Ungewisse Zukunft des BZÖ und der FPÖ:
Mölzer und Höbelt über die Ära nach Haider

Angesichts der Tragödie solle man nun kooperieren Stefan Petzner reagierte verhalten auf das Angebot

Ungewisse Zukunft des BZÖ und der FPÖ:
Mölzer und Höbelt über die Ära nach Haider © Bild: APA/Helmut Fohringer

Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, langjähriger Weggefährte Jörg Haiders, hat eine Wiedervereinigung von BZÖ und FPÖ als konkrete Konsequenz des plötzlichen Todes des BZÖ-Obmanns und Kärntner Landeshauptmanns in den Raum gestellt. Es sei nun an allen, "die wir glauben, freiheitlich eingestellt zu sein", sich zu überlegen, was denn das Vermächtnis Haiders sei - "und ob eine Kooperation, wie auch immer, das Vermächtnis sein könnte", sagte er in der Sonderausgabe der "Zeit im Bild" im ORF.

"Angesichts dieser Tragödie, die sich heute Nacht abgespielt hat, sind alle diese Höhen und Tiefen der innenpolitischen Beziehungen auch in einer Gesinnungsgemeinschaft sekundär", sagte Mölzer, der einst als Chefideologe der FPÖ galt. Er sei "sehr froh, dass es zwei, drei Tage vor dieser Tragödie wenigstens noch ein versöhnliches Gespräch" gegeben habe zwischen Haider und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Zum Zeitpunkt dieses Treffens sei er noch davon ausgegangen, dass es sich hier um die Normalisierung des Verhältnisses zweier Parteien gehandelt habe und eine allfällige Wiedervereinigung oder ein Modell a la CDU/CDU vom Tisch sei. "Angesichts dieser Tragödie sehe ich das jetzt doch anders."

Haider als Volkstribun
Mölzer würdigte Haider "als einer der wenigen vom Zuschnitt eines Volkstribuns", der ein Gespür für die Sorgen und Nöte der Bevölkerung gehabt und zu den prägendsten Politikern der Zweiten Republik gehört habe.

BZÖ-Generalsekretär Stefan Petzner sagte in der "ZiB" zu Mölzers Vorstoß, die Frage nach einer Kooperation oder Wiedervereinigung sei eine, die er zum derzeitigen Zeitpunkt "weder beantworten kann noch will". Er selbst werde auch in Zukunft "dort sein, wo mich meine politischen Freunde haben wollen und brauchen".

BZÖ keine eigenständige Kraft
Der FP-nahe Historiker Lothar Höbelt sieht im BZÖ derzeit keinen logischen Nachfolger für den tödlich verunglückten Parteichef Jörg Haider. Dass das BZÖ ohne Haider als eigenständige Kraft erhalten bleibt, bezweifelt Höbelt. "Wenn FPÖ und ÖVP rational agieren, sehe ich auf lange Sicht nicht unbedingt eine Nische für das BZÖ", betont der Historiker. Mit einer Mitte-Rechts-Koalition könnten sich FPÖ und ÖVP das Wählerpotenzial des BZÖ teilen, glaubt Höbelt - "wenn die ÖVP rot-schwarz macht, überlässt sie den Kuchen eigentlich der FPÖ".

Als historische Leistung Haiders sieht Höbelt - neben dessen "Katalysatorenwirkung" beim Abbau der Verstaatlichten und der Belebung der politischen Landschaft - seine Vorreiterrolle für die Entwicklung der rechtspopulistischen Parteien in Europa. Haider habe es geschafft, den "Protest von Rechts" mit neoliberalen Strömungen a la Thatcher und Reagan zu kombinieren. Das Ausländerthema sei eigentlich erst dazu gekommen, als die FPÖ in den 90er Jahren schon zur Mittelpartei aufgestiegen war.
(apa/red)