Umstrittene Exekution: Saddam-Anwalt fordert UN-Untersuchung der Hinrichtung

Aufklärung über Identität der Henker verlangt Video-Aufnahmen schüren neue Gewalt im Irak

Einer der Anwälte des hingerichteten irakischen Machthabers Saddam Hussein, der Franzose Emmanuel Ludot, hat in einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon eine Untersuchung der Umstände gefordert, unter denen sein Mandant hingerichtet wurde. Das Video seiner Hinrichtung und die Tatsache, dass Saddam gehängt worden sei, verstießen gegen die Genfer Konvention von 1949. Der Hingerichtete sei bis zu seinem Tod vom Status her ein Kriegsgefangener gewesen, also hätte die Konvention auf ihn angewandt werden müssen, heißt es in dem in Auszügen veröffentlichten Schreiben.

Der Anwalt will außerdem wissen, wer die vermummten Henker waren, denn hochgestellte Saddam-Gegner könnten "in einem üblen Handel mit der Besatzungsmacht das Privileg erhalten haben, bei der Tötung selbst Hand anzulegen". Tatsache ist nach den inzwischen aufgetauchten Videos, dass der Todeskandidat von Personen, die bei der Exekution zugegen waren, geschmäht und beschimpft wurde.

Nach der Hinrichtung Saddam Husseins haben die inoffizielle Filmaufnahmen von den letzten Minuten des ehemaligen Diktators die Spannungen im Irak geschürt. Die Regierung leitete Ermittlungen ein, wer das Video mit einem Mobiltelefon hergestellt hat. Nach den Worten eines Richters haben zwei hohe Regierungsbeamte mit ihren Mobiltelefonen gefilmt.

Der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak fielen im Dezember den offiziellen Statistiken zufolge 1.930 Zivilisten zum Opfer. Insgesamt sind nach Angaben des Innenministeriums im vergangenen Jahr 12.320 Zivilisten getötet worden, außerdem 1231 Polizisten und 602 irakische Soldaten. UN-Statistiken zufolge kommen derzeit täglich 120 Zivilisten ums Leben. Allein für Oktober hatten die Vereinten Nationen auf der Basis von Daten des Gesundheitsministeriums und des Bagdader Leichenschauhauses rund 3.700 tote Zivilisten errechnet.

(apa/red)