UNO-Klimakonferenz in Posen: Nachfolger für auslaufendes Kyoto-Protokoll gesucht

Gemeinsamer Kampf gegen die Erderwärmung Entwicklungsländer fordern mehr Unterstützung

UNO-Klimakonferenz in Posen: Nachfolger für auslaufendes Kyoto-Protokoll gesucht © Bild: APA/DPA/Pleul

Begleitet von Warnungen vor den Folgen des Klimawandels haben Vertreter aus mehr als 190 Staaten im polnischen Posen mit der Arbeit an einem Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll begonnen. Der polnische Umweltminister Maciej Nowicki forderte die Teilnehmer der zweiwöchigen UN-Klimakonferenz auf, eine "solide Basis" für das Folgetreffen Ende 2009 in Kopenhagen zu schaffen, auf der das Abkommen beschlossen werden soll.

"Die Menschheit ist an die Grenzen des Ökosystems unseres Planeten Erde gestoßen", sagte Nowicki zum Auftakt der Konferenz. Sollten die Menschen ihr Verhalten nicht ändern, wären Naturkatastrophen, Epidemien und der weitere Anstieg der Meeresspiegel die Folge. "All dies könnte zu sozialen und bewaffneten Konflikten von beispiellosem Ausmaß führen", sagte Nowicki. Der Chef des Weltklimarates (IPCC), Rajendra Pachauri, warnte vor "äußerst ernsten Auswirkungen" des Klimawandels.

Wichtiger Zwischenschritt
Posen gilt als wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einem neuen Klimaabkommen, dessen Weg im vergangenen Jahr mit dem Verhandlungsmandat von Bali vorgezeichnet wurde. Die Delegierten werden über ein 82-seitiges Dokument beraten, dass eine Vielzahl von Klimaschutz-Maßnahmen für die Zeit nach dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll vorschlägt. Mit Spannung wird dabei erwartet, ob sich bereits die klimapolitische Linie des künftigen US-Präsidenten Barack Obama abzeichnet, der Mitglieder seines Teams nach Posen entsenden will.

Der Leiter des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, forderte die Industriestaaten auf, die Entwicklungsländer beim Klimaschutz mit 80 Milliarden Euro jährlich zu unterstützen. Die fünf bis sechs Milliarden US-Dollar, die derzeit der Weltbank als Klima-Investitionsfonds zur Verfügung gestellt würden, reichten "sicher nicht", sagte Steiner der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Neben dem Kampf gegen die Erderwärmung stehen in Posen auch Forderungen von Schwellen- und Entwicklungsländern nach verstärkter technischer und finanzieller Unterstützung zur Debatte.

Kompromiss zeichnet sich ab
Kurz vor den abschließenden EU-Verhandlungen über künftige Abgasobergrenzen für Autos zeichnete sich unterdessen nach Angaben des deutschen Umweltministers Sigmar Gabriel (SPD) ein Kompromiss ab. Demnach dürfte es wie von der Industrie gefordert eine Übergangsphase von 2012 bis 2015 geben, bis für Neuwagen eine verbindliche Obergrenze für den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer gilt. Im Gegenzug dürfte aber gemäß einem Vorschlag der EU-Kommission bereits jetzt für 2020 eine Obergrenze von nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer verbindlich festgelegt werden.

Über die Abgasobergrenzen als Teil des geplanten EU-Klimapakets werden die EU-Umweltminister am kommenden Donnerstag und Freitag beraten; die Entscheidung treffen eine Woche später die Staats- und Regierungschefs. Gabriel sagte, ein Erfolg in Brüssel sei entscheidend auch für den Fortgang der UN-Klimaverhandlungen. Laut dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk ist die EU "sehr nah" an einer Einigung.

(apa/red)