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Unschöne Bescherung

Eine halbe Million Geschenke wird zurückgebracht. Welche Rechte haben Konsumenten?

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Eine halbe Million Geschenke wird nach Weihnachten zurückgebracht. Wer online gekauft hat, muss sich bereits beeilen. Welche Rechte haben Konsumenten?

Alfons Graber, 37, erlebt es Jahr für Jahr: wundersame Geschenke zu Weihnachten. Am Heiligen Abend kommt die gesamte Familie zu Besuch. Es wurde vereinbart, dass sich die Erwachsenen nichts schenken. Einzig Grabers Tante hält sich nicht daran. "Ich habe nie was bekommen, was ich je gebraucht oder was mir gefallen hätte. Dafür orangefarbene Pullover, gelbe Socken und einmal sogar einen Lockenwickler. Den Wickler hat meine Tante bei einer Tombola gewonnen und gemeint, dass ich ihn brauchen könnte", sagt Graber. Kurz vorm Fest steigt sein Adrenalinspiegel. Sein Freundeskreis schließt seit fünf Jahren Wetten ab: Wer das Weihnachtsgeschenk der Tante errät, erhält hundert Euro. Bisher schaffte das niemand.

Dem Christkind eine eklatante Leseschwäche bei der Lektüre des Wunschzettels zu unterstellen, wäre zu viel des Guten. Aber fünf Prozent der Beschenkten sagen "Na, gute Nacht" statt "Heilige Nacht" unterm Christbaum. Und das ist eine ordentliche Menge, denn es geht um mehr als 500.000 Geschenke, die wieder retour in den Laden wollen.

"Das Recht, gekaufte Sachen wegen Nichtgefallens umzutauschen, existiert nicht", sagt Maria Ecker, Juristin beim Verein für Konsumenteninformation. Doch was können Beschenkte mit unliebsamen Präsenten machen? Ecker rät zu einem Kniff: Da man vor dem Kauf die stärkste Verhandlungsposition hat, sollte mit dem jeweiligen Händler die Möglichkeit eines Umtausches vereinbart und auf der Rechnung vermerkt werden. "Darauf lassen sich die meisten Händler ein. Und damit wird der Umtausch zu einem Anspruch und fällt nicht mehr unter Kulanz", sagt Ecker.

Albtraum unterm Christbaum

Es gibt Unternehmen, die die Rückgabe großzügig gestalten. Das Modelabel H& M nimmt alle Sachen, wenn sie nicht gewaschen oder getragen wurden, binnen 28 Tagen retour und erstattet den vollen Kaufpreis. Selbst wenn die meisten Händler verkaufte Sachen auch bei Nichtgefallen zurücknehmen, verpflichtet sind sie dazu nicht. Wer also keine Vereinbarung getroffen hat, sollte darauf achten, dass folgende Punkte eingehalten werden:

  • Die Rechnung aufbewahren und den Bon auch dem Beschenkten geben. Viele haben eine Scheu davor, ihr Missfallen kundzutun. Das unliebsame Geschenk ist dann dazu vergattert, im Schrank ungebraucht zu verstauben. Wer den Kassaschein nicht findet, kann sich auch mit Kreditkarten- oder Bankomatkartenabrechnungen behelfen.
  • Des Weiteren sollten Originalverpackungen aufbewahrt und nicht beschädigt werden. Viele Händler sind hier sehr genau. Da man bei kulanter Rückgabe auf den Goodwill der Unternehmen angewiesen ist, sollte da kein Fehler passieren.

Online tauscht zwei Wochen

Die Rückgabemodalitäten sind im Onlinehandel einfacher: Im Netz abgeschlossene Kaufverträge können innerhalb von zwei Wochen ohne Begründung aufgelöst werden. Daneben gibt es auch hier händlerspezifische Sonderregelungen: Der Onlinehändler Amazon gewährt bei allen Einkäufen, die zwischen 1. November und 31. Dezember 2015 getätigt wurden, eine Rückgabe bis 31. Jänner 2016, also noch fünf Wochen nach Weihnachten.

Das ist mit ein Grund, warum der Onlinehandel dynamischer wächst als der stationäre Einzelhandel. Heuer werden Geschenke im Wert von 95 Millionen Euro im Internet gekauft. Das sind 5,9 Prozent des gesamten Weihnachtsgeschäfts, das 1,62 Milliarden Euro ausmacht. Neben dem Umtausch ist noch die Gewährleistung bedeutend. Fehlerhafte Produkte müssen zurückgenommen werden. Das ist kein Akt der Händlergroßzügigkeit, sondern rechtliche Pflicht. Die Gewährleistung dauert prinzipiell zwei Jahre. In den ersten sechs Monaten sind Konsumenten auf der sicheren Seite. Denn da muss der Händler nachweisen, dass ihn der Mangel nicht trifft. Darauf lässt sich niemand ein, und so werden fehlerhafte Produkte anstandslos entgegengenommen. Händler versuchen aber häufig, ihre Kunden mit Gutscheinen abzuspeisen; man muss diese allerdings nicht annehmen. Alternative: Austausch oder Preisminderung. Wenn das nicht geht, ist der Kaufpreis zurückzuerstatten.

Geschenkgutscheine sind generell 30 Jahre gültig. Manche Gutscheine sind zeitlich limitiert -das muss aber vermerkt sein. Sollte diese Frist zwei Jahre oder weniger betragen, ist das laut Oberstem Gerichtshof nicht rechtens. Verjährte Gutscheine sollte man dennoch nicht wegwerfen und beim Händler um eine Lösung anfragen.

Bei Alfons Graber jedenfalls steigt die Spannung wegen der bevorstehenden Bescherung. Seine Freunde haben schon ihre Geschenktipps abgegeben: Herrenhandtäschchen, Klopapierspender, Haarfärbemittel und Sitzkissen mitsamt Lenkradhülle fürs Auto. Graber weiß nicht, wovor er sich mehr fürchten soll: vor dem tatsächlichen Geschenk der Tante oder vor den Vorhersagen seiner Freunde.

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