Generaldebatte von

In 17 Zielen die Welt retten

Die Vereinten Nationen wollen die sogenannten Nachhaltigkeitsziele beschließen

UNO-Generalversammlung © Bild: SAUL LOEB/AFP/Getty Images

Seit es Menschen gibt, gibt es Hunger, Armut und Diskriminierung. Was die Welt in Tausenden Generationen an Elend angehäuft hat, soll nun binnen einer halben Generation beseitigt werden. Die Vereinten Nationen haben sich nicht weniger vorgenommen, als in 15 Jahren Hunger und extreme Armut auf der Welt zu besiegen. Der Nachhaltigkeitsgipfel wurde von Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai in New York eröffnet.

Rund 160 Staats- und Regierungschefs wollen vom Freitag an bei der 70. Generaldebatte im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York auf dem wohl größten Gipfeltreffen der Geschichte die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), also Nachhaltigkeitsziele, beschließen. Bis 2030 sollen diese insgesamt 17 Ziele erreicht werden:

  1. Kein Mensch auf der Welt soll mehr in extremer Armut (also von
    weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag) leben
  2. Kein Mensch soll mehr Hunger leiden
  3. Der Gesundheitszustand der Menschheit soll verbessert werden
  4. Alle Menschen sollen Zugang zu Bildung haben
  5. Keine Diskriminierung mehr gegen Frauen
  6. Alle Menschen sollen frisches Trinkwasser und Toiletten haben
  7. Förderung von erneuerbaren Energien
  8. Wachstum der Wirtschaft und Jobs für alle Menschen
  9. Ausbau von Infrastruktur und Industrialisierung
  10. Abbau des Wohlstandsgefälles
  11. Erhöhung von Lebensqualität für alle Städtebewohner
  12. Produktion und Verbrauch von Lebensmitteln sollen nachhaltiger
    werden
  13. Der Klimawandel soll bekämpft werden
  14. Meere sollen besser geschützt werden
  15. Wälder und Biodiversität sollen besser geschützt werden
  16. Gewalt und Korruption soll beendet werden
  17. Globale Zusammenarbeit bei nachhaltiger Entwicklung soll gestärkt
    werden

Diese Nachhaltigkeitsziele sind die Fortsetzung der MDGs (Millennium Development Goals), der Jahrtausendziele. Vor 15 Jahren hatten Politiker aus aller Welt unter anderem vereinbart, bis 2015 die Zahl der Hungernden und der Ärmsten - die von weniger als 1,50 Dollar am Tag leben - zu halbieren, allen Kindern eine Grundschulbildung zu geben und Kinder-und Müttersterblichkeit drastisch zu senken. Und tatsächlich: Viele dieser Jahrtausendziele wurden erreicht oder zumindest fast erreicht. Deshalb soll mit den SDGs jetzt nachgelegt werden.

In den nächsten 15 Jahren sollen Hunger und "die Armut überall auf der Welt und in jeder ihrer Formen" beseitigt werden. Weiter sollen alle Menschen sauberes Wasser und Zugang zu einer vernünftigen Toilette bekommen. Eine Benachteiligung von Frauen und Mädchen soll es nicht mehr geben, und jeder Mensch werde verlässliche, umweltschonende Energie nutzen können. "Ungleichheiten" zwischen den Staaten sollen abgebaut und weltweit Wachstum geschaffen werden. Industrialisierung ja, aber "in nachhaltiger Form".

Ambitionierte Ziele

"Ohne Frage sind diese Ziele ambitioniert", sagt Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates. "Die Hürden sind hoch. Aber wie wir in den letzten 15 Jahren gesehen haben, gibt es eine gute Chance auf Erfolg." Der Schub der MDGs müsse für die SDGs genutzt werden: "Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist der Lebensstandard so vieler Menschen so sehr gestiegen wie seit 2000", argumentiert Gates. "Die SDGs zeigen uns nun die Welt, wie wir sie immer wollten."

Eines dabei ist neu: Diesmal ist nicht nur die Dritte Welt gefragt. Denn SDG heißt: Entwicklungsländer nach vorn bringen, entwickelte Länder auf "grün" trimmen. "Wenn man die neuen Nachhaltigkeitsziele als Maßstab nimmt, sind alle Länder jetzt Entwicklungsländer", sagt Christian Kroll. Der Studienleiter der Bertelsmann-Stiftung hat alle OECD-Länder auf Nachhaltigkeit überprüft - und die in Umweltfragen selbstbewussten Deutschen kamen nur auf Platz sechs: Die Landwirtschaft zu wenig Bio, der Naturschutz nicht ausreichend, und nur wenige produzieren mehr Müll als die Deutschen.

Hilfsorganisationen pochen auf Umverteilung

Die Hilfsorganisationen sehen auch soziale Probleme: Ohne Umverteilung könne es nicht gehen. "Wir können extreme Armut beenden, aber dafür müssen wir die Verteilungslücke zwischen den Reichen und dem Rest schließen", sagt Tobias Hauschild von Oxfam. Und auch Marwin Meier von World Vision sagt: "Das Armutsgefälle innerhalb von Ländern, auch mittleren Einkommens, muss stärker beachtet werden." Alles bleibt natürlich eine Frage der Finanzierung.

Es bleibt der Verdacht, dass die Millenniumsziele nur so erfolgreich waren, weil der Wohlstand in früheren Entwicklungsländern wie China und Korea nach oben schoss. Doch dass lässt Bill Gates nicht gelten: "Liberia, Tansania, Malawi, Bangladesch und Äthiopien haben alle das Ziel erreicht, Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu reduzieren. Und Äthiopien, einst das Symbol für Hunger und Armut, hat einige wichtige Fortschritte gemacht und ist jetzt dabei, jedes Millenniumsziel zu erreichen. Die klaren Ziele funktionieren, weil sie Geberländer, Entwicklungsländer und die Menschen drängen, zusammenzuarbeiten." Wenn das alles klappt, sind die nächsten 15 Jahre - nur ein Lidschlag in der Geschichte - vielleicht die wichtigste Epoche der Menschheit.

Kommentare

Oliver-Berg

Ein wichtiger Punkt fehlt auf der Liste. Konsequente Ächtung und Sanktionen gegen Diktatoren und Despoten wie Assad und Co. Warum haben wir 2015 60 Mio Flüchtlinge weltweit. Nicht weil es in Syrien, Irak, Afghanistan, Somalia, Sudan, Nigeria, Simbawne & Co. so friedlich zugeht. Armut ist praktisch immer ein Zeichen von Ausnutzen eines schwächeren durch einen Stärkeren (Beispiel Kongo, Nigeria, ..)

Diese dampfplauderer kann man schon nicht mehr hören. Und wenn der papst, den ich grundsätzlich als mensch sehr schätze, appelliert, den reichtum umzuverteilen, verstehe ich nicht, warum die unfassbar reiche kirche nicht damit beginnt. Und so nebenbei sollte die kirche gleich mal platz für flüchtlinge schaffen und diese unterbringen.

Ivoir
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Sollen; Müssen aber nicht?
Solange das „westliche“ Ressourcenmanagement nur ein Deal ohne die Einbindung der jeweiligen Bevölkerung ist, werden auch tausend hehre Ziele die Welt nicht retten. Wir schreien ja auch gleich, wenn die Regierung österreichisches Gut an das Ausland verkaufen will. Dieses Einspruchsrecht haben diese Völker bei weitem nicht,

Ivoir
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sie werden über die Deals nämlich nicht informiert und inkludiert. Wenn man z. Bspl. Bodenschätze kauft, dann mit vertraglichen Auflagen die auch den Bewohnern zugute kommen und dafür zu sorgen, das das auch geschieht. Wir müssen also in eine Position kommen, die uns in die Lage bringt das auch zu fordern, welches aber sehr schwer ist da wir die eigentlichen Nutznießer sind.

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