'Uns fehlt Selbstvertrauen': Match gegen Schweiz wird für Hicke im Kopf entschieden

"Müssen uns auf Match auch mental vorbereiten" Teamchef appelliert an Fans: Lasst uns nicht im Stich!

In der Vorbereitung auf das freundschaftliche Länderspiel des Nationalteams heute gegen die Schweiz (20:30 Uhr/LIVE auf NETWORLD.at) am Innsbrucker Tivoli neu wird der psychologischen Komponente eine besondere Bedeutung beigemessen. "Wir müssen uns auf dieses Match nicht nur auf dem Platz, sondern auch mental vorbereiten", erklärte Teamchef Josef Hickersberger.

Zuvor hatten die ÖFB-Kicker in Gesprächen mit den Mentalbetreuern Günter Amesberger und Wolfgang Hartweger noch einmal die Liechtenstein-Partie Revue passieren lassen. "Das Feedback war so, dass die Spieler zugegeben haben, vor dem Spiel großen Druck gespürt zu haben", meinte Hickersberger.

Das mühsame 2:1 von Vaduz wurde noch einmal vor dem TV-Gerät analysiert. "In diesem Spiel gab es zwei Phasen: Bis zum 0:1 war das Bestreben zu spüren, eine Blamage zu vermeiden, da hat die Vorberichterstattung Wirkung gezeigt, da waren die Spieler gehemmt. Nach dem Gegentor war eigentlich schon alles verloren, da ging es nur noch darum, volles Risiko zu nehmen", rekapitulierte der ÖFB-Coach.

"Uns fehlt das Selbstvertrauen"
Die Fehler aus Phase eins dürfen sich gegen die Schweiz nicht wiederholen, "denn wenn es nur darum geht, keinen Fehler zu machen, kann man nicht gut Fußball spielen. Wir müssen Selbstvertrauen gewinnen, genau das ist es, was uns fehlt." Ein Grund für die Favoritenrolle der Schweizer sei auch deren mentale Stärke. "Die Schweiz hat derzeit unglaubliches Selbstvertrauen und die Unterstützung des ganzen Landes. Dieser Unterschied wird in Innsbruck zu sehen sein."

Seine Spieler müssten nun lernen, mit dem öffentlichen Druck gerade im Hinblick auf die EURO 2008 umzugehen, betonte der Niederösterreicher. "Der Mensch muss sich anpassen, das war schon vor mehreren tausend Jahren so und ist ein positiver Entwicklungsprozess", sagte Hickersberger, der nach eigenen Angaben mit der aktuellen Situation besser fertig wird als viele seiner Spieler, sich aber auch wieder kritisch zur allgemeinen Fußball-Berichterstattung äußerte. "Wenn England daheim gegen Mazedonien 0:0 spielt, wird nicht von einem großartigen Resultat für Mazedonien, sondern von von einem schwachen England gesprochen. Man sieht gerne Leute scheitern oder Nationen zittern, das ist der Trend der Zeit."

Hiden: "Von Routine und Auftreten sind wir noch nicht so weit"
Martin Hiden haben die Diskussionen über die mediale Darstellung der ÖFB-Auswahl bisher relativ kalt gelassen. "Von der Routine und vom Auftreten sind wir noch nicht so weit, aber das wird sicher kommen", gab der frühere England-Legionär zu, der mit bisher 35 Länderspielen die meisten Einsätze des aktuellen ÖFB-Kader auf dem Buckel hat und schon beim bisher letzten Aufeinandertreffen gegen die Schweiz (2:3 am 21. August 2002 in Basel) so wie Rene Aufhauser, Markus Weissenberger und Roland Linz mit von der Partie war.

Der Rapid-Verteidiger hat seine Knieprobleme, die ihn gegen Liechtenstein außer Gefecht gesetzt hatten, so gut wie überwunden und wird aller Voraussicht nach gegen die Eidgenossen in der Startformation stehen. Hinter dem Einsatz von Martin Stranzl (Zehenentzündung) steht hingegen noch ein Fragezeichen, der Burgenländer wollte in der letzten Einheit in Tschagguns wieder ins Training einsteigen.

Sollten beide Abwehrspieler fit werden, würden sie fix in der Anfangs-Elf stehen - mit welcher Taktik gegen die Schweiz verteidigt wird, ist aber noch offen. Hickersberger ist am Überlegen, gegen die Eidgenossen eine Dreier- statt einer Viererkette ins Rennen zu schicken. "Ein anderes System zu probieren ist durchaus denkbar", meinte der Teamchef, der auch weitere Umstellungen im Vergleich zum Freitag-Match ankündigte. "Aber das war schon vor dem Liechtenstein-Spiel so geplant."

Der 58-Jährige hofft auf ein achtbares Resultat gegen die Schweiz. "Ein Unentschieden wäre für uns zum jetzigen Zeitpunkt ein sehr gutes Ergebnis, aber wir gehen in das Spiel, um zu gewinnen."

Teamchef appelliert an Fans: Lasst uns nicht im Stich!
Hickersberger hat vor dem Länderspiel am Innsbrucker Tivoli neu an die Anhänger appelliert, die ÖFB-Auswahl im Duell mit dem klar favorisierten EURO-Partner nicht im Stich zu lassen. "Es fehlt der Mannschaft derzeit an Selbstvertrauen, daher braucht sie die Unterstützung der Fans".

Der 58-Jährige geht nicht davon aus, dass der Tiroler Anhang negative Reaktionen zeigt, sollten die beiden Wacker-Spieler Ferdinand Feldhofer und Hannes Eder nur auf der Bank sitzen. "Ich denke, dass die vernünftigen Fans sehr wohl unsere Situation kennen. Es geht nicht um das Fördern von Tirol-Spielern, sondern darum, dass gegen die Schweiz die meiner Meinung nach stärkste österreichische Mannschaft aufläuft."

Wacker-Kapitän Feldhofer forderte die Tiroler Fans auf, voll hinter der ÖFB-Auswahl zu stehen, auch wenn kein Kicker des Innsbrucker Bundesligisten von Beginn an im Einsatz ist. "Wenn Hannes Eder und ich nicht spielen, ist das zu akzeptieren. Das ist das Normalste auf der Welt, dass man im Team nicht immer fix spielt", sagte der Verteidiger, der auf Grund einer möglichen Umstellung auf eine Dreier-Abwehr in der Mannschaft bleiben könnte.

Der frühere Rapidler bat die Anhänger, "uns fair zu behandeln und ein bisschen Geduld zu zeigen, auch wenn nicht alles sofort klappt. Wir werden uns hundertprozentig zerreißen. Wir alle, Fans und Spieler, haben bei der EURO ein großes gemeinsames Ziel. Um das zu erreichen, brauchen wir unbedingt die Unterstützung der Fans."

(apa/red)