UNO-Umweltgipfel "Rio+20" von

Berlakovich pfeift auf Rio

Umweltminister enttäuscht: "Zum Jubeln und Feiern fliege ich nicht hin"

UNO-Umweltgipfel "Rio+20" - Berlakovich pfeift auf Rio © Bild: APA/Schlager

Umweltminister Nikolaus Berlakovich hat am Mittwoch überraschend seine Teilnahme am UNO-Umweltgipfel "Rio+20" in Rio de Janeiro absagt. In einem Gespräch mit der APA meint ein enttäuschter Berlakovich: "Brasilien hat ein Abschlussdokument vorgelegt, es gibt keine weiteren Verhandlungen mehr - und zum Jubeln und Feiern fliege ich nicht hin. Die Konferenz ist zu Ende, bevor sie begonnen hat." Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisiert die Entscheidung des Ministers.

Es sei ein Gipfel der "vergebenen Chancen", betonte der Minister. Vor allem Gastgeberland Brasilien habe seine Möglichkeiten nicht genützt. Berlakovich verwies dabei auf die vorangegangene UNO-Konferenz im südafrikanischen Durban, bei der nächtelang verhandelt und der Gipfel deswegen sogar um eineinhalb Tage verlängert worden war.

Berlakovich fordert nun einen "Neustart". Mit den bisherigen Verläufen der Umweltgipfel, bei denen die Verhandlungen meist sehr zäh und die Resultate dürftig waren, könne man nicht zufrieden sein. "Die Menschen erwarten sich ja Ergebnisse", so der Minister.

"Konkrete Ziele fehlen"
Auch dieses Mal seien in Vorbereitungsverhandlungen viele Probleme aufgetaucht. "China und Indien wollten sich nicht einbinden lassen in internationale Regeln, und andere Industrieländer müssen selber sparen. Konkrete Ziele und Zeitpläne fehlen in dem Dokument. Für Österreich war wichtig, dass Nachhaltigkeitsziele formuliert werden - jetzt steht in dem Papier lediglich, dass es Ziele geben soll. Da wäre mehr drinnen gewesen. Die EU wollte den Prozess, die Dynamik retten", sagte Berlakovich. Doch das Abschlussdokument sei "eine Richtschnur, die stellenweise sehr dünn ist".

Bei der nächsten EU-Umweltministerkonferenz, die voraussichtlich im Juli stattfinden werde, will sich Berlakovich für einen Neustart einsetzen. "Wir beginnen jetzt mit dem Brainstorming. Aber so wie die Konferenzen bisher verlaufen sind, ist es einfach unbefriedigend."

Nicht alleine mit Absage
Mit seiner Absage ist Minister Berlakovich nicht alleine. Auch ein größeres Kaliber der internationalen Politik, Barack Obama, bleibt der Konferenz trotz flehendlicher Bitten zahlreicher Umwelt-NGOs fern und schickt seine Außenministerin vor. Sonst ist die Teilnahme aber durchwegs höherrangig, immerhin 120 Staats- und Regierungschefs reisen nach Rio.

Greenpeace kritisiert Minister

Die meisten Umwelt-NGOs sind schwer enttäuscht vom Gipfel und beklagen mangelnde Fortschritte und kaum vorhandene Ambitionen. Auch Greenpeace teilt die Kritik von Berlakovich, kritisiert aber die Nichtteilnahme des Ministers dennoch heftig. Berlakovich hätte seine Krititk besser in Rio anbringen sollen, um so wenigstens in der Zukunft bessere Ergebnisse zu erzielen. So würde die Stimme Österreichs in Rio einfach untergehen.

Für die Grüne Umweltsprecherin Christiane Brunner, ist die Ankündigung des Ministers Arbeitsverweigerung. Während der freiheitlliche Umweltsprecher Norbert Hofer die Entscheidung des Ministers begrüßt.

Kommentare

Er wäre dort in jedem Fall unnötig gewesen. Auch wenn das Treffen sinnvoll gewesen wäre, wäre Berlakowitsch dort absolut entbehrlich gewesen. Was soll dort ein aufgeblasener Zwergenminister, der bei der Umsetzung der regionalen Umweltziele nur das Schlusslicht ist. Er wird dort nicht gebraucht.

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China und Indien wollten sich nicht einbinden lassen ... Die größten Dreckschleudern dieses Planeten pfeifen auf Umweltschutz. Aber so Zwergstaaten wie Österreich wollen das Weltklima retten indem unserer Industrie Auflagen erteilt werden die auch die letzten Arbeitsplätze noch vernichten. Eine Kleinstadt in China (wobei klein nach chinesischen Verhältnissen zu verstehen ist) verursacht mehr Umweltbelastung als ganz Österreich. Unsere neuen Kraftfahrzeuge blasen schon eine reinere Luft raus als sie ansaugen dank der teuren Technologie die der heimische Konsument bezahlen muß. Dem heimischen Autofahrer wird trotzdem immer wieder aufs Neue der Schwachsinn eingeredet dass er an der Klimaerwärmung Schuld ist.

Ignaz-Kutschnberger
Ignaz-Kutschnberger melden

@_nein Bravo bravo bravo... endlich mal jemand der das Maul an der richtigen Stelle aufreißt!!!

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ja natürlich beteiligen sich nicht-westliche Staaten .. ..mittlerweile kräftig daran,den Ast endgültig abzusägen auf dem wir alle sitzen.Aber daraus die Legitimation für die eigenen Zerstörungen zu basteln ist logisch äußerst gewagt, finden Sie nicht?
Umweltschutz ist heute keine Frage des Wollens mehr,sondern des Müssens(immer vorausgesetzt, dass das Überleben des Menschen anstrebenswert ist). Und die Sache ist für Kindergeplänkel wie "der tut\'s aber auch" mittlerweile zu ernst. Wir verlieren über dreißigtausend Arten jährlich.Und dummerweise werden Ökosysteme instabiler je speziesärmer sie werden und irgendwann rumpelts dann endgültig. Und wenn ich mitten auf der Autobahn stehe und der Schwerlaster hupend auf mich zufährt, mache ich nicht die Augen fest zu, sondern versuche wegzukommen. Aber das ist halt meine Strategie, jeder wie er will.

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Vom Prinzip haben sie Recht higgs ... Das Problem an ihrer Denkweise ist jedoch, dass Österreich und ich würde sogar sagen Europa das Weltklima nicht retten kann. Das was hier an Umweltbelastung produziert wird ist verschwindend gering gegenüber dem was der Rest der Welt verursacht. Die größten Umweltsünden werden eben nun mal in Asien begangen und dann kommen die USA. Erstere denken gar nicht daran etwas in ihrem Verhalten zu ändern und die anderen reden zwar gern vom Umweltschutz werden aber auch nie etwas unternehmen was ihrer Wettbewerbsfähigkeit auch nur im geringsten schadet. Aber wir Österreicher können ja das Ruder herumreissen ... Glauben sie das wirklich? Wenn ich davor stehe, dass mir mein Bein abgenommen wird brauche ich nicht mehr die Zehennägel schneiden ...

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Re: China und Indien wollten sich nicht einbinden lassen ... Ja, ich weiß, aber ich finde deshalb ist es umso wichtiger, dass Europa mit gutem Beispiel vorangeht. Einer muss ja mal anfangen. Und irgendwie muss ich meiner grenzenlosen Wut Ausdruck verleihen. Nur ich bin mir natürlich wie jeder, der mehr IQ hat als eine Staudenbanane, darüber klar, dass das alles andere als einfach ist. Denn die Menschheit besteht scheinbar aus Verhungernden auf der einen und denaturierten Trotteln und Technologie-und Wachstumsjunkies auf der anderen Seite, die meinen die Realität liege irgendwo zwischen feuchten Wachstumsträumen und Facebook. Und während der Planet unter den Füßen zerbröselt wird von den Süchtigen über die Notwendigkeit der Sucht schwadroniert - aber auch Idioten in Armani sind letztlich nur Idioten.

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