Unverständnis über Kritik beim ÖFB-Team:
"Wir haben kein schlechtes Spiel gezeigt"

Nationalteamspieler sehen vor allem positive Facetten Teamchef zeigt sich über Leistung jedoch enttäuscht

Unverständnis über Kritik beim ÖFB-Team:
"Wir haben kein schlechtes Spiel gezeigt"

Der 0:1-Niederlage im Testspiel gegen England haben Österreich Fußball-Nationalteamspieler trotz zahlreicher Kritikpunkte auch viel Positives abgewonnen. Unverständlich blieb den ÖFB-Kickern hingegen so mancher Pfiff von den Rängen.

"Wir haben kein schlechtes Spiel gezeigt und stark begonnen", zeigte sich Kapitän Andreas Ivanschitz nach einer starken individuellen Leistung nicht unzufrieden. "Wir sind viel gelaufen, das hat Kraft gekostet. Heute hat der letzte Pass oft gefehlt. Wir müssen länger den Ball halten und sicherer spielen. In der einen oder anderen Situation haben wir zu viel Respekt gehabt, aber gegen so eine große Mannschaft muss man eben vorsichtig sein."

"Ein Punkt wäre verdient gewesen"
Mittelfeld-Akteur Markus Weissenberger freute sich über "mehr Ballbesitz und Ballkontakte" in den zweiten 45 Minuten. "Das hat in der ersten Spielhälfte nicht so funktioniert. Ein Punkt wäre verdient gewesen. Man hat gesehen, jeder wollte kämpfen, laufen und ist in die Zweikämpfe gegangen. Deshalb glaube ich, dass die Pfiffe nicht verständlich waren. Am Ende hat der Trainer alles riskiert und noch einen zweiten Stürmer gebracht."

Auch Tormann Alexander Manninger, der ab der 22. Minute den angeschlagenen Jürgen Macho vertrat ("es tut mir in erster Linie leid, dass ich für einen verletzten Kollegen einspringen musste"), war von den Reaktionen des Publikums überrascht: "Die Leute müssen begreifen, dass sie der zwölfte Mann sein könnten. Gegen England ,nur' durch einen Eckball zu verlieren, da braucht man sich doch nicht zu verstecken. Vielleicht muss man das einigen doppelt sagen."

Keine Chance gegen Crouch?
Das Gegentor zum 0:1 sei kaum zu verhindern gewesen: "Da haben sie uns perfekt erwischt, das war ein sehr guter Corner, und der vielleicht beste Kopfballspieler überhaupt hat ihn verwertet", meinte Manninger und erklärte, warum in dieser Situation kein eigener Spieler am Pfosten postiert wurde: "Das haben wir uns so ausgeredet. Damit wir mehr Leute im Spielfeld haben. Diesen einen haben wir geopfert."

"Man hat gesehen, dass England klar stärker ist", musste Joachim Standfest bekennen. "Sie haben mehr Klasse, spielen ihre Chancen perfekt zu Ende." Trotz "vieler Fehler im Spiel nach vor" sei es aber gelungen, "hinten gut zu stehen. Wir müssen abgebrühter werden, damit wir von zwei, drei Konterchancen eine auch verwerten." Die Verletzung Machos sei ein Schock gewesen: "Als ich hingekommen bin, haben seine Augen gezittert."

Enttäuschung bei Hicke
Weniger erfreut blickte Teamchef Josef Hickersberger auf die 90 Minuten zurück: "Ich bin sehr enttäuscht, weil wir es nicht geschafft haben, England mehr in der Defensive zu beschäftigen. Ich habe der Mannschaft in der Pause vorgeworfen, dass wir nicht Fußball spielen, habe mehr Mut und Initiative gefordert und dass wir die Zuschauer zufrieden stellen." Namentlich hob er Ronald Gercaliu heraus: "Er hat sensationell gespielt."

Allen Spielern würden nun "mit einer DVD die Fehler bildlich gezeigt", blickte Hickersberger auf die nächste Zukunft. "Tunesien hat nicht einen so großen Namen, aber auch sehr gute Spieler." (apa/red)