werden soll. Die Verschärfung der Kreditkrise hatte an den internationalen Finanzmärkten Panikreaktionen ausgelöst, Kurseinbrüche weltweit waren die Folge.

Nach der erneuten Zinssenkung überwog an den US-Märkten zunächst die Enttäuschung, da zuletzt mit einem Zinsschnitt von einem ganzen Punkt oder sogar 1,25 Punkten gerechnet worden war. Dann überwog die Erleichterung und die Börsen zogen kräftig an. In Erwartung einer deutlichen US-Zinssenkung hatten zuvor bereits die europäischen Börsen mit Gewinnen geschlossen. Auch der Deutsche Aktienindex (DAX) konnte ein Großteil seiner Vortagesverluste wettmachen.

Fed rechnet mit Abschwächung der Inflation
Die US-Notenbank betonte, sie werde "zeitnah" handeln, um nachhaltiges Wachstum wie auch Preisstabilität zu gewährleisten. In den nächsten Quartalen sei dank sinkender Preise für Energie und Rohstoffe mit einer Abschwächung der Inflation zu rechnen, teilte die Fed weiter mit. Jedoch bestünde weiter Unsicherheit über die Entwicklung der Teuerung, die weiter "sorgfältig" beobachtet werde. US-Präsident George W. Bush erwägt einem Zeitungsbericht zufolge unterstützende Eingriffe zugunsten großer amerikanischer Hypothekenaufkäufer.

Die Federal Reserve hatte in den vergangenen Wochen mit einem Bündel von Maßnahmen auf die massiven Kredit- und Liquiditätsprobleme der Finanzwirtschaft reagiert. In einem historischen Schritt gewährte die Notenbank am Sonntag den bedrängten Investmentbanken Zugang zu ihrem sogenannten Diskont-Fenster, ein Kreditprogramm, das bisher nur Handelsbanken offenstand. Am Dienstag senkte die Notenbank neben dem Leitzins auch den Diskontsatz um 0,75 Punkte auf 2,5 Prozent, nachdem die Fed ihn bereits am Sonntag um 0,25 Punkte zurückgenommen hatte.

Beruhigendere Signale aus New York
Vom Herzen der amerikanischen Finanzwelt in New York kamen erstmals seit Tagen beruhigendere Signale. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers wurden trotz eines massiven Gewinneinbruchs von der Kreditkrise bisher weniger stark getroffen als von Experten befürchtet. Nach der Beinahe-Pleite von Bear Stearns hatten die Märkte mit dem Schlimmsten gerechnet. Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs verdiente im ersten Geschäftsquartal mit 1,47 Milliarden Dollar (932 Mio. Euro) unter dem Strich rund 50 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Bei Lehman Brothers, der Nummer vier der Branche, brach der Gewinn sogar um fast 60 Prozent auf 465 Millionen Dollar ein. Ausdrücklich betonten beide Banken, keine Liquiditätsprobleme zu haben. Das honorierte die Börse: Die Aktien von Marktführer Goldman Sachs schossen um über 16 Prozent nach oben, Titel von Lehman Brothers sogar um fast 50 Prozent.
(apa/red)