Unzufriedenheit trotz Reichtum und Kinder: Midlife-Crisis tritt als globales Phänomen auf

Zu Beginn und am Ende des Lebens am glücklichsten Frustration unabhängig von Geschlecht und Schicht

Unzufriedenheit trotz Reichtum und Kinder: Midlife-Crisis tritt als globales Phänomen auf © Bild: APA/Berg

Der Mensch ist am glücklichsten zu Beginn und am Ende seines Lebens. Wie eine neue Studie von Andrew Oswald und David Blanchflower zeigt, tritt die Unzufriedenheit unabhängig von Geschlecht und Einkommen relativ einheitlich auf. Über die genaueren Ursachen gibt es jedoch keine befriedigenden Erklärungen.

Das mittlere Lebensalter stellt die Psyche des Menschen vor besondere Probleme. Von der Midlife-Crisis sind Männer und Frauen weltweit in ähnlichem Maß betroffen, wie die Daten von zwei Millionen Menschen zeigen. "Es sieht so aus, als ob etwas tief in den Menschen passiert", sagte der britische Ökonom Andrew Oswald von der Universität Warwick. "Manche Menschen leiden darunter mehr als andere, aber nach unseren Informationen ist der durchschnittliche Effekt erheblich."

Studie umfasst 80 Länder
Gemeinsam mit dem US-Forscher David Blanchflower vom Dartmouth College wertete Oswald die Daten von Menschen aus 80 Ländern aus, von Albanien über Deutschland bis Simbabwe. Resultat: Die Glückskurve im Leben eines Menschen verläuft meist in Form eines U. Am Anfang und am Ende des Lebens sind Menschen ähnlich glücklich, den Tiefpunkt erreicht die Zufriedenheit dagegen im mittleren Alter. In Großbritannien verfallen Männer wie Frauen mit durchschnittlich etwa 44 Jahren ins Grübeln, in den USA sind Frauen im Alter um 40 und Männer mit etwa 50 Jahren am stärksten depressionsgefährdet. Die 55.000 befragten Deutschen errichten das Minimum an Zufriedenheit im Alter von knapp 43 Jahren.

Dabei spielt es laut der Studie, die in der Zeitschrift "Social Science & Medicine" erscheinen soll, kaum eine Rolle, ob die Betroffenen männlich sind oder weiblich, verheiratet oder alleinstehend, wohlhabend oder arm, kinderreich oder kinderlos. "Niemand weiß, warum das so einheitlich ist", sagte Oswald. Möglicherweise müssten Menschen in diesem Alter manche unerfüllbaren Träume zu Grabe tragen oder aber erkennen, dass ihnen nur noch eine begrenzte Zeit zum Leben bleibe, spekuliert der Wirtschaftswissenschaftler.

Mit 50 überstanden
Aber die Resultate bieten den Betroffenen auch Trost: "Im Alter ab 50 Jahren tauchen die meisten Menschen wieder aus diesem Tief auf", sagt Oswald. "Wenn man 70 ist und noch körperlich gesund, dann ist man durchschnittlich ähnlich glücklich wie ein 20-Jähriger." Und die Studie selbst könnte die Unzufriedenheit lindern, hofft der Wirtschaftswissenschaftler: "Vielleicht kann die Erkenntnis, dass solche Gefühle im mittleren Lebensalter völlig normal sind, Menschen dabei helfen, diese Phase besser zu überstehen."

(apa/red)