Ungarn von

Orbans „FC Gernegroß“

Heimatort des Premiers Felcsut - Kleines Dorf mit viel Geld und großem Stadion

Fußballverein Felcsut aus ÄUngarn. Premier Orban udn Sepp Blatter zu Gast. © Bild: Getty/AFP/ FERENC ISZA

Felcsut ist ein kleiner Ort nahe Budapest mit 1.800 Einwohnern. Bald soll es ein schmuckes Stadion bekommen, das knapp doppelt so viele Zuschauer fassen wird, wie hier wohnen. Der Grund ist leicht erklärt: Felcsut ist das Heimatdorf des ungarischen Premiers Viktor Orban.

Dem berühmten Sohn ist es auch zu verdanken, dass der Ort seit 2009 eine Fußball-Akademie hat, benannt nach der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas. Acht Spielfelder hat die Akademie, nebst Wohnheim, Oberschule, Gesundheitszentrum. All das gleich neben dem weiß getünchten Landsitz von Orban, einem schmuck renovierten alten Bauernhaus.

Vor dessen Haustür wird nun auch das Fußballstadion gebaut. Rund 3,5 Mrd. Forint (11,71 Mio. Euro) soll das Projekt verschlingen, 3.500 Zuschauern Platz bieten, kurz vor den anstehenden Parlamentswahlen im März 2014 übergeben werden. Im Juli 2014 sollen im neuen Stadion Spiele der Endrunde der U-19-Europameisterschaft stattfinden.

Geldverschwendung Orbans?

Ein großes Schild vor dem Baugelände gibt bekannt: "Hier entsteht das Makovecz-Stadion". Die Pläne stammen nämlich noch von dem inzwischen verstorbenen ungarischen Stararchitekten Imre Makovecz (1935 - 2011 ). Dazu findet sich folgender Nachsatz: "Aus Privatspenden, ohne staatliche Unterstützung". Dabei hatte das nationalkonservative Orban-Kabinett mit dem ersten Spatenstich kurzerhand das Steuergesetz so modifiziert, dass Unternehmen ihre Sportförderung für "spektakuläre Teamsportarten" bis zu 70 Prozent von der Unternehmenssteuer absetzen können.


Der Premier verschwendet öffentliche Gelder, kritisierte daher die Opposition. Denn diese Privatspenden seien nichts anderes. Auch die Europäische Union meldete sich: Solche Geldgaben dürfen nur für Kinder-, Jugend- und Amateursport verwendet werden.

Privatmannschaft des Premiers

Dabei führte der Weg des Fußballvereins FC Felcsut unter dem Namen "Ferenc Puskas Akademia", gepflastert mit Sponsorengeldern von staatlichen und regierungsnahen Unternehmen (OTP-Bank, Erdölkonzern MOL, Handelskette CBA), in diesem Jahr sogar in die höchste Spielklasse. Gegner sind damit ungarische Traditionsclubs wie Ferencvaros, Nonved, Ujpest und MTK Budapest sowie Videoton Szekesfehervar oder Haladas Szombathely.

Medien bezeichnen den FC etwas belustigt als Privatmannschaft des Premiers, der als fußballbegeisterter Politiker gilt, und das Stadion als seinen neuen "Spielplatz". Mit den nötigen Mitteln konnte der Verein ausländische Spieler einkaufen, etwa aus Brasilien und Portugal. Hinsichtlich staatlicher Sportfördergelder steht er seit zwei Jahren auf Platz eins in Ungarn.

Der „FC Gernegroß“

Der Kommunikationsdirektor der Puskas-Akademie, György Szöllösi, zeigt stolz die Anlage. Baumaschinen rattern, Kräne ragen hoch in die Luft. Üppige Zuwendungen machen es möglich. Das Geld für den Fußball sei verschwendet, da kein ungarischer Club in irgendeinem internationalen Wettbewerb groß mitmische, lautet die Kritik der oppositionellen Sozialisten.

Verwiesen wird auf Erfolgssportarten, wie den Nationalsport Wasserball, wo das Geld besser angelegt sei. Diese Sportart steht seit Jahrzehnten an der Weltspitze, erhielt zuletzt nicht einmal ein Zehntel der beantragten Fördergelder, wird bemängelt. Der FC Felcsut habe hingegen die Mittel sich angesichts des Geldregens sogar Ballkünstler und Teammanager aus dem Ausland zu kaufen. Davon könnten andere Mannschaften nur träumen. Selbst die Nationalmannschaft und die Erste Liga erhalten im Vergleich nur bescheidene Zuwendungen, schreiben Zeitungen. Der Pester Lloyd bezeichnete den Fußballklub von Felcsut einmal als "FC Gernegroß"...

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