Unruhen nach friedlicher Wahl: Kenia versinkt vor Auszählungsende in blutigem Chaos

Opposition erklärt Odinga bereits zum Wahlsieger Ethnische Spannungen brechen nach Wahl voll aus

Unruhen nach friedlicher Wahl: Kenia versinkt vor Auszählungsende in blutigem Chaos

In Kenia ist es wegen der schleppenden Auszählung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Nahe der Hauptstadt Nairobi bewarfen mehrere hundert Demonstranten Autos mit Steinen. Zudem kam es zu Kämpfen zwischen rivalisierenden ethnischen Gruppen. Nach bisherigen Auszählungen liegt Oppositionspolitiker Odinga vor Amtsinhaber Kibaki.

Zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl veröffentlichte die Wahlkommission erste Teilergebnisse. Demnach erhielt Odinga rund 49 Prozent der Wählerstimmen, Kibaki 45 Prozent. Bisher wurden knapp drei Viertel aller Wahlbezirke ausgezählt. Angaben zur Wahlbeteiligung lagen zunächst nicht vor. Die Opposition erklärte Odinga im Laufe des Samstags zum Wahlsieger.

Der Vorsitzende der Wahlkommission rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Zuvor hatten zahlreiche Anhänger von Odinga gegen die langsame Stimmenauszählung protestiert. Die Demonstranten befürchteten nach eigenen Angaben eine Fälschung des Wahlergebnisses durch den bisherigen Präsidenten Kibaki. In mehreren Armenvierteln der Hauptstadt Nairobi und anderen Städten des ostafrikanischen Landes lieferten sich Anhänger von Odingas Partei Orange Democratic Movement (ODM) Auseinandersetzungen mit der Polizei, die zum Teil Tränengas einsetzte.

Die Wahl war nahezu reibungslos verlaufen, was nach teilweise blutigen Auseinandersetzungen während des Wahlkampfs nicht unbedingt zu erwarten war. Die Verzögerung der Ergebnisse führte jedoch zu zunehmenden Spannungen im Land, besonders im Ribera-Slum in Nairobi, dessen gut 700.000 Einwohner in großer Mehrheit Odinga unterstützen.
(APA/red)