Unaufmerksamkeit oft Schuld an Unfällen: Hauptursache noch vor Rasen und Alkohol

Bei 36% aller Unfälle war der Fahrer abgelenkt Schlecht: Störende Nebentätigkeiten und Gespräche

Unaufmerksamkeit oft Schuld an Unfällen: Hauptursache noch vor Rasen und Alkohol

Nicht Alkohol und auch nicht Risikobereitschaft, sondern Unaufmerksamkeit ist die Hauptursache von Verkehrsunfällen. Das haben Psychologen des Instituts Freie Fahrt durch 2.128 persönliche Interviews herausgefunden. 852 Unfälle - von leichtem Blech- bis schwerem Personenschaden – wurden damit vertiefend analysiert. In 36 Prozent aller Fälle "kracht" es deshalb, weil die Lenker mit ihren Gedanken woanders waren.

14 Prozent aller Unfälle sind laut der Analyse auf Schnellfahren zurückzuführen, zehn Prozent auf zu geringen Sicherheitsabstand. Überraschend sei, dass nicht in erster Linie negative Emotionen wie Aggression, Risikofreudigkeit oder Angeberei zu Unfällen führen, berichtete das Institut.

Ursachen der Unaufmerksamkeit
Als Ursache für Unaufmerksamkeit wurden ablenkende Gedanken (17 Prozent aller Unfälle), Gespräche mit Beifahrern (4,6 Prozent), Telefonieren (4,3 Prozent) und Nebentätigkeiten (3,9 Prozent) eruiert. Insgesamt waren 42 Prozent aller Unfälle primär durch psychische Zustände verursacht, in denen die Lenker nicht im emotionalen Gleichgewicht waren, etwa durch starken Stress, Ärger, Traurigkeit, Sorgen und Problemen. "Verkehrssicherheit ist somit auch Emotionsmanagement", folgern die Psychologen.

Alkohol nicht das Hauptproblem
"Verkehrsunfälle sind nicht nur Angelegenheit von Randgruppen mit hoher Risikobereitschaft, sondern der potenzielle Unfalllenker lauert in jedem von uns - einfach wenn man unaufmerksam ist", erklärte Studienleiter Gregor Bartl. Auffallend sei, dass viele österreichische Autofahrer glaubten, 29 Prozent aller Unfalllenker seien alkoholisiert. In Wahrheit sind es aber nur sechs Prozent. "Einseitige Verkehrssicherheitskampagnen für Randthemen lenken von den wesentlichen Unfallursachen ab", konstatiert das Institut. "Unaufmerksamkeit ist im österreichischen Verkehrssicherheitsprogramm noch nicht einmal erwähnt."

Umdenken erforderlich
"Wir dürfen Alkohol und aggressives Rasen nicht verharmlosen. Aber in Zukunft müssen wird in der Fahrausbildung, der Öffentlichkeitsarbeit und auch bei der Straßenraumgestaltung das Thema Unaufmerksamkeit und richtiges Stressmanagement berücksichtigen", sagte der Leiter der Bundesanstalt für Verkehr Gerald Pöllmann. (apa/red)

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