UNO am Golan von

Syrien-Rebellen erobern UN-Posten

Grenzposten Quneitra eingenommen - österreichische Blauhelme eingebunkert

UN-Posten am Golan © Bild: APA/Wagenhofer

Einen Tag nach der verlorenen Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Qusair haben die syrischen Rebellen den einzigen Grenzposten zu den von Israel besetzten Golanhöhen erobert - mitten in der eigentlich von UNO-Truppen zu kontrollierenden Waffenstillstandszone. In Österreich tagt der Krisenstab des Verteidigungsministeriums, die heimischen Blauhelme sind laut einem Ministeriumssprecher in ihrem Bunkern.

Das "Bravo-Gate", der syrisch kontrollierte Teil des Grenzüberganges von der israelischen zur UNO-kontrollierten Seite der Golanhöhen, ist wieder in der Hand der syrischen Regierungstruppen. Das bestätigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Michel Bauer.

Österreicher in Bunkern

Österreichische Soldaten seien von den Kampfhandlungen keine betroffen, dennoch sei ein sogenannter Shelter-Alarm ausgelöst worden, die Blauhelme hätten sich in die Bunker zurückgezogen, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Michel Bauer der APA. Der Krisenstab des Verteidigungsministeriums sei einberufen worden, die Lage werde "minütlich" evaluiert, Verteidigungsminister Gerald Klug habe alle anderen Termine abgesagt.

Durch die Einnahme des Grenzpostens sind die syrischen Rebellen direkt an die Grenze zum von Israel besetzten Teil der Golanhöhen herangerückt - und sie bringen die dortige UNO-Mission in höchste Gefahr, haben sie doch damit die Kontrolle über das Eingangstor in das Einsatzgebiet der Blauhelme, durch das mittlerweile sämtliche Güter- und Truppentransporte erfolgen: Das von syrischen Regierungsbehörden kontrollierte "Bravo-Gate", das direkt am Rand von Quneitra liegt.

Mit der Rückeroberung des Grenzpostens ist die Versorgungslage der Blauhelme vorerst wieder gesichert, in der kommenden Woche ist eine größere "Rotation", ein teilweiser Austausch der österreichischen Soldaten geplant. Allerdings sind die Ereignisse vom Donnerstag ein weiterer Beleg für die andauernden heftigen Kämpfe zwischen syrischen Rebellen und regierungstreuen Einheiten in der Einsatzzone der UNO-Truppe, die eigentlich demilitarisiert sein sollte.

Dass die Blauhelme im Fall einer dauerhaften Übernahme des einzigen Grenzüberganges zu Israel "in der Falle" gesessen wären, verneinte Ministeriumssprecher Michael Bauer gegenüber der APA allerdings. Im Ernstfall gebe es auch "andere Varianten", erklärte Bauer, ohne aber darüber ins Detail gehen zu wollen.

Granateneinschläge

Im Zuge der Kampfhandlungen sind auch auf israelisch kontrollierter Seite einige Granaten eingeschlagen, darunter beim Logistik-Bataillon der UNO-Truppen im unmittelbar an der Waffenstillstandslinie gelegenen "Camp Ziouani", berichtete Ministeriumssprecher Bauer. Das Camp wird von indischen Blauhelmen betrieben, es halten sich aber auch einige Österreicher dort auf. Laut Bauer waren aber auch sie nicht in unmittelbarer Gefahr, es habe sich bei den Einschlägen auch um keinen gezielten Beschuss gehandelt.

Auch im Libanon sind nach Polizeiangaben erstmals Raketen aus Syrien in der Hisbollah-Hochburg Baalbek eingeschlagen. Wie die Sicherheitsbehörden am Donnerstag erklärten, wurden mindestens 18 Geschoße aus dem Nachbarland auf die Stadt in der grenznahen Bekaa-Ebene abgefeuert. Seit die schiitische Hisbollah-Miliz sich vor etwa zwei Wochen zu ihrem Kampfeinsatz an der Seite der Truppen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad bekannt hat, mehren sich die Raketenangriffe auf den Libanon.

Unterdessen sprach sich auch das BZÖ für einen Abzug der österreichischen Soldaten aus, sollte deren Sicherheit "massiv gefährdet" sein. "Österreich hat in Kampfeinsätzen zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen nichts verloren", sagte Parteichef Josef Bucher in einer Aussendung. Es gehe aber nicht darum, politische Ferndiagnosen abzugeben, sondern jetzt sei der Verteidigungsminister mit den Experten des Heeres gefordert, eine umfassende Lagebeurteilung zu erstellen und anhand der Fakten zu entscheiden.

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