Umtauschverhältnisse ungünstig für Republik? Grasser prüft OMV-Verbund-Deal

Vorwurf: Wird eine Milliarde Euro liegen gelassen? Deutlich mehr Geld für Privatanleger

Finanzminister Karl-Heinz Grasser hat am Dienstag erstmals auf Vorwürfe reagiert, die Republik würde bei der Übernahme der Verbundgesellschaft durch den Öl- und Gaskonzern OMV über eine Milliarde Euro "liegen lassen". Er lässt die Umtauschverhältnisse hinterfragen, bestätigte Grasser, ob sie auch wirklich zum Besten der Steuerzahler ausfallen.

Die Republik Österreich bekäme für ihre 51 Prozent am Verbund - rechne man das am Mittwoch präsentierten Übernahmeangebot nach - um gut eine Mrd. Euro zu wenig, hatte der "Kurier" in seiner Samstagausgabe spekuliert. Angeboten wird von der OMV der Umtausch von einer Verbund-Aktie in 6,5 OMV-Aktien. Deutlich mehr Geld winkte den Privatanlegern: Im Gegensatz zur öffentlichen Hand wird den Privaten von der OMV nämlich ein Abfindungsangebot von 425 Euro je Verbund-Aktie angeboten.

Grasser ging in einer Pressekonferenz in Wien zwar auf die Preisdaten nicht im Detail ein. Er verwies aber darauf, dass er die ÖIAG beauftragt habe, die vorgeschlagenen Umtauschverhältnisse im Detail zu überprüfen. "Wir werden diesen Vorschlag hinterfragen", sagte Grasser, der geklärt haben will, ob das auch der beste Vorschlag für Steuerzahler und Republik sein werde.

Die beiden Vorstände Wolfgang Ruttenstorfer (OMV) und Hans Haider (Verbund) "haben sich was gedacht dabei", so Grasser. Er warte auf die Argumente.

Wichtig sei, dass es zu einer auch für den Steuerzahler sehr guten Lösung komme.

Für die Republik gehe es um die Konsolidierung zweier Unternehmen. Sie handelten aus einer Position der Stärke heraus, betonte der Finanzminister. Keiner von beiden hätte den Zusammenschluss aus anderen Gründen nötig.

Mit dem OMV-Verbund-Deal, der via Verfassungsgesetzesreform die Abkehr von der 51-Prozent-Bundesmehrheit im Verbund bedeutet, sollen auch die öffentlichen Mehrheiten für die Landesenergieversorger fallen. Grasser hielte dies für "logisch und konsequent". Sonst wäre das eine Anlassgesetzgebung, eine "Lex Verbund". Grasser ist dafür, eine staatliche Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie festzuschreiben, diesmal aber nur einfachgesetzlich. (APA)