UNO-Truppen im Kongo fordern Nachschub: Können Rebellenvormarsch nicht stoppen

Zehntausende Menschen vor Kämpfen auf der Flucht Rebellen sollen Städte im Osten eingenommen haben

UNO-Truppen im Kongo fordern Nachschub: Können Rebellenvormarsch nicht stoppen © Bild: AP/Prinsloo

Die UNO-Friedenstruppe im Kongo muss angesichts der eskalierenden Kämpfe im Osten des Landes dringend aufgestockt werden. Das forderte der UNO-Gesandte für den Kongo, Alan Doss. Allerdings könnten die Streitkräfte eines Drittlandes mit einem UNO-Mandat am schnellsten eingreifen, legte Doss nahe. Der UNO-Sicherheitsrat teile das Gefühl der Dringlichkeit der Lage und stehe einer militärischen Verstärkung offen gegenüber, sagte der Chef der UNO-Friedenseinsätze, Alain Le Roy, nach Beratungen in New York.

Der französische UNO-Botschafter Jean-Maurice Rippert erklärte, Paris habe keine Truppen die zur Entsendung bereitständen, vielmehr sei "konzertiertes internationales Handeln" nötig. Die Regierungen in Europa und Afrika seien sich der Dringlichkeit bewusst, wie Rippert weiter sagte. Doss hatte als Beispiel für ein rasches Eingreifen von außen die Operation "Artemis" genannt. Bei dem dreimonatigen Einsatz sorgte eine französisch geführte EU-Truppe 2003 für Sicherheit in der ostkongolesischen Provinz Ituri.

Kämpfe "scharf verurteilt"
Der Weltsicherheitsrat forderte in seiner Sitzung einen sofortigen Waffenstillstand im Osten des Kongos. Die Kämpfe wurden "scharf verurteilt".

UNO-Blauhelmsoldaten der Mission MONUC hatten sich zuvor vergeblich bemüht, die Rebellen am Vormarsch auf die Provinzhauptstadt Goma zu hindern. Die Truppen schossen nördlich der Stadt aus Hubschraubern heraus auf die vorrückenden Rebellen, konnten diese aber nach Angaben von Augenzeugen zunächst nicht aufhalten. Die Kongolesen werfen der rund 17.000 Mann starken UNO-Friedenstruppe vor, sie nicht vor den Rebellen zu schützen.

Zwei Städte eingenommen
Die Tutsi-Rebellen des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda haben nach eigenen Angaben zwei große Städte im Osten des Kongo eingenommen und Goma umzingelt. Die Stadt Rutshuru und das benachbarte Kiwanja seien besetzt, sagte ein Sprecher der Rebellen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die kongolesischen Soldaten zogen sich unterdessen in Richtung Süden zurück. Mehrere Zehntausend Menschen waren auf der Flucht vor den Kämpfen. Etwa 30.000 Flüchtlinge trafen in einem provisorischen Lager des UNO-Flüchtlingshochkommissariates (UNHCR) in Kibati ein, zehn Kilometer nördlich von Goma, wie UNHCR-Sprecher Ron Redmond mitteilte.

(apa/red)