Unicredit steigt aus 3-Banken-Gruppe aus:
Heimische Banken bis Jahresende weg

Aktienpakete sind rund 800 Millionen Euro wert Finanzinvestoren aus In- und Ausland angesprochen

Unicredit steigt aus 3-Banken-Gruppe aus:
Heimische Banken bis Jahresende weg © Bild: EPA

Rund 800 Millionen Euro sind die Aktienpakete wert, die die italienische UniCredit an den börsenotierten Regionalbanken - der Linzer Oberbank, der Tiroler BTV (Bank für Tirol und Vorarlberg) und an der Kärntner BKS Bank AG - hält und die UniCredit-Konzernchef Alessandro Profumo nun zum Verkauf gestellt hat. UniCredit, die über die österreichische Bank Austria und deren Banken-Beteiligungsvehikel jeweils Sperrminoritäten hält, wird sich komplett aus den 3-Banken zurückziehen.

Nach Angaben der Vorstände der österreichischen 3-Banken-Gruppe dürften der Verkauf noch heuer, bis Jahresende 2008, abgeschlossen sein. Und er komme "nicht unerwartet", versicherten die Manager der drei betroffenen Institute unisono.

UniCredit-Chef Profumo hat die 3-Banken-Anteile offiziell zur Disposition gestellt. Diese Assets seien nicht Kerngeschäft, sagte er. Wie die drei Banken in abgestimmten ad-hoc-Nachrichten mitteilten, sollen nun sowohl strategische Investoren wie auch Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland angesprochen werden. Denkbar wäre auch eine Platzierung der Aktienpakete an der Börse.

Das Verhältnis der Regionalbanken zur Bank Austria war nicht immer friktionsfrei. Nach dem Verkauf der Bank Austria zunächst an die HVB und in der Folge an die UniCredit waren die 3-Banken wiederholt von Verkaufsgerüchten umgeben gewesen.

Ertragreiche Banken
Die Banken gelten als ertragsreich. Aus österreichischen Bankenkreisen war heute zu hören, dass der Gusto der Regionalbanken auf einen neuen strategischen Bankpartner derzeit eher gering sein dürfte. Die 3-Banken sind untereinander verflochten bzw. haben sich mit befreundeten privaten Investoren verbündet und syndiziert und suchten so seit Jahren unfreundliche Attacken abzuwehren. Dem Vernehmen nach ist intern die Suche nach weiteren befreundeten Investoren oder Stiftungen bereits eingeleitet worden.

Ein Mandat zur Käufersuche sei noch nicht erteilt, sagte UniCredit-Chef Profumo heute in einer Pressekonferenz in Wien. Kolportiert wird dafür die Deutsche Bank.

Schwierige Aktionärsverhältnisse
Auch der Gusto heimischer Großbanken, sich nur mit Minderheiten in einer anderweitig eng verflochtenen Gruppe zu binden, dürfte sich in Grenzen halten, wie gegenüber der APA verlautet. Regional wäre eine Verstärkung über eine Fusion mit einer starken Regionalbank zwar für viele reizvoll, wegen der Aktionärsverhältnisse bei den 3-Banken praktisch aber nicht machbar.

An der größten der Regionalbanken, der Linzer Oberbank, hält UniCredit knapp 33 Prozent. Die Marktkapitalisierung der Oberbank beträgt derzeit insgesamt rund 1,3 Mrd. Euro, was für den UniCredit-Anteil 400 Mio. Euro bedeutet.

Bei der BTV mit Sitz in Innsbruck (UniCredit-Anteil knapp 47 Prozent) liegt der Marktwert aktuell bei rund 560 Mio. Euro, was für den UniCredit-Einfluss 260 Mio. Euro bedeutet. Für die BKS Bank (Marktwert 520 Mio. Euro) wird der Anteil der UniCredit nach Börsewerten mit etwa 190 Mio. Euro beziffert.

Je nachdem welchen strategischen Ansatz ein neuer Investor wählt, könnte der Übernahmepreis durchaus rund hundert Millionen Euro über dem Kurswert liegen, wird im Markt spekuliert. Anderseits könnte natürlich von Käuferseite ein Abschlag für Minderheitsanteile ohne Durchgriff argumentiert werden.

Eigenständige Strategie nicht tangiert
Alls drei Regionalbanken hielten vorweg fest, dass durch den Wechsel im Aktionärskreis "die eigenständige Strategie" nicht tangiert werde. Oberbank-Chef Franz Gasselsberger: "Das Wichtigste ist, dass die Selbstständigkeit der Oberbank und der 3-Banken-Gruppe nicht berührt sind". Man sei ausdrücklich in den Abgabeprozess involviert.

Bei der Oberbank etwa hätten die Schwestern BKS und BTV sowie Wüstenrot Syndikatsverträge abgeschlossen. Andere Aktionäre wie die Generali oder die Belegschaftsaktionäre bekannten sich dazu, ihre Anteile dauerhaft zu halten.

BTV-Chef Peter Gaugg ist von den Verkaufsüberlegungen der UniCredit "nicht überrascht, sie treffen uns nicht unvorbereitet". Auch BKS-Chef Heimo Penker ist nicht überrascht: "Wir sind als börsenotiertes Unternehmen gewohnt, auf alle denkmöglichen Rahmenbedingungen vorbereitet zu sein."

Die 3-Banken-Gruppe beschäftigte 2007 zum Ultimo 3.531 Mitarbeiter. Die addierte Bilanzsumme lag über 28 Mrd. Euro. Gut die Hälfte davon macht die Oberbank, die auch am stärksten im Ausland expandiert hat.

(apa/red)