Unzufrieden? Dann kauf doch selbst ein!
Firma lässt Mitarbeiter Computer kaufen

Citrix mit "Bring Your Own Computer" in Testphase Meinung der Analysten zu Programm ist gespalten

Unzufrieden? Dann kauf doch selbst ein!
Firma lässt Mitarbeiter Computer kaufen

Mitarbeiter von Firmen sind ja eigentlich nie zufrieden mit dem Computer, den sie an ihrem Arbeitsplatz vorfinden. Zu langsam, zu wenig Speicherplatz, schlechte Grafik - irgendetwas gibt es immer auszusetzen. Dem setzt die Softwarefirma Citrix ihr Programm "BYOC" entgegen: Bring Your Own Computer. Die Mitarbeiter werden aufgefordert, sich ihren Rechner doch selber auszusuchen und zu kaufen.

Dazu bekommen die Angestellten ein Budget von 2.100 Dollar (1.464 Euro). Davon müssen sie sich einen Laptop und einen Wartungsvertrag für drei Jahre organisieren. Wie der Rechner aussieht, ist dann ihre Sache. Der Firma nehmen sie dafür jede Verantwortung für Anschaffungen und technischen Support ab. Die ersten 200 Mitarbeiter, die sich an dem Programm beteiligt haben, waren aber trotzdem zufrieden.

Analysten: "Vorausschauende Strategie"
Der Analyst Charles King von Punt-IT spricht von einer "vorausschauenden Strategie". "Die Leute haben eine sehr persönliche Beziehung zu ihren technischen Geräten. Die Freiheit zu haben, den Computer kaufen zu können, den man will, ist wie eine Belohnung. Und ein zufriedener Mitarbeiter ist normalerweise auch ein produktiver."

Citrix steht mit dem BYOC-Programm wohl nicht alleine da, es ist aber die erste große Firma, die dies ganz öffentlich macht, sagt Steve Kleynhans, Analyst von Gartner. Bei anderen IT-Firmen gebe es wohl ähnliche Projekte, die aber alle nur unter der Hand liefen. Es gelte ja auch einige technische Herausforderungen zu meistern. So müsse sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter auch die Programm haben, die sie für ihre Arbeit brauchen, erklärt Kleynhans. Auch müsse geklärt sein, wie mit vertraulichen Informationen umgegangen werde und wie diese auf den Rechnern der Angestellten geschützt würden.

Für Citrix ist das Programm eine Werbung für die eigene Virtualisierungstechnik. Sie ermöglicht es, Software in Unternehmen zentral zu verwalten, wobei die Mitarbeiter die Programme und auch die Daten gar nicht auf ihrem Computer haben, sondern von Servern abrufen. "Wenn unsere Technik das kann, wieso machen wir es dann nicht selbst?" sagt der Leiter für Informationstechnik von Citrix, Paul Martine, zu den Beweggründen für das Computer-Kauf-Programm.

Ob andere Firmen dem Beispiel folgen, hängt wohl vor allem davon ab, ob sie damit Geld sparen können. Citrix erklärt, ein Computer habe in Anschaffung und Wartung für jeden Mitarbeiter rund 2.500 Dollar gekostet. Eine Zahl, die Analysten auch für andere Unternehmen bestätigen. Die 2.100 Dollar könnten also tatsächlich eine Einsparung bedeuten.

Nicht ohne Bedenken
Aber es gibt auch Bedenken. Die Analystin Sara Radicati ist sich nicht sicher, welches Problem Citrix damit eigentlich löst und ob es irgendetwas bringt. Gerade die Verwaltung wichtiger firmeninterner Daten sei doch einfacher, wenn es etwas mehr Kontrolle gebe. Und der Berater Tim Bajarin von Creative Strategies meint, so ein Programm sei für eine Softwarefirma wie Citrix einfacher durchzuführen als für normale IT-Firmen. Als Firma, die auf Virtualisierung spezialisiert sei, habe die das Wissen, wie so etwas erfolgreich umgesetzt werden könne.

Auch Citrix testet noch, die Erprobungsphase läuft bis Ende des Jahres. Dann, so Martine, werde man sehen, ob das Programm die Erwartungen erfülle. (apa/red)