"Uns geht's gut": Ex-Irak-Geiseln Pari und Torretta sind nach Italien zurückgekehrt

Simona Torretta plant bereits ihre Rückkehr in den Irak Simona Pari: Wurden "mit großem Respekt behandelt"

Nach ihrer Freilassung nach drei Wochen Geiselhaft sind die beiden im Irak entführten Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation "Eine Brücke für... (Un ponte per...)", Simona Pari und Simona Torretta, am späten Dienstagabend auf dem römischen Flughafen Ciampino eingetroffen. Die beiden 29-Jährigen, die an Bord eines Militärflugzeuges in der italienischen Hauptstadt landeten, wurden unter anderem von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Vizepremier Gianfranco Fini und Roms Bürgermeister Walter Veltroni willkommen geheißen. Auf dem Flughafen hatten sich außerdem Freunde und Familienangehörige der beiden Italienerinnen versammelt.

Regierungschef Berlusconi stieg in das Flugzeug mit den Freigelassenen und umarmte die beiden "Simonas". Mit einem langen Applaus wurden die beiden Freiwilligen von ihren Familienangehörigen, den Chefs der Menschenrechtsorganisation und von ihren Freunden begrüßt. Polizisten eskortierten die Frauen in die Halle des Flughafens.

Torretta will wieder in den Irak zurückkehren
"Wir sind mit großem Respekt behandelt worden, alles ist gut verlaufen", sagte Pari zu wartenden Journalisten. Ihre Entführer seien "religiöse Menschen gewesen, die uns die Grundsätze des Islam lehrten und uns am Ende sogar um Entschuldigung baten", sagte die Freigelassene Simona Torretta. Torretta sagte weiter, sie werde vermutlich in den Irak zurückkehren. Nach Angaben des italienischen Fernsehens wurden die beiden Frauen von den Kidnappern gemeinsam an einem Ort gefangen gehalten. Die beiden Helferinnen sollen vom römischen Staatsanwalt vernommen werden, der im Fall der Geiselnahme ermittelt.

Eine Million Dollar an Lösegeld bezahlt?
Pari und Torretta waren am Dienstag gemeinsam mit einer irakischen Mitarbeiterin und einem irakischen Ingenieur freigelassen worden. Der italienische Außenminister Franco Frattini versicherte laut der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI, dass die Italienerinnen ohne die Zahlung von Lösegeld freigekommen seien. Die Freilassung sei ohne Blutvergießen erfolgt.

Der Chefredakteur der kuwaitischen Tageszeitung "Al Rai Al Aam", Ali al Roz, beteuerte jedoch, dass die Regierung in Rom eine Million Dollar (rund 850.000 Euro) für das Leben der Helferinnen bezahlt habe. "Das Lösegeld wurde in zwei Tranchen bezahlt: 500.000 Dollar am Montag und der Rest am Dienstag", sagte der Chefredakteur im Gespräch mit italienischen Medien. Die angesehene kuwaitische Tageszeitung hatte bereits am Samstag berichtet, dass die beiden Helferinnen am Leben seien und gut behandelt würden.

"Positives Ende" nach zwei Toten
Sandro Baldoni, Bruder des im August im Irak getöteten italienischen Journalisten Enzo Baldoni, zeigte sich erfreut über die Freilassung. "Wir sind erleichtert, dass wenigstens diese Geiselnahme ein positives Ende gefunden hat. Leider hatte mein Bruder weniger Glück", sagte Baldoni. Bereits im April war im Irak der italienische Leibwächter Fabrizio Quattrocchi getötet worden. (apa)