Untergrundorganisation ETA wieder aktiv:
Anschlag auf Polizeiwache in Nordspanien

Calahorra: Insgesamt acht Menschen leicht verletzt Station wurde nach Warnanruf rechtzeitig geräumt

Die baskischen Untergrundgruppe ETA hat einen Autobombenanschlag auf ein Polizeirevier in Nordspanien verübt. Der Sprengsatz explodierte am Rande einer Karfreitagsprozession in der Kleinstadt Calahorra in der Region Rioja. Ein Polizist erlitt nach Angaben des Bürgermeisters leichte Gesichtsverletzungen durch Glassplitter. Nach Angaben des staatlichen Rundfunks RNE wurden insgesamt acht Menschen leicht verletzt. Es entstand zudem großer Sachschaden.

"Der Sprengsatz ging praktisch direkt vor unseren Augen hoch. Die Explosion war enorm", sagte Bürgermeister Javier Pagola. Die sozialistische Regierungspartei verurteilte den Anschlag und erklärte, dass "die terroristische Bande niemals ihre Ziele mit Gewalt" erreichen werde.

Nach Angaben des staatlichen Fernsehens ging etwa 30 Minuten vor der Explosion in Calahorra eine Warnung ein, in der detailliert der Standort des Anschlagsautos sowie dessen Marke, Modell und Farbe beschrieben wurde. Vor dem Polizeirevier brach daraufhin Panik aus, da sich wegen der Karfreitagsprozession zahlreiche Menschen in den Straßen aufhielten.

Rechtzeitige Räumung
Das Revier der Guardia Civil und dessen Umgebung konnten jedoch rechtzeitig geräumt werden, so dass niemand schwer verletzt wurde. Ohne die rasche Räumungsaktion der Polizei hätte der Anschlag zahlreiche Menschen das Leben gekostet, hieß es.

Die ETA hatte vor 25 Jahren schon einmal einen Bombenanschlag auf die Kaserne verübt. Auch damals waren keine Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt hatte die ETA im Baskenland einen Ex-Kommunalpolitiker der Sozialisten ermordet. Der Anschlag ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentswahl in Spanien, bei der die Sozialisten von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero ihre Mehrheit behaupteten.

800 Tote in 40 Jahren
In ihrem Kampf für ein unabhängiges Baskenland in Nordspanien und Südfrankreich hat die ETA (Euskadi Ta Askatasuna/Baskenland und Freiheit) in den vergangenen 40 Jahren mehr als 800 Menschen getötet. Ministerpräsident Zapatero scheiterte dabei im vergangenen Jahr mit seinem Versuch, über Verhandlungen eine Friedenslösung zu erreichen, weil die ETA trotz der Gespräche einen Bombenanschlag auf den Flughafen von Madrid verübte. Dabei starben zwei Menschen. (apa/red)