Universitäts-Zugang: Oft verschiedene Zulassungsregeln für das gleiche Fach

In keiner Studienrichtung einheitliches Verfahren KLICKEN: Die Zugangs-Beschränkungen im Detail

Auch ein Jahr nach der Einführung von Platzbeschränkungen in acht Studienrichtungen gibt es an den österreichischen Unis keine einheitlichen Zulassungsregeln - selbst für das gleiche Fach variieren die Zulassungssysteme beträchtlich. Besonders deutlich zeigt sich das in der Medizin, wo sich die drei Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck auf kein gemeinsames Modell einigen konnten. Aber auch in den anderen Studienrichtungen ist man davon weit entfernt.

An den Medizin-Unis sind zwar jeweils 75 Prozent der Plätze für Personen mit österreichischem Maturazeugnis reserviert, 20 Prozent für EU-Ausländer und fünf Prozent für Inhaber von Reifeprüfungszeugnissen aus Nicht-EU-Staaten. Allerdings werden diese nach unterschiedlichen Systemen verteilt: Während in Wien und Innsbruck 1.140 Anfänger-Studienplätze einheitlich nach dem aus der Schweiz importierten Eignungstest für das Medizin-Studium (EMS) vergeben werden, müssen sich die Studienwerber in Graz einem "selbstgestrickten" Aufnahmeverfahren für 160 Anfänger-Studienplätze unterziehen. Während der EMS kein Wissenstest ist, sondern verschiedene relevante Studien-Fähigkeiten wie medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Umgang mit Zahlen, Einheiten und Formeln, Textverständnis etc. überprüft, wird in Graz vor allem das schulische Vorwissen aus den für die Medizin relevanten Bereichen der Biologie, Chemie, Physik und Mathematik abgefragt.

Unterschiedliches Wissen abgefragt
In der Psychologie gibt es ein ähnliches Bild: Zwar finden an den Unis Salzburg, Innsbruck und Graz am selben Tag (5. September) Aufnahmetests statt, um Doppelbewerbungen zu verhindern. Aber schon hier zeigen sich Unterschiede: Während in Salzburg (246 Anfänger-Studienplätze) und Innsbruck (400 Plätze) die gleiche Stoffabgrenzung gilt, wird in Graz (252 Plätze) generell "Schulwissen auf österreichischem Maturaniveau" abgefragt. Ganz anders ist wiederum die Situation in Wien und Klagenfurt: An diesen beiden Unis werden zunächst alle Studenten zugelassen. Die Studenten-Auswahl erfolgt in Wien (1.060 Plätze) mittels zweier Prüfungen in der Mitte des ersten Semesters, die Uni Klagenfurt (230) setzt auf ein Ranking nach einem Qualifizierungssemester. Wer es in Salzburg, Innsbruck oder Salzburg nicht schafft, kann also sein Glück noch einmal in Wien oder Klagenfurt versuchen.

Unterschiedliche Verfahren existieren auch in der Publizistik und Kommunikationswissenschaft: An der Uni Salzburg gibt es am 6. September eine schriftliche Zulassungsprüfung für 280 Plätze, bei der studienbezogene Basiskenntnisse anhand eines vorher ausgegebenen Skriptums, Textverständnis bzw. logisches Denken, Wissen zu Medien und Politik sowie Fremdsprachenkompetenz abgefragt werden. In Wien (900 Plätze) und Klagenfurt (150) werden dagegen alle Interessenten zugelassen und erst im Laufe des ersten Semesters selektiert.

Aufnahme und Selektion
In der Betriebswirtschaft gibt es in Innsbruck, Linz, Wien, Graz und Klagenfurt überhaupt keine Beschränkungen. An der WU wird nach den ersten zwei Semestern selektiert, allerdings ohne Platzbeschränkung.

Studienwerber für die Pharmazie müssen an der Uni Graz nach einem zweiwöchigen Einführungsblock eine Prüfung über pharmazierelevante Grundbegriffe der Chemie und Biologie ablegen. Vergeben werden 100 Studienplätze. In Wien (270 Plätze) und Innsbruck (98) werden dagegen alle Interessenten vorerst zugelassen, die Selektion erfolgt anhand der Studienleistungen im ersten Semester.

Etwas einheitlicher geht es in der Biologie zu: Sowohl in Graz (160 Plätze) als auch in Wien (480 Plätze in der Biologie, 190 in der molekularen Biologie) und Innsbruck (214) erfolgt eine Auswahl der Studenten anhand der Prüfungsergebnisse im ersten Semester. In Salzburg sind in den biologischen Fächern gar keine Beschränkungen geplant.

Wirklich homogen ist nur das Aufnahmeverfahren für die angehenden Tierärzte: Mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW, 284 Plätze) gibt es aber auch nur eine einzige Uni.
(apa/red)