Unfälle haben Hochsaison in der Reisezeit:
Immer mehr enden im Spital statt am Strand

ÖAMTC: Ständige Steigerung bei Rückholungen Trend geht zum risikoreichem Abenteuer-Tourismus

Im Sommer sind nicht nur in Hotels die Betten voll belegt - auch in Krankenhäusern und Ambulanzen. Reisezeit ist Unfall-Hochsaison: Jedes Jahr müssen mehr und mehr Verletzte und Erkrankte betreut oder aus Urlaubsländern nach Österreich heimgeholt werden, berichtete Michael Tagunoff, Leiter der Schutzbrief-Nothilfe des ÖAMTC, österreichischen Journalisten in Zagreb. "Zum einen hat sich das Reiseverhalten geändert und zum anderen werden Urlauber auch zunehmend leichtsinnig", erklärte er.

Der Club-Experte sieht einen Trend weg vom "wohlbehüteten All-Inklusive-Urlaub" hin zum risikoreicheren Abenteuer-Tourismus. Bis zu 100 Action-Urlauber seien 2006 vom ÖAMTC betreut worden. Zudem würden Fahrten immer öfter unvorbereitet angetreten. Auch die Altersstruktur der Reisenden habe sich geändert: "Sie werden immer älter und reisen immer weiter", erläuterte Tagunoff.

Im Vorjahr wurden von dem Autofahrerclub 1.520 Österreicher aus dem Urlaub zurück in die Alpenrepublik transportiert. Mitte der achtiger Jahre waren es noch rund 350. Etwa ein Viertel der Notrufe gehe in den Haupt-Reisemonaten Juli und August ein, sagte Tagunoff. An Spitzentagen seien es 800. "Manchmal habe ich da das Gefühl, wir sind in einer Raumstation - es blinkt und klingelt überall", erzählte ein Mitarbeiter der ÖAMTC- und ADAC-Notrufstation in Zagreb - eine von 16 derartigen Telefon-Zentralen des österreichischen Clubs europaweit, mit denen in Not Geratene Kontakt aufnehmen.

Die meisten verunglücken im liebsten Urlaubsland der Österreicher, Italien, gefolgt von Deutschland, Kroatien und Spanien. Diagnostiziert werden am häufigsten Verletzungen, Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Probleme. In vielen Fällen ist ein Verkehrsunfall die Ursache. Ist der Ambulanzjet im Einsatz, wird es zudem empfindlich teuer: Im Schnitt kostet eine solche Rückholung pro Patient 10.600 Euro.

Psychische Probleme
Immer häufiger müssen Österreicher wegen psychischer Probleme heimgeholt werden - so etwa eine 19-jährige Kärntnerin, die in Irland ein Praktikum absolviert hat. Heimweh machte der jungen Frau derart zu schaffen, dass sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, dort jegliche Nahrung verweigerte und schließlich in die Heimat gebracht werden musste. Jugendliche seien eine besonders gefährdete Risikogruppe, ergänzte Tagunoff. Denn auf feucht-fröhlichen Maturareisen verletzen sich besonders viele.

"Es gibt fast nichts, was Urlaubern nicht passiert", erzählte der ÖAMTC-Experte. "Sie bitten um Hilfe, wenn ihnen in der Wüste der Sprit ausgeht, sie von einem Hund gebissen werden, vom Kamel fallen oder das Kind auf der Raststation vergessen haben." Sogar Ersatzteile für ein in Moskau liegen gebliebenes Auto eines Österreichers wurden vom Club schon nach Russland verschickt.

Neben glimpflich verlaufenden Fällen kommen viele Reisende aber auch schwer verletzt aus dem Ausland zurück: So musste eine fünfköpfige Familie nach einem Verkehrsunfall in Belgrad mit dem Ambulanzjet zurück nach Oberösterreich gebracht werden. Die rasche Überstellung eines 46-jährigen Niederösterreichers, den in der Ukraine eine Giftschlange gebissen hatte, rettete seinen Arm. Schnell handeln musste der ÖAMTC auch im Fall eines Burgenländers: Während eines Segeltörns wurde eine Netzhautablösung diagnostiziert - der 58-Jährige wurde schließlich im Wiener AKH notoperiert.

(apa/red)