UniCredit und Capitalia stehen vor Fusion: Wird Deal jetzt schon am Sonntag fixiert?

Größte Bank der Euro-Zone könnte nun entstehen

Die Aktien der italienischen Banken UniCredit und Capitalia sind für die gesamte Börse-Handelszeit ausgesetzt worden. Grund sei eine bevorstehende Erklärung der Unternehmen, teilte die Börse in Mailand mit. Es wird erwartet, dass die beiden Kreditinstitute bereits am Sonntag ihren 100 Mrd. Euro schweren Zusammenschluss bekannt geben werden: Damit entstünde die nach Marktkapitalisierung größte Bank der Euro-Zone und ein neuer Marktführer in Italien. In Europa wäre nur die in London ansässige HSBC größer.

UniCredit ist die Konzernmutter der österreichischen Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Wie aus Kreisen des Direktoriums der Capitalia verlautet, soll am Sonntag um 11.30 Uhr (MESZ) ein Treffen des Gremiums zum Thema UniCredit stattfinden. Unmittelbar zuvor soll den Informationen nach eine Gruppe von Capitalia-Aktionären, die fast ein Drittel der Bank kontrollieren, beraten. Laut informierten Kreisen wird das Board am Sonntag die Übernahme durch UniCredit absegnen. Auch das Board von UniCredit soll sich am Sonntag um 11 Uhr treffen. Danach sei eine Pressekonferenz geplant, berichtete die Zeitung "Corriere della Sera".

Bereits am Donnerstag wurden erste Details einer möglichen Einigung bekannt. UniCredit-Chef Alessandro Profumo solle die Bank leiten, hieß es aus Kreisen des Capitalia-Aktionärspakts. Der Vorsitzende des Capitalia-Führungsgremiums, Cesare Geronzi, werde nach der Fusion Stellvertreter werden.

Neue Mega-Bank in Italien
Neue Mega-Bank in Italien: Mit der geplanten Fusion der Bank Austria- und HVB-Mutter UniCredit (Mailand) und Capitalia (Rom) entsteht mit einem Börsenwert von 100 Mrd. Euro derzeit die zweitgrößte Bank Europas und die größte in Euroland. UniCredit-Chef Alessandro Profumo und Capitalia-Chef Cesare Geronzi trafen in Rom mit dem Präsidenten der italienischen Zentralbank Mario Draghi zusammen.

"Der Plan ist fertig", schrieb die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera". "Die neue Bank wird in Kürze aus der Taufe gehoben." Nach der britischen HSBC entsteht damit die zweitgrößte Bank Europas und der neue Marktführer in Italien. UniCredit ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 79 Mrd. Euro etwa vier mal so groß wie Capitalia. Erst im Sommer 2005 hatte UniCredit die Münchner HypoVereinsbank samt iher Tochter Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) übernommen. Die BA-CA gehört mittlerweile auch direkt fast zur Gänze den Italienern, der restliche Streubesitz wird gerade abgefunden. Dazu gibt es noch Streit mit den Kleinaktionären.

Chef der neuen Mega-Bank werde Profumo, hieß es weiter. Dieter Rampl von der HVB bleibe aller Voraussicht nach weiterhin Präsident. Der in Italien umstrittene Capitalia-Vorstandschef Geronzi müsse sich vermutlich mit einem Stellvertreter-Posten zufrieden geben.

Die Fusion solle durch einen Aktienaustausch realisiert werden, derzeit werde Capitalia an der Börse mit rund 20 Mrd. Euro bewertet. Das neue Geldinstitut würde zu den zehn größten Banken der Welt gehören.

Experten beziffern die Synergieeffekte durch die Übernahme auf 700 Millionen bis 1,2 Mrd. Euro.
(apa)