Ungebrochener Zustrom in Taizé: Frère Roger wurde vor einem Jahr erstochen

Gottesdienst zum Jahrestag des Ordensgründers Mutmaßliche Täterin sitzt noch in Untersuchungshaft

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod von Frere Roger, dem Gründer der ökumenischen Ordensgemeinschaft von Taize im französischen Burgund, ist der Zustrom vor allem Jugendlicher ungebrochen. Der Nachfolger von Frere Roger und neue Prior der Gemeinschaft, Bruder Alois aus Deutschland, erklärte, dass sich die Zahl der Pilger sogar noch vergrößert habe. Angesprochen auf das zu Silvester stattfindende europäische Jugendtreffen in Zagreb sagte er, dass dieses ein Beitrag zum Zusammenwachsen Europas sein soll. Es ist das erste große internationale Jugendtreffen in Kroatien.

Frere Roger war vor genau einem Jahr, am 16. August, während des Abendgebets von einer offensichtlich verwirrten Rumänin erstochen worden. Die Frau sitzt nach wie vor im Frauengefängnis von Dijon in Untersuchungshaft, der Prozess gegen sie hat noch nicht begonnen. Für den Jahrestag des Mordes, ist ein einfacher Gedenkgottesdienst für Frere Roger in der Kirche der Brüdergemeinschaft vorgesehen. Daran teilnehmen werden auch die rund 5.000 Gäste aus über 70 Ländern, die derzeit zu den Jugendtreffen in Taize sind.

Insgesamt kommen jährlich im Schnitt rund 100.000 Pilger nach Taize, knapp 1.000 davon aus Österreich. Etwa 85 Prozent von ihnen sind Jugendliche - und für diese ist Taize auch gedacht. Während es bei Jugendlichen keine Abweisungen gibt, können bei den Erwachsenen Ansuchen auf einen einwöchigen Aufenthalt nicht zur Gänze angenommen werden.

Die Gemeinschaft wurde 1940 gegründet und zählt mittlerweile gut 100 Brüder. Einer von ihnen ist Österreicher, Frere Hans aus der Steiermark. Einmal im Jahr tritt der so genannte Brüderrat zusammen. Bei dieser traditionell im Jänner stattfindenden Vollversammlung werden die Aufgaben des anstehenden Jahres erörtert. In der Gemeinschaft wird betont, dass es sich dabei um "kein Parlament der Brüder" handle, sondern um eine Art "Einkehrtag", wo es darum gehe, das gegenseitige Vertrauen zu erneuern. (apa/red)