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UNO-Konferenz in Wien eröffnet

Generalsekretär Ban Ki-moon in UNO-City - Wurst stattet Konferenz einen Besuch ab

Conchita Wurst tritt auf der UNO-Konferenz in Wien auf. © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

"Diese Konferenz kommt zur richtigen Zeit und am richtigen Ort." Bundespräsident Heinz Fischer meinte damit Österreich, als er am Montag in der Wiener UNO-City vor den Teilnehmern der zweiten internationale Konferenz zu Binnen-Entwicklungsländern sprach, die kurz zuvor von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon eröffnet worden war. Auch Transgender-Künstlerin Conchita Wurst trat bei der Konferenz in Wien auf.

In der fast überfüllten Rotunde, der Versammlungshalle des Wiener UN-Sitzes, performte Wurst vor einer Vielzahl an UN-Mitarbeitern und Diplomaten. Generalsekretär Ban Ki-moon drückte seine ganze Unterstützung für die Botschaft der Toleranz, die die Song-Contest-Siegerin in die Welt trage, aus und bedankte sich für ihr Engagement.

Kein Platz für Diskriminierung

Eröffnet wurde das Ständchen an die Teilnehmer der UN-Konferenz durch die Song-Contest-Königin mit einem Cover von Chers "Believe". "Sie ist eine unglaubliche Sängerin und Entertainerin", so der Chefdiplomat. Ban lobte die "mächtige Botschaft", die von Wurst einem globalen Publikum kommuniziert wird und trat für gleichgeschlechtliche Partnerschaften und den Kampf gegen Homo- und Transphobie ein.

Auch in der UNO sei im 21. Jahrhundert kein Platz für Diskriminierung, sagte der Generalsekretär und verkündete unter dem Beifall der Anwesenden, dass ab nun gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch unter Mitarbeitern der Vereinten Nationen heterosexuellen Geschlechts rechtlich gleichgestellt seien. Schließlich schloss er mit Conchitas eigenen Worten "We are unstoppable" und bedankte sich bei ihr direkt: "Thank you for your leadership!"

Conchita Wurst tritt bei der UNO-Konferenz in Wien auf.
© APA/ROLAND SCHLAGER Conchita Wursts Auftritt bei der Konferenz.

Wurst zeigt sich gerührt

Der Travestie-Star zeigte sich über die positive Resonanz des Sprechers gerührt und betonte ihrerseits: "Ich bin eine Sängerin - aber auch so viel mehr", sagte Conchita Wurst, "wie wir alle viel mehr sind als das Etikett, das uns die Gesellschaft zuweist. Ich hoffe, dass wir uns in Zukunft keine mehr Gedanken über solche Sachen machen müssen", forderte sie gesellschaftlichen Respekt für unterschiedliche Arten der Lebensführung. Sie verabschiedete sich mit dem Eurovisions-Siegerlied "Rise like a Phoenix", bevor sie sich dem begeisterten Publikum zuwandte, das bereits Schlange stand, um mit Autogrammen und Fotos des Stars versorgt zu werden.

Die dreitägige UNO-Konferenz ist laut Außenministerium die größte in Wien stattfindende UNO-Konferenz seit zehn Jahren mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus über 90 Ländern. Sie beschäftigt sich mit den Problemen, die sich für die weltweit 32 Binnen-Entwicklungsländer (Landlocked Developing Countries, LLDC) durch ihren erschwerten Zugang zu internationalen Märkten ergeben. In Wien soll ein für die nächsten zehn Jahre gültiges Aktionsprogramm ("Vienna Plan of Action") beschlossen werden.

Klassischer "Australien-Fauxpas"

UNO-Generalsekretär Ban freute sich am Montag, in Wien zu sein, bedankte sich auf einer Pressekonferenz in der Wiener UNO-City auch artig bei Bundespräsident Heinz Fischer - und bei "der Regierung von Australien". Aufgrund der gefassten Reaktion der anwesenden heimischen und internationalen Medienvertreter wäre Ban sein Lapsus gar nicht bewusst worden - selbst der neben ihm auf dem Podium sitzende Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hatte sich im Griff, kein noch so schmales Lächeln schlich über sein Gesicht.

Irgendjemand muss dem UNO-Generalsekretär in der Folge allerdings doch noch zugeflüstert haben, was ihm da entschlüpft war. Ban entschuldigte sich prompt für seinen Fauxpas und versicherte: "Aber ich weiß, dass es hier keine Kängurus gibt." Was man ihm durchaus glauben kann, war Ban Ki-moon doch vor seinen weiteren Avancements von 1998 bis 2000 Botschafter Südkoreas in Österreich - und trägt unter anderem das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Wien.

Bolivien will Meerzugang

Boliviens Präsident Evo Morales hat am Montag am Rande der in Wien laufenden UNO-Konferenz für Binnen-Entwicklungsländer einen Meerzugang für sein Land eingefordert. "Wir wollen die bolivianische Position unterstreichen, dass die Ozeane gemeinsames Erbe aller Menschen sind", erklärte Morales. Bolivien verlor 1879 in einem Krieg mit Chile 400 Küstenkilometer und ist seither vom Meer abgeschnitten.

Fischer lobt Europäische Union

Fischer verwies darauf, dass Österreich, 1918 selbst zum Binnenland geworden und mit großen Zweifeln an seiner Überlebensfähigkeit konfrontiert, mittlerweile ein stabiles, unabhängiges und prosperierendes Land sei und hob in diesem Zusammenhang die Mitgliedschaft in der Europäischen Union und dem gemeinsamen Markt hervor. Wenn dieses Modell auch nicht für alle LLDC als Modell gelten werden könne, "so beinhaltet es doch eine wichtige Lektion: Binnen-Entwicklungsländer brauchen Partner und Kooperation", meinte der Bundespräsident. "Sie müssen aktiv die regionale Zusammenarbeit suchen, viele Probleme sollten dadurch leicht zu bewältigen sein."

UNO-Konferenz in Wien
© APA/ROLAND SCHLAGER Bundespräsident Heinz Fischer, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon und Außenminister Sebastian Kurz bei der UNO-Konferenz.

Der UNO-Generalsekretär erinnerte an die erste LLDC-Konferenz vor elf Jahren im kasachischen Almaty. Seither seien Fortschritte gemacht worden, letztlich litten die LLDC aber nach wie vor an hohen Transport- und teuren Importkosten. "Diese Konferenz kann den Weg vorwärtsweisen", meinte Ban. Die Binnen-Entwicklungsländer bräuchten Solidarität, Zusammenarbeit und Integration in den globalen Handel. "Auf dieser Konferenz geht es nicht um Verhandlungen und Dokumente - es geht darum, Menschenleben zu verändern."

Kurz zum Präsidenten der Konferenz ernannt

Außenminister Sebastian Kurz wurde von den Konferenzteilnehmern zum Präsidenten der dreitägigen Konferenz gewählt und übernahm den Vorsitz von Ban. Er erinnerte die Delegierten daran, "das ich mit der Hälfte aller Menschen in LLDC eine Eigenschaft teile: Wir sind unter 30 Jahre alt! Aber während Österreicher meines Alters in eine erfreuliche Zukunft voller Möglichkeiten blicken können, haben die meisten jungen Menschen in Binnen-Entwicklungsländern nicht die Möglichkeit, ihre Hoffnungen und Erwartungen an das Leben zu realisieren."

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