Unwetter von

Heftige Unwetter
fegen durch Österreich

Unwetter - Heftige Unwetter
fegen durch Österreich

Heftige Unwetter fegen durch Österreich. Der Bezirk Neunkirchen wurde zum Katastrophengebiet erklärt, im Grazer Stadtpark gab es ein Todesopfer durch einen umgestürzten Baum.

Die Bezirkshauptmannschaft hat am frühen Dienstagabend mitgeteilt, dass aufgrund des Unwetters im Bezirk Neunkirchen "eine Katastrophe vorliegt". Diese Einschätzung gelte seit 15.30 Uhr.

© APA/EINSATZDOKU.AT

Das Rote Kreuz stand mit 25 Rettungskräften im Einsatz. In Gloggnitz wurde laut einer Aussendung der Bezirkseinsatzstab eingerichtet. Die personellen Ressourcen würden laufend verstärkt und Rettungswägen aufgrund vielfach schlechter Zufahrtswege auf Bereitschaft gestellt, um im Notfall schnell ausrücken zu können.

Mehre Orte seien nur über Unwege erreichbar, teilte das Rote Kreuz weiter mit. Ortschaften seien teilweise auch abgeschnitten. Die Lage dürfte sich im Laufe der Nacht weiter zuspitzen, hieß es zudem.

Todesopfer durch umgestürzten Baum im Grazer Stadtpark

Eine Unwetterfront, die am Dienstag von der weststeirischen Koralm über Graz bis in die Oststeiermark gezogen ist, hat am Abend im Grazer Stadtpark einen Menschen das Leben gekostet. Laut Heimo Krajnz von der Berufsfeuerwehr Graz fiel ein Baum auf einen Passanten. Die Sturmböen ließen auch Bäume und Äste auf Oberleitungen von Straßenbahnen stürzen.

Das Dach eines Sanitärgeschäfts am Schönaugürtel landete teilweise im Vorgarten eines Wohnhauses. Die Feuerwehr warnte vor weiteren herabbrechenden Ästen und Teilen von Bauwerken. Im öffentlichen Verkehr kam es zu massiven Verspätungen. Im Bezirk Jakomini fegte der Sturm mehrere Bäume um, diese Beleuchtungsleitungen mit sich rissen.

Die Straßenbahnlinien 4 und 5 waren wegen umgefallener Bäume um bis zu 30 Minuten verspätet, hieß es seitens der Holding Graz. Die Äste hatten Oberleitungen getroffen. Der öffentliche Verkehr kam vorübergehend fast zum Erliegen. Die Reparaturarbeiten würden mehrere Stunden dauern.

Die Gewitterfront zog schnell auf, war aber nach wenigen Minuten wieder vorbei. Bei der Grazer Berufsfeuerwehr gingen binnen eineinhalb Stunden rund 150 Notrufe ein. Wehren aus dem Bezirk Graz-Umgebung kamen den Kollegen in der Landeshauptstadt zu Hilfe.

150 Einsatzstellen im südlichen Niederösterreich

Feuerwehrsprecher Franz Resperger berichtete am Dienstagabend von 150 Einsatzstellen in den Bezirken Neunkirchen und Wiener Neustadt. "Es werden mehr", fügte er hinzu. 750 Helfer waren mittlerweile aufgeboten. Sie beobachteten auch die Pegel der Bäche und Flüsse in der Region. In den vom Unwetter betroffenen Gebieten hatte wieder heftiger Regen eingesetzt.

Resperger kündigte an, dass noch am Dienstag bzw. spätestens Mittwoch in der Früh eine Bereitschaft des Katastrophenhilfsdiensts aus Wiener Neustadt in den Bezirk Neunkirchen in Marsch gesetzt werde. Dies dazu, um andere Kräfte abzulösen bzw. zu unterstützen. Der Bezirk Wiener Neustadt wurde dem Sprecher zufolge von Ausläufern des Unwetters getroffen. Straßen und Wiesen seien überflutet worden.

Überflutete Keller und Straßen im Mittelburgenland

Ein Gewitter hat am Dienstagnachmittag im Bezirk Oberpullendorf für überflutete Keller und Straßen gesorgt. Laut Landessicherheitszentrale Burgenland waren die Feuerwehren in den Gemeinden Kobersdorf, Weppersdorf, Neckenmarkt und Deutschkreutz mit Auspumparbeiten sowie mit dem Freimachen von Verkehrswegen beschäftigt. Im Bezirk Güssing war St. Michael betroffen.

Aus Deutschkreutz sei zudem Hagel gemeldet worden, zu möglichen Schäden gebe es jedoch keine Informationen, teilte eine Sprecherin mit. Zurzeit sei die Lage stabil, es werde aber noch mit weiteren Unwettern gerechnet.

Frau mit zwei Kindern aus den Fluten gerettet


Im niederösterreichischen Otterthal (Bezirk Neunkirchen) hat das Rote Kreuz am Dienstagabend eine Frau mit zwei Kindern im Alter von zwölf und sechs Jahren aus den Fluten gerettet. Die drei Personen seien in einem Auto von den Wassermassen überrascht worden und seien weder vor noch zurück gekommen, teilte das Rote Kreuz in der Nacht auf Mittwoch in einer Aussendung mit.

Zwei Rotkreuz-Mitarbeiter hätten die Frau mit den Kindern bei einer Erkundungsfahrt durch die überfluteten Straßen Otterthals entdeckt. Die Familie sei befreit und dann mit dem Rettungswagen in ihren Heimatort Kirchberg gebracht worden.

Lastwagen von Brücke in die Thaya gestürzt

Ein Lastwagen ist am Dienstagabend während des schweren Gewitters von einer Brücke in Dobersberg (Bezirk Waidhofen an der Thaya) in die Thaya gestürzt. Zugfahrzeug und Anhänger seien in der Flussmitte zum Stehen gekommen, der Fahrer sei in der Kabine eingeschlossen worden, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando in der Nacht auf Mittwoch. Wegen Diesel-Austritts seien Ölsperren errichtet worden.

Weil sich der Gesundheitszustand des 39-jährigen Fahrers verschlechterte, konnte er von den Feuerwehren nicht gleich geborgen werden. Ein Feuerwehrmann musste zunächst die Notärztin durch den Fluss zum Lkw tragen, damit diese die Erstversorgung vornehmen konnte. Danach sei der Mann aus dem Fahrzeug gerettet und ins Spital gebracht worden.

Der Mann war mit einem unbeladenen Holztransporter von Merkengersch in Richtung Dobersberg unterwegs. In einer Linkskurve sei er ins Schleudern gekommen, der Anhänger sei zunächst in den rechten Straßengraben geschlittert. Danach habe das gesamte Gespann auf der Schellingsbrücke das Geländer durchbrochen und sei in den Fluss gestürzt. Durch den Absturz sei der Treibstofftank aufgerissen worden; es trat Diesel aus. Um diesen wieder aufzufangen seien zwei Ölsperren flussabwärts errichtet worden. Die Feuerwehr sei um 19.15 Uhr alarmiert worden, zwei Feuerwehren seien mit hydraulischen Rettungsgeräten ausgerückt.

Die Bergung des Holztransporters gestaltete sich aufwendig. Eingesetzt wurde ein Bagger einer Baufirma. Damit das Fahrzeug aus dem Fluss gezogen werden konnte, musste die Böschung am Flussufer abgegraben werden. Insgesamt waren neun Feuerwehren mit 118 Mitgliedern bis kurz vor Mitternacht im Einsatz.

Knapp 50 Einsätze am Dienstagabend im Burgenland

Im Burgenland hat es am Dienstagabend knapp 50 Unwetter bedingte Einsätze gegeben. Nach einem Gewitter samt Hagel am Nachmittag im Mittelburgenland war nach 19 Uhr vor allem der Landessüden betroffen. "Rudersdorf und Deutsch Kaltenbrunn (Bezirk Jennersdorf) waren mit 15 Feuerwehreinsätzen dieses Mal der Hotspot", teilte ein Sprecher der Landessicherheitszentrale (LSZ) heute, Mittwoch der APA mit.

"Zahlreiche Keller waren überflutet, viele Bäume sind aufgrund des starken Windes umgestürzt und haben zum Teil auch Straßen blockiert", schilderte der Sprecher. In Zemendorf (Bezirk Mattersburg) setzte ein Blitzschlag einen Zählerkasten in Brand. In Heiligenbrunn (Bezirk Güssing) kappte ein Baum eine Stromleitung. Zahlreiche Haushalte waren laut LSZ für etwa eine Stunde ohne Strom. In Oberkohlstätten (Bezirk Oberwart) musste auch die Rettung ausrücken. Eine Frau wurde durch ein zuschlagendes Gartentor leicht verletzt und wurde ins Spital gebracht.

"Für heute Nachmittag sind erneut gewittrige Schauer und Starkregen prognostiziert. Der Schwerpunkt wurde für die erste Nachmittagshälfte angekündigt", sagte der Sprecher der LSZ.

Rund 1.000 Haushalte in Oststeiermark noch ohne Strom

Nach der heftigen Gewitterfront, die am Dienstagabend über die Steiermark gezogen ist, waren Mittwochfrüh immer noch rund 1.000 Haushalte vor allem in der Oststeiermark ohne Strom. Besonders im Raum Fischbacher Alpen seien viele Zufahrtswege noch von Bäumen versperrt, erklärte Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark auf APA-Nachfrage.

Die Feuerwehr zog eine erste Bilanz: Rund 1.500 Kräfte waren im Einsatz. Der steirische Feuerwehrverband sprach von orkanartigen Windböen mit Spitzen über 100 km/h, einer Vielzahl von entwurzelten bzw. geknickten Bäumen sowie heruntergebrochenen Ästen. Dächer wurden beschädigt oder abgedeckt. Straßen, Gehwege und Gleisanlagen waren blockiert. Im Stadtpark in Graz kam ein 26-jähriger Rumäne ums Leben, als er von einem umfallenden Baum getroffen wurde. Im oststeirischen Raabtal hatte ein Baum nahe dem Bahnhof Studenzen-Fladnitz die Gleise der Ostbahnstrecke der ÖBB blockiert.

Regierungsspitze kündigte rasche Hilfe an

Angesichts der Verwüstungen durch schwere Unwetter in Teilen Österreichs haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) am Mittwoch rasche Hilfe für Betroffene angekündigt. Die Bereitstellung von Mitteln aus dem Katastrophenfonds werde geprüft, hieß es aus dem Kanzleramt.

Nach den anlaufenden Aufräumarbeiten sollen zügig die entstandenen Schäden erhoben werden. Man sei mit den zuständigen Stellen der Länder in Kontakt, um Hilfsmaßnahmen unbürokratisch in die Wege zu leiten. Dank gelte den Einsatzkräften und freiwilligen Helfern. Kurz drückte zudem gegenüber den Angehörigen eines Mannes, der bei dem Unwetter im Grazer Stadtpark ums Leben gekommen ist, sein Mitgefühl aus.

Aufräumarbeiten im Bezirk Neunkirchen

Im Bezirk Neunkirchen sind nach dem Unwetter vom Vortag am Mittwoch in der Früh die Aufräumarbeiten fortgesetzt worden. 200 Feuerwehrleute standen dabei u.a. im Einsatz, berichtete Franz Resperger vom Landeskommando auf Anfrage. Seitens des Landes Niederösterreich gibt es eine Zusage zur raschen Schadensabwicklung.

Die Aufräumarbeiten würden sicher den ganzen Tag und vermutlich auch noch am Donnerstag andauern, sagte Resperger. Ein Katastrophenhilfszug aus dem Bezirk Wiener Neustadt war angefordert, bestätigte Landesrat Stephan Pernkopf (ÖVP). Er wollte sich noch am Mittwoch ein Bild von der Lage im südlichen Niederösterreich machen. Es gebe "keine Entwarnung in den kommenden Tagen", so der Landesrat.

Der Bezirk Neunkirchen war noch am Dienstagnachmittag zum Katastrophengebiet erklärt worden. Die zugesagte rasche Schadensabwicklung soll laut Pernkopf eine zumindest "kleine Hilfe" für die Betroffenen sein.

Kommentare