UNO-Chef in Burmas Katastrophengebieten:
Ban Ki-Moon zeigt sich bei Besuch bestürzt

Generäle zeigen aber "Anzeichen von Flexibilität" Propaganda: Nur ordentliche Notunterkünfte gezeigt

UNO-Chef in Burmas Katastrophengebieten:
Ban Ki-Moon zeigt sich bei Besuch bestürzt © Bild: AP/Honda

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat bei Gesprächen über die Annahme internationaler Hilfe in Burma möglicherweise Fortschritte erzielt. Die Generäle hätten "Anzeichen von Flexibilität gezeigt", sagte Ban in Rangun vor Journalisten nach einem Treffen mit Ministerpräsident Thein Sein. Er hatte die Militärjunta aufgefordert, verstärkt internationale Unterstützung für die 2,5 Millionen Opfer ins Land zu lassen. Per Hubschrauber flog Ban auch in das vor drei Wochen vom Zyklon "Nargis" zerstörte Irawadi-(Irrawaddy)-Delta im Süden des Landes. Er zeigte sich bestürzt angesichts der Situation in der traditionell als Reiskammer Burmas geltenden Region.

Ban betonte nach Angaben aus UN-Kreisen, kein Land könne eine Katastrophe wie Zyklon "Nargis" allein meistern. Junta-Chef Thein Sein hingegen hätte gemeint, der Bergungs- und Rettungseinsatz der Regierung sei abgeschlossen, und man wende sich nun dem Wiederaufbau zu.

Zu Beginn seines Besuches hatte Ban jede Äußerung vermieden, die als direkter Druck auf die ihr Land auch in der Katastrophe isolierende Militärregierung aufgefasst werden könnte. "Die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft sind bereit, bei der Bewältigung dieser Katastrophe zu helfen", sagte er in der Shwedagon Pagode in Rangun, dem wichtigsten buddhistischen Heiligtum des Landes. "Ich hoffe, dass das burmesische Volk und die Regierung es schaffen, die Verteilung der Hilfsgüter besser zu organisieren und systematischer zu gestalten."

56.000 Menschen noch vermisst
Am Sonntag nimmt der UN-Generalsekretär an der gemeinsam von der UNO und den ASEAN-Staaten organisierten Geberkonferenz zur Koordinierung und Finanzierung der Hilfen für die Wirbelsturmopfer in Rangun teil. Bei dem Zyklon am 2. und 3. Mai kamen nach offizieller Zählung rund 78.000 Menschen ums Leben; rund 56.000 werden noch vermisst. Anders als in Kyondah haben Hilfsorganisationen zufolge viele Delta-Regionen nach wie vor nicht ausreichend Unterstützung erhalten. Nach Angaben des Roten Kreuzes treiben auch 20 Tage nach der Katastrophe noch Leichen in Flüssen und Seen in dem verwüsteten Gebiet.

Laut einem UN-Sprecher erreichte zumindest der erste von zehn Hubschraubern des Welternährungsprogramms Burma. Die Helikopter sollen Hilfsgüter von Rangun aus in die isolierten Gebiete bringen. Die burmesische Staatszeitung bekräftigte unterdessen, dass mehrere tausend Tonnen Hilfsgüter, die Frankreich und die USA mit Kriegsschiffen vor die Küste gebracht hatten, nicht entladen werden dürfen. Die Länder führten in Wirklichkeit "etwas anderes im Schilde als zu helfen".

Nur ordentliche Notunterkünfte zeigen
Nach Angaben von Exil-Burmesen haben die Behörden aus Anlass des Diplomatenbesuchs Zyklon-Opfer, die mangels Essen und Zelten am Straßenrand leben und betteln, in ihre zerstörten Dörfer zurückgezwungen. Sie wollten sicherstellen, dass nur ordentliche Notunterkünfte zu sehen seien, teilte die für gewöhnlich gut informierte "US-Kampagne für Burma" mit. In den Lagern hätten Mitglieder einer Massenorganisation des Militärs als Opfer des Wirbelsturms posiert. (apa/red)