Uni-Reform à la Österreich in Frankreich: Mehr Autonomie & Anbindung an Wirtschaft

Reform soll staatliche Unis konkurrenzfähiger machen Kritiker befürchten Verschärfung der Ungleichheit

An zahlreichen Universitäten Frankreichs finden Streiks und Blockaden statt. Anlass ist das am 1. August 2007 beschlossene Universitätsreformgesetz, das der österreichischen Universitätsreform von 2002 ähnelt.

Die von Wissenschaftsministerin Valerie Pecresse ausgearbeitete Reform soll Frankreichs 85 staatliche Universitäten wettbewerbsfähiger machen. Dazu sollen diese mehr Autonomie erhalten, von einer effizienteren Hochschulleitung profitieren und sich Partnern aus der Wirtschaft öffnen.

Zwei-Klassen-Hochschullandschaft
Die öffentlichen französischen Universitäten ziehen gegenüber den Elitehochschulen "Grandes Ecoles" oft den Kürzeren - sie haben zu viele Studienabbrecher und Absolventen sind schwer vermittelbar. Im ersten Studienjahr hören 50 Prozent auf, insgesamt brechen 90.000 der 1,4 Mio. Studenten ihr Studium pro Jahr ab, so das französische Wissenschaftsministerium. Die, die ihr Studium zu Ende bringen, scheinen nicht die besten Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt mitzubringen: 53 Prozent von ihnen sind nach einem Jahr noch immer arbeitslos.

Stärkere Anbindung an die Wirtschaft
Das soll sich nun ändern. Bis Februar 2008 sind die Universitäten verpflichtet, Vermittlungs-Büros für ihre Absolventen - nach dem Vorbild vieler "Grandes Ecoles" - einzurichten. Sie sollen eine Brücke zum Arbeitsmarkt bilden. Auch über Stiftungsmodelle soll die Anbindung der Universitäten an die Wirtschaft gefördert werden.

Kritiker meinen, hier könnten vor allem Standorte in wirtschaftlich eher strukturschwachen Gebieten benachteiligt werden. Sie wenden auch ein, dass die ohnehin schon bestehenden Qualitätsunterschiede zwischen den Universitäten durch die Reform verschärft werden, weshalb die Studenten ihre Chancengleichheit gefährdet sehen. Zudem wird befürchtet, dass sich der Staat aus der Finanzierung weitgehend privat geführter Universitäten zurückziehen könnte.

Effizientere, autonomere Leitung
Ein weiterer Punkt des neuen Gesetzes zielt auf eine effizientere Hochschulleitung ab. Dazu werden die Entscheidungsinstanzen der Universitäten neu ausgerichtet. Der bisher bis zu 60 Mitglieder große Verwaltungsrat wird auf 20 bis 30 Personen gestrafft, repräsentiert alle Gruppen der Universität und öffnet sich bis zu acht Mitgliedern aus Wirtschaft und Gebietskörperschaften. In den Bereichen Personal und Finanzen sollen die Universitäten weitgehend autonom werden.

Keine Zugangsbeschränkungen
Keine Änderungen gibt es beim Uni-Zugang. Im Unterschied zu den "Grandes Ecoles" gilt bei den staatlichen Unis der freie Hochschulzugang. Schon im Vorfeld des Gesetzesbeschlusses hatte die Regierung von ihrem Vorhaben, den Zugang zu beschränken, Abstand genommen.

(apa/red)