Umstrittener Atomreaktor von Yongbyon:
USA führen Nordkorea als "Schurkenstaat"

Anlage kann Plutonium für Atombomben liefern Regime wollte Atomprogramm eigentlich einstellen

Der im Juli 2007 stillgelegte Reaktor von Yongbyon steht erneut im Mittelpunkt des Streits über das nordkoreanische Atomprogramm. Weil die USA das Land wegen fehlender Kontrollen noch nicht von ihrer Liste der "Schurkenstaaten" gestrichen haben, will Nordkorea Yongbyon wieder in Betrieb nehmen. Im Februar 2007 hatte das Regime zugesichert, sein Atomprogramm einzustellen und den Reaktor unbrauchbar zu machen.

Mit einer Leistung von nur fünf Megawatt ist die Anlage zwar klein, kann aber Plutonium zur Herstellung von Atombomben liefern. Aus diesem einzigen Reaktor Nordkoreas kam der Stoff, den das kommunistische Land für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 benötigte. Der Reaktor von Yongbyon war nach US-Erkenntnissen seit 1986 oder 1987 in Betrieb. Bereits 1982 hatten US-Spionagesatelliten Bilder von der Baustelle geliefert. Dem Typ nach handelt es sich um einen sogenannten Graphit-Gas-Reaktor, wie er seit den 50er Jahren vor allem zur Plutoniumgewinnung gebaut wurde.

In dem nördlich der Hauptstadt Pjöngjang gelegenen Nuklearzentrum sollen zuletzt etwa 2000 Menschen beschäftigt gewesen sein. Zu dem Atomkomplex gehören außer dem Reaktor mehrere Anlagen zur Herstellung, Wiederaufarbeitung und Lagerung von Brennelementen. Im Zuge der Gespräche über ein Ende des Atomwaffenprogramms begann Nordkorea im November 2007 damit, die Anlagen in Yongbyon abzubauen. Am 27. Juni 2008 wurde der 25 Meter hohe Kühlturm gesprengt.

(apa/red)