Unglück bei Kreuzfahrt von

Noch mehr Todesopfer

Suche nach 15 Vermissten geht weiter. Drei Menschen lebend geborgen.

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    Schiffsunglück

    Die Suche nach Vermissten in dem Wrack der "Costa Concordia" ist am Sonntag unterbrochen worden. Ein Sturm und hohe Wellen machen den Einsatzkräften zu schaffen. Nun wird weiter gesucht.

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    Schiffsunglück

    Jetzt kommt es knüppeldick für die US-Eignerfirma der "Costa Concordia": Passagiere fordern Schadenersatz in der Höhe von 460 Mio. Dollar.

Nach der schweren Havarie des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" vor der Küste der Toskana, ist die Zahl der Todesopfer weiter gestiegen. Im Wrack des Kreuzfahrtschiffes, das am Freitagabend vor der Insel Giglio auf Grund gelaufen war, entdeckten Taucher die Leichen zweier älterer Männer. Die Opfer, die Schwimmwesten trugen, wurden im hinteren Teil des Schiffes gefunden. Damit stieg die Zahl der verifizierten Todesopfer auf fünf. Spezialisten fürchten indessen eine Ölpest infolge leckgeschlagener Schiffstanks.

Bei den beiden zuletzt aus dem vor Italien havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" geborgenen Toten handelt es sich Medienberichten zufolge um einen Italiener und einen Spanier. Das meldete die italienische Nachrichtenagentur ANSA unter Berufung auf "informierte Kreise". Die beiden toten Männer seien in ein Krankenhaus der Stadt Grosseto gebracht worden.

Am Samstag waren bereits die Leichen von zwei französischen Touristen und von einem peruanischen Matrosen geborgen worden. 15 Vermisste werden noch gesucht. Zu ihnen zählen zwei Amerikaner und ein 84-jähriger Italiener. Die Zahl der Todesopfer des Kreuzfahrtsunglücks vor der Küste der Toskana könnte deshalb noch steigen, warnte der Oberstaatsanwalt der toskanischen Stadt Grosseto, Francesco Verusio.

Drei Überlebende geborgen
Die Rettungskräfte hatten am Sonntag drei Überlebende geborgen. Die Feuerwehr konnte in der Nacht auf Sonntag ein südkoreanisches Ehepaar aus dem auf der Seite liegenden Schiff holen. Das Paar auf Hochzeitsreise sei mitgenommen, aber wohlauf, berichteten italienische Medien. Ein italienischer Bordoffizier mit gebrochenem Bein wurde ebenfalls gerettet. An Bord der "Costa Concordia" waren auch 77 Österreicher, die laut Außenministerium alle wohlauf sind.

Schiff droht vollständig zu sinken
Die Feuerwehr versuchte, jede Kabine des Luxusliners zu erreichen. Ein Sprecher der Küstenwache sprach jedoch von einer "riskanten Operation". Das Schiff befinde sich derzeit an einer 30 Meter tiefen Stelle, könne aber in tieferes Gewässer abrutschen und vollständig sinken, sagte er. Außerdem hätten sich die Bedingungen auf See verschlechtert.

Ölpest wird gefürchtet
Nach der Schiffskatastrophe bereiten Spezialisten ein Leerpumpen der Öltanks der "Costa Concordia" vor. Die niederländische Bergungsfirma Smit sei vom Eigner und dem Versicherer des Kreuzfahrtschiffs mit den Pumparbeiten beauftragt worden, sagte ein Sprecher des Smit-Mutterkonzerns Boskalis Westminster. Nach der Katastrophe wird auch eine Ölpest infolge leckgeschlagener Schiffstanks befürchtet. Bisher seien aber keine solchen Lecks bekannt, sagte der Boskalis-Sprecher. Smit, einer der weltweit größten Schiffsbergungsspezialisten, war unter anderem an der Hebung des verunglückten russischen Atom-U-Boots "Kursk" 2001 und der Bergung der im Ärmelkanal gesunkenen Fähre "Herald of Free Enterprise" 1987 beteiligt.

Kapitän und Erster Offizier festgenommen
Kapitän Francesco Schettino und sein Erster Offizier, Ciro Ambrosio, wurden wegen Fluchtgefahr festgenommen. Beiden wird schweres Fehlverhalten vorgeworfen. Sie hätten das Schiff lange vor Abschluss der Evakuierungsaktion verlassen, sagte Staatsanwalt Verusio. Nach einigen Berichten war Schettino schon fünf Stunden vor Ende der Evakuierungsaktion an Land. Der Kapitän behauptete jedoch, er habe als letzter das Schiff verlassen.

Verusio berichtete, dass das Schiff lediglich 150 Meter von der Küste der Insel Giglio entfernt war, als es auf Grund lief. "Der Meeresboden ist dort voll mit Steinen und Felsen. Für ein Kreuzfahrtschiff ist es dort sehr gefährlich", so Verusio. Er wolle feststellen, ob der verhaftete Kapitän aus Fahrlässigkeit so nahe an die Inselküste gefahren sei. Das Schiff sei nicht gesunken, weil das Meer an dieser Stelle nur 37 Meter tief sei. Das Schiff habe sich stark geneigt.

Kapitän spricht von fehlerhafter Seekarte
Der Kapitän machte eine fehlerhafte Seekarte für das Unglück verantwortlich. Mit Hilfe der Blackbox des Schiffes soll die genaue Route der "Costa Concordia" festgestellt werden. Schettino beteuerte seine Schuldlosigkeit. "Der Kapitän hat mit Bravour gehandelt und dafür gesorgt, dass viele Menschenleben gerettet werden konnten", sagte sein Rechtsanwalt Bruno Leporatti. Sein Mandant sei wegen der Todesopfer an Bord seines Schiffes erschüttert. Die Festnahme sei unbegründet. Der Kapitän habe bisher volle Kooperationsbereitschaft mit den Behörden gezeigt.

Gefahr von Umweltschäden
Experten warnten indes vor der Gefahr von Umweltschäden. Im Schiff befänden sich noch große Mengen Treibstoff. "Es wird bis zu zwei Wochen dauern, diesen aus dem Schiff zu entfernen", warnte ein niederländischer Experte nach Angaben italienischer Medien. Der italienische Umweltminister Corrado Clini meinte, nach dem Unglück müsse man die Routen der Kreuzfahrtschiffe überdenken. Man dürfe nicht mehr zulassen, dass riesige Schiffe sich Mittelmeerperlen wie der Insel Giglio nähern.

Das Schiff war am späten Freitagabend mit mehr als 4.200 Menschen an Bord in ruhiger See aufgelaufen. Wenig später kippte es zur Seite, ein langer Riss war zu erkennen. Bei der Evakuierung spielten sich nach Angaben von Passagieren chaotische Szenen ab. Mindestens 60 Personen wurden verletzt.

Entzug der Schifffahrtslizenz gefordert
Der italienische Konsumentenschutzverband Codacons forderte die Suspendierung bzw. den Entzug der Schifffahrtslizenz der italienischen Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere, Betreiber der Costa Concordia. "Abgesehen vom menschlichen Fehler, der für die Katastrophe verantwortlich sein könnte, gibt es besorgniserregende Berichte über schwere Mängel bei den Sicherheitsvorkehrungen und über Verspätungen beim Hilferuf", sagte Codacons-Präsident Carlo Rienzi nach Angaben italienischer Medien. Die Bedingungen für einen Lizenzentzug seien vorhanden.


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