UN-Gesandter um Junta-Treffen bemüht:
Lage in Rangun derzeit wieder entspannt

Die NLD um Suu Kyi zeigt sich wenig optimistisch Burmesische Behörden: Ausland Schuld an der Krise

UN-Gesandter um Junta-Treffen bemüht:
Lage in Rangun derzeit wieder entspannt

Nach seiner überraschenden Zusammenkunft mit der unter Hausarrest stehenden Symbolfigur der burmesischen Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, hat sich der stellvertretende UNO-Generalsekretär Ibrahim Gambari um Gespräche mit der herrschenden Militärjunta bemüht. Staatschef Generalissimus Than Shwe werde den Nigerianer in der neuen Hauptstadt Naypyidaw empfangen, verlautete aus Diplomatenkreisen.

Der Sondergesandte der Vereinten Nationen hatte schon auf ein Treffen gehofft, wurde aber stattdessen zu einem Seminar über die Beziehungen der EU zu Südostasien gebracht.

Behörden: Ausland für Krise verantwortlich
Während des Besuchs von Gambari in der Metropole Rangun wurden dort etwa 20.000 Soldaten und Polizisten stationiert. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Die Behörden machten teilweise ausländische Regierungen für die Krise im Land verantwortlich. "Zerstörer" aus dem In- und Ausland versuchten, konstruktive Bemühungen seitens der Regierung und des Volkes zunichtezumachen und Instabilität hervorzurufen, schrieb die staatliche Zeitung "The New Light Of Myanmar".

Kein Optimismus seitens der NLD
Suu Kyis Nationale Liga für Demokratie (NLD) äußerte sich wenig optimistisch darüber, dass Gambaris Besuch viel ausrichten könnte. Parteisekretär U Lwin erklärte dem Sender Radio Free Asia, er betrachte den Gesandten als Unterhändler, der Botschaften weitertransportieren könne, aber nicht die Befugnis habe, eine dauerhafte Vereinbarung zu erzielen.

Felsenfeste Junta?
Nach Auffassung der thailändischen Führung ist die burmesische Junta nicht zu einer Haltungsänderung bereit. "Die burmesischen Führer haben ihren eigenen Standpunkt, von dem sie voraussichtlich nicht abrücken werden", erklärte der thailändische Militärchef General Sonthi Boonyaratglin in einem Fernsehinterview. Er zeigte sich skeptisch bezüglich der Möglichkeit eines Erfolgs internationaler Druckausübung auf die Machthaber. "Die gegenwärtige Bewegung (gegen die Junta) wird an Intensität verlieren, und es ist wenig wahrscheinlich, dass sie zu irgendeiner Änderung führen kann", sagte der General, der den Putsch vom 19. September 2006 gegen den thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra angeführt hatte.

Entspannung in Rangun
In den Straßen von Rangun entspannte sich inzwischen die Lage. Soldaten und Polizisten zogen sich in die Vororte zurück, kontrollierten aber immer noch Fahrzeuge und überwachten die Stadt per Hubschrauber aus der Luft. Auf den Straßen herrschte wenig Verkehr, die meisten Geschäfte waren geschlossen. Die Pagoden Shwedagon und Sule, zwei Ausgangspunkte der Proteste, wurden wieder geöffnet. Allerdings kamen nur wenige Besucher. Die Mönche, die den Protest gegen die Diktatur anführten, müssen wohl einen hohen Preis für ihren Einsatz zahlen. Aus Diplomatenkreisen verlautete, ihnen werde ihr Status aberkannt und sie müssten zivile Kleidung tragen. Einigen von ihnen drohten lange Haftstrafen. In Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, nahmen Sicherheitskräfte zahlreiche Studenten fest, die sich an Straßenprotesten beteiligt hatten.

Bis zu 1500 Menschen sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen innerhalb der vergangenen Woche festgenommen worden. "Mindestens 85 Anführer der Proteste, mehr als tausend Mönche und zwischen 300 und 400 Studenten und Aktivisten wurden festgenommen", erklärte die Vereinigung zur Unterstützung politischer Gefangener (AAPP) mit Sitz in Thailand. Sie seien harten Haftbedingungen ausgesetzt. Nach Angaben des in Oslo etablierten Exilsenders Democratic Voice of Burma starben vier Mönche in einem Internierungslager in Rangun unter nicht geklärten Umständen. Aus Burma seien zahlreiche SMS-Mitteilungen eingegangen von Menschen, deren Angehörige spurlos verschwunden seien, berichtete der Sender.

Die Südostasiatische Staatengemeinschaft (ASEAN) drückte in einem Brief an Than Shwe ihre Abscheu gegenüber dem gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten aus. Die Konfrontation werde schwere Konsequenzen nicht nur für Burma selbst, sondern auch für die ASEAN (der Burma seit 1997 angehört) und die gesamte Region haben, erklärte die Regierung des gegenwärtigen Vorsitzlandes Singapur. In Straßburg verurteilte der Europarat die "entsetzliche und ungerechtfertigte Gewalt der Militärjunta". Die Parlamentarier aus den 47 Europaratsländern sprachen ihre Unterstützung und Solidarität "für alle demokratischen Kräfte des Landes, für die Mönche und Aung San Suu Kyi" aus. (apa/red)