"Unzählige Wochen in Japan verbracht":
Heimvorteil für Paischer & Co bei Judo-WM?

Vier Österreicher bei Welttitelkämpfen in Tokio dabei Gutes Abschneiden für Olympia-Qualifikation wertvoll

"Unzählige Wochen in Japan verbracht":
Heimvorteil für Paischer & Co bei Judo-WM? © Bild: Reuters/Ebenbichler

Weltmeisterschaften im Mutterland des Judo sind für alle Athleten etwas Besonderes. Für Japaner, die sich beim Heim-Event der Unterstützung fachkundiger Zuschauer sicher sein können. Aber auch für Ludwig Paischer, Sabrina Filzmoser und Co., die in der Vergangenheit viele Wochen auf asiatischen Matten trainiert haben und wissen, was auf sie zukommt. Die letzte WM-Medaille hat 2007 Paischer mit Bronze in Rio de Janeiro geholt, bei den Welttitelkämpfen 2010 geht es aber auch um wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation.

Das vierköpfige rot-weiß-rote Team, dem neben den Vizeeuropameistern Filzmoser und Paischer auch Andreas Mitterfellner (EM-Bronze) und Max Schirnhofer (EM-Fünfter) angehören, reiste am vergangenen Freitag nach Tokio und hat eine gute Woche Zeit für die Akklimatisierung, beginnen die Bewerbe doch erst am Freitag. "Ich habe in den letzten Jahren unzählige Wochen in Japan verbracht, eigentlich ist das fast schon ein Heimspiel für mich. Acht Tage zur Umstellung des Körpers sind optimal", sagte der 28-jährige Salzburger Paischer, der in der Klasse bis 60 Kilogramm am Sonntag im Einsatz ist.

Gutes Abschneiden für Olympia-Quali wichtig
Filzmoser (bis 57 kg) kämpft bereits einen Tag früher, ein gutes Abschneiden wäre in zweierlei Hinsicht wertvoll. Zum einen, weil die WM als Einzelereignis nach Olympia das wichtigste Event ist ("Für mich top angesiedelt"), zum anderen, weil sie zum bereits vierten Mal für die Rangliste um einen Startplatz bei den Sommerspielen 2012 in London anschreiben möchte. "Bis zur EM nächstes Jahr zählen nur fünf Resultate, drei habe ich schon. Ein super Polster, ich hätte nicht damit gerechnet, dass ich das Olympiaranking anführe. Mit einem guten WM-Resultat könnte ich 2011 ein paar taktische Spielchen machen", weiß die 30-Jährige, dass mit einem Topergebnis in Tokio das kommende Jahr um einiges einfacher werden könnte.

Andererseits geht die "Welt nicht unter", wenn es in Japan nicht klappen sollte, optimal wäre es freilich andersrum. "Dann kann ich mir die Zeit nehmen und zwei, drei Monate weg vom Judo gehen, was anderes machen. Kraftaufbauen, Wehwehchen auskurieren, die man im Alter mit sich schleppt. Wenn es schlecht läuft, muss ich mehrere Turniere kämpfen, das schlaucht dann doch wieder, dann ist 2011 nicht so ausgeglichen und rund."

Paischer: WM-Vorbereitung mal anders
Anders als 2009 verlief auch die heurige WM-Vorbereitung für Paischer, was aber nicht unbedingt schlecht sein muss, gestaltete sich das Großereignis damals ja äußerst unerfreulich für ihn. "Für Rotterdam war ich top vorbereitet, habe geglaubt, dass ich Bäume ausreißen kann, und dann bin ich in der ersten Runde am Rücken gelegen. Im Judo ist eben nicht alles plan- und messbar, es kommt auf Kleinigkeiten während des Kampfes an. Unsere Vorbereitung war in Anbetracht der Umstände optimal", erzählte Paischer, der eine Fingerverletzung aber in den Griff bekommen hat.

Im Gegensatz beispielsweise zu Paris, wo die Zuschauer alle Kämpfer anfeuern, unterstützt das japanische Publikum vorrangig die Lokalmatadore. Filzmoser: "Aber wenn du Weltmeister wirst, hast du genau so viel Aufmerksamkeit wie ein Japaner. Oder wenn du einen Japaner im Finale schlägst, dann hast du einen Status wie ein Gott." Österreich hat bisher 13 WM-Medaillen errungen, das letzte Gold holte 1985 in Seoul Peter Seisenbacher. (apa/red)