EM 2016 von

Ungarn setzen gegen Österreich auf Defensivqualitäten

Bernd Storck und seine Ungarn wollen Österreich ein Bein stellen © Bild: AFP

Das ungarische Fußball-Nationalteam gefällt sich in der Rolle des Außenseiters. Der Nachbar will Österreich zum EM-Auftakt am Dienstag (18.00 Uhr/live ORF eins) ein Bein stellen. Die Ungarn sind erstmals seit 1986 bei einem Großereignis vertreten. Dort bauen sie vor allem auf ihre solide Defensive. Das ÖFB-Team erwartet in Bordeaux aller Voraussicht nach ein Abwehrwall.

"Ich weiß, was die österreichische Mannschaft kann. Wir werden aber auf sie vorbereitet sein", versicherte Ungarns Teamchef Bernd Storck. Das ÖFB-Team sei nicht zuletzt ob der Qualität der Einzelspieler und deren internationaler Erfahrung der klare Favorit. "Wir wollen ihnen das Leben aber so schwer wie möglich machen."

Die Österreicher könnten sich auf ein Geduldspiel einstellen müssen. Die Ungarn verteidigen gerne tief und lauern auf Konter. In der Offensive ruht die Hoffnung auf Standardsituationen - und Kapitäns Balazs Dzsudzsak. Der Flügelspieler des türkischen Erstligisten Bursaspor ist mit seinem starken linken Fuß auch bei Freistößen brandgefährlich.

"Wir wissen, wie wir spielen werden", erklärte Storck. Der Deutsche, erst seit dem Vorsommer neben seinem Amt als Sportdirektor auch Cheftrainer der Ungarn, muss allerdings möglicherweise auf seinen Linksverteidiger Tamas Kadar verzichten. Der 26-Jährige von Lech Posen zog sich am Sonntagabend im Training eine Knöchelverletzung zu.

An der Herangehensweise der Magyaren wird das aber wenig ändern. "Wir haben unsere Philosophie, und die werden wir umsetzen", sagte Storck. Es ist keine, die auf das Diktieren des Spielgeschehens abzielt. In ihrer EM-Qualifikationsgruppe, die sie hinter Nordirland und Rumänien auf Platz drei abschlossen, erzielten die Ungarn in zehn Spielen nur elf Tore, kassierten allerdings auch nur neun.

Mit mehr als einem Treffer Unterschied haben die Ungarn seit fast drei Jahren lediglich ein Spiel verloren - ihre EM-Generalprobe vor etwas mehr als einer Woche gegen Deutschland (0:2). Da kam das Storck-Team aber von zwei Trainingslagern in Österreich, in denen viel im körperlichen Bereich gearbeitet wurde. "Es war klar, dass wir da müde sind", meinte der Teamchef.

Auch von Österreichs zuletzt nicht sehr überzeugenden Testspiel-Auftritten gegen Malta (2:1) und die Niederlande (0:2) lässt er sich nicht blenden. "Sie haben eine tolle Qualifikation gespielt, Marcel Koller hat eine super Arbeit geleistet", betonte Storck. "In den Vorbereitungsspielen wurde auch viel getestet, deswegen bewerte ich das nicht über."

Der Respekt vor den Österreichern ist groß. "Sie haben viele sehr starke Spieler", sagte Adam Nagy, Ungarns Hoffnungsträger im defensiven Mittelfeld. Der 20-Jährige von Meister Ferencvaros Budapest könnte die EM als Sprungbrett für eine große Karriere nützen. "Ich will mit dem Team erfolgreich sein, das ist mein oberstes Ziel. Wenn wir das schaffen, wird es auch Angebote aus dem Ausland geben."

Eine lange Auslandskarriere bereits hinter sich hat Torhüter Gabor Kiraly. Der 40-Jährige avanciert mit einem Einsatz gegen Österreich zum ältesten EM-Spieler der Geschichte. Von seinen drei bisherigen Länderspielen gegen das ÖFB-Team hat er noch keines verloren. "Das ist eine schöne Geschichte", sagte der Routinier. "Aber das ist ein ganz anderes Team jetzt."

Kiraly freut sich im Spätherbst seiner Karriere auf das erste große Turnier. "Nach 44 Jahren wieder bei einer EM zu spielen, ist speziell." 1972 waren die Ungarn zuletzt bei einer solchen vertreten. Dass es nun ausgerechnet gegen den alten Rivalen Österreich geht, passt ins Bild. Kein Länderspiel-Duell in Europa ist öfter ausgetragen worden. Kiraly: "Österreich ist schon ein spezieller Gegner."